Neues Modul: AutoThür
23.07.2013
Kategorie: Nachrichten
Eine digitale Edition autobiographischer Lebensläufe aus Thüringer Leichenpredigten
Ausschnitt aus einem Personennetzwerk-Graph in AutoThür
Zehn autobiographische Lebensläufe aus Thüringer Leichenpredigten stehen ab heute als erste Lieferung der digitalen Edition AutoThür auf der Website der Forschungsstelle für Personalschriften für Recherchen zur Verfügung. Mit der Edition dieser besonders aussagekräftigen Quellen beschreitet die Forschungsstelle einen neuen Weg.
Die Mehrzahl der in Leichenpredigten enthaltenen Lebensläufe der Verstorbenen (Personalia) stammt aus der Feder der Leichenpredigt-Verfasser. Nach vorläufigen Schätzungen sind jedoch rund fünf Prozent aller Personalia autobiographisch. Ihre Verfasser schrieben diese Texte meist schon mit der Absicht nieder, sie nach ihrem Tode im Rahmen der Leichenpredigt veröffentlichen zu lassen.
Diese Lebensläufe unterscheiden sich von nicht-autobiographischen Personalia durch ihre individuellen Akzentsetzungen und lassen persönliche Erfahrungen, Erwartungen und Wertungen ihrer Autoren erkennen. Darin liegt ihr besonderer Quellenwert. Weil sie einen bestimmten Umfang nicht überschreiten durften, waren ihre Verfasser gezwungen, sich ihre Lebensgeschichte in einer konzisen Form zu erschreiben und ihrem autobiographischen Gedächtnis Ereignisse zu entnehmen und darzustellen, die ihr Leben besonders geprägt hatten.
Mit der digitalen Edition dieser wertvollen Quellen wirkt die Forschungsstelle an der Ermittlung, Erschließung und Bereitstellung von Selbstzeugnissen aus der Frühen Neuzeit für die historische Forschung mit.
Zusätzlich zur eigentlichen Textedition und zwei Registern eröffnen drei visuelle, interaktive Komponenten dem Nutzer verschiedene Perspektiven auf den jeweiligen Text und bieten ihm gezielte Einstiege in die Quelle. Auf einer Zeitleiste werden im Text erwähnte Ereignisse und Zeitspannen aus dem Leben des Verfassers angezeigt. Zur Veranschaulichung des Raumes, in dem sein Leben stattfand, ist jeder Quelle eine Karte beigegeben, auf der seine Lebensstationen markiert sind. Ein interaktiver Graph veranschaulicht das Personennetzwerk, das er in seiner Autobiographie aufspannt.
Die Forschungsstelle dankt allen, die an der Erfassung und Erschließung der Quellen mitgewirkt haben. Sie sind in den Textansichten namentlich genannt. Unser besonderer Dank richtet sich an den Leiter der Digitalen Akademie der Mainzer Akademie, Torsten Schrade, der AutoThür mit großem Engagement - auch über das übliche Maß hinaus - in die TYPO3-Umgebung der Website der Forschungsstelle integriert hat.
AutoThür ist ein work in progress. Sukzessive werden weitere Quellen in dieser Edition veröffentlicht.
- Links:
- Zum Modul AutoThür
- Digitale Akademie Mainz
- Mitteilung der Akademie Mainz
- Artikel auf dk-Blog: Editionsprojekt zu thüringischen Leichenpredigten
- Artikel auf dk-Blog: Thüringische Leichenpredigten – das Beispiel J. G. Heinold
- Artikel auf dk-Blog: Thüringische Leichenpredigten – das Beispiel Andreas Reyher