Forschungsstelle für Personalschriften Marburg

Karl I. Pfalzgraf von Pfalz-Birkenfeld (1560-1600)

01.08.2014

Kategorie: Leben in Leichenpredigten

Von: Sigrid Hubert-Reichling

[...] das aller Päbstischer Saurteyg/ vnd Caluinische Schwermerey von dero hertzgeliebten Kinderlein vnd Vnderthanen außgemustert vnnd verhüttet würde – Innerprotestantischer Dissens in Leichenpredigten

Epitaph Karls I. von Pfalz-Birkenfeld [1/3]

Dermaßen kampfbereit, dass die marodierende Soldateska der Französischen Revolution es verschonte, weil sie einen "grand général"[1] dargestellt zu sehen glaubte, zeigt das imposante Epitaph in der Pfalz-Zweibrücker Grabkapelle der Meisenheimer Schlosskirche Karl I. von Pfalz-Birkenfeld (1560-1600). In den darunter stehenden Goldlettern[2] wird der Betrachter über die wichtigsten Lebensdaten dieses Pfalzgrafen informiert,[3] als Stifter des Denkmals sind Gattin, Kinder und Brüder genannt. Zwei der Lebensmaximen des Verstorbenen umrahmen den Text: IVSTITIA EXALTAT GENTEM [4] und das Distichon SIS SAPIENS ET SIS PATIENS DICENDO SILENDO QVI/ SAPIT ET PATITVR DENIQVE VICTOR ERIT[5], das im Kontrast zum Eindruck der Wehrhaftigkeit der auf "Ehre und Ruhm"[6] zielenden Nachbildung des Verstorbenen steht.

Pfalzgraf Karls I. hervorstechendste Eigenschaft war nämlich durchaus nicht sein militärischer Kampfgeist, wenngleich er sehr wohl die Bewohner seines kleinen Fürstentums erfolgreich zu verteidigen wusste. So betont sein Hofprediger Johann Conon in der Leichenpredigt: In Kriegsleüfften/ haben sich sorgfeltig vnnd fleissig ihr F. G. bemühet/ das souiel müglich/ den Vnderthanen/ mit gefehrlichen Durchzügen/ vnnd schädlicher Einlägerung frembdes Kriegsuolcks möchte verschont werden: vnd sich nicht auff einer oder der andern Seiten parteyisch gemacht/ sondern/ zu Vereinigung vnnd Frieden/ wo es von nöthen gewesen/ trewlich gerathen vnnd geholffen.[7] Pfalzgraf Karl war mehr für seine Belesenheit und Bildung bekannt, wurde er doch so wol auch zu güten Künsten vnnd Sprachen/ zu Ritterlichen Tugenden [...] fleissig vnnd löblich erzogen [...], auch in solchen laudatissimis Exercitijs also gewachsen vnnd herfür komen/ das sie auff der Hohen Schül zu Heydelberg [...] das Rectorat Ampt mit Lob vnd Nutz geführet.[8]

Bis heute ist eine Biographie des Stifters jener Nebenlinie der Wittelsbacher, die im 19. Jahrhundert die bayerischen Könige stellen sollte,[9] ein Desiderat.[10] Zu den wichtigsten Quellen, die Informationen über sein Leben geben, gehören sechs Leichenpredigten, die Karls ältester Bruder und Vormund, Philipp Ludwig Pfalzgraf von Pfalz-Neuburg (1547-1614) in Lauingen herausgeben ließ,[11] sowie, biographisch weniger aufschlussreich, jene beiden Predigten, die der zweitälteste Bruder und Vormund, Herzog Johann I. von Pfalz-Zweibrücken (1550-1604), zu halten veranlasst hatte.[12] Die Brüder waren Söhne Herzog Wolfgangs von Pfalz-Zweibrücken (1526-1569), dem überzeugten Streiter für die Lehre Luthers, und dessen aus streng protestantischem Haus geborenen Gattin Anna, geb. Landgräfin von Hessen (1529-1591).[13] Im Gegensatz zum Epitaph für Karl, dessen Beschriftung zwar Topoi zur Frömmigkeit des Verstorbenen enthält, nicht jedoch eine konfessionelle Charakterisierung, wird auf dem Denkmal des Vaters explizit dessen Kampf für die reine Lehre in gefährlichster Zeit hervorgehoben und sein Vorgehen gegen den papistischen [...] Götzendienst und die anderen Sekten[14] betont. Die konfessionelle Neutralität des Textes liegt in der Entstehungsgeschichte von Karls Epitaph begründet: Sein Bruder Johann I. von Pfalz-Zweibrücken, betrieb dessen Herstellung und Finanzierung nicht nur vehement, sondern hatte es sogar selbst entworfen. Johann jedoch war spätestens seit 1588 mit der Herausgabe des Zweibrücker Katechismus dem reformierten Lager zuzurechnen und stand in ständigen religiösen Auseinandersetzungen mit seinen lutherischen Brüdern.[15] Zudem gehörte die Grabstätte des Lutheraners Karl in Meisenheim zum nunmehr reformierten Herzogtum Pfalz-Zweibrücken, eine Spannung, die auch die Leichenpredigten prägt.

Pfalzgraf Karl I. wurde in der Zweibrücker Nebenresidenz Neuburg an der Donau am 4. September 1560 geboren. Er verlor bereits mit neun Jahren seinen Vater und erfuhr am Hofe seines Bruders, dem überzeugten Lutheraner Philipp Ludwig, in Neuburg eine sorgfältige Erziehung. Dreizehnjährig wurde Karl an den Hof des gleichfalls streng lutherischen Kurfürsten August von Sachsen (1526-1586) geschickt, um dort mit dem kursächsischen Erbprinzen Christian (1560-1591) weiter ausgebildet zu werden. Danach studierte er in Heidelberg an der Universität seines Vormunds, Kurfürst Ludwig VI. von der Pfalz (1539-1583), der zum überzeugten Anhänger des lutherischen Konkordienbuches geworden war. Hier avancierte Karl schnell zum Rektor der Universität. Volljährig geworden, regierte er ab 1584 im pfälzischen Teil der hinteren Grafschaft Sponheim und heiratete 1586 Dorothea, geb. Herzogin von Braunschweig-Lüneburg (1570-1649). Durch mehrere Jahre im diplomatischen Dienst für den Schwager seiner Frau, Georg Friedrich Markgraf von Brandenburg-Ansbach und Kulmbach (1543-1603), sowie die spätere Statthalterschaft in Ansbach erwirtschaftete sich Karl die Mittel zum Ausbau seiner Residenz in Birkenfeld. Er erwarb sich den Ruf, ein vorzüglicher Diplomat und Politiker zu sein. Nach Birkenfeld zurückgekehrt, sorgte Karl für die politische Absicherung und Trennung seines Territoriums vom katholischen badischen Gemeinsherren. Durch ein strenges Kirchenregiment war der Pfalzgraf zeitlebens darum bemüht, die Landesherrschaft, eine lutherische Enklave, gegen die Einflüsse der reformierten und katholischen Nachbarn zu verteidigen.[16] Mit der Neuauflage der väterlichen Kirchenordnung von 1557 in einer für jeden les- und bezahlbaren Oktavausgabe[17] sowie durch ein umfangreiches Testament[18] verstand es Karl, das entschieden verteidigte Luthertum in Birkenfeld für Generationen zu schützen. Der wehrhafte Herrscher des Epitaphs zeigt sich damit vor allem als ein Kämpfer für seinen Glauben!

Als rüstcammer[19] zum Erhalt und zur Verteidigung des wahren Glaubens schuf der belesene Pfalzgraf eine bedeutende Bibliothek, die heute wichtiger Bestand der fürstlichen Sammlung des Landesbibliothekszentrums/Bibliotheca Bipontina ist.[20] Diese Büchersammlung ist neben den Leichenpredigten das wichtigste authentische Zeugnis des Lebens Pfalzgraf Karls I.[21] Hierin enthalten ist nicht nur die 'Grundlagenliteratur' des Luthertums, wie zahlreiche prächtige Bibelausgaben und die Schriften der Reformatoren, sondern auch die wichtigsten zeitgenössischen theologischen Streitschriften und jene Literatur, die Karl als Basisliteratur für die in der Birkenfelder Landeskirche ordinierten Pfarrer ansah, welche sich dieser Büchersammlung bedienen konnten. Vor allem befinden sich hier auch Zeugnisse der innerfamiliären Diskussion um den 'reinen Glauben'. Beispielhaft in diesem Zusammenhang ist das Protokoll eines Religionsgespräches, das 1583 in Neuburg stattfand.[22] Seinen Nachklang hatte dieses Gespräch u.a. auch in den Leichenpredigten für Karl, findet man hier doch drei der bedeutendsten Protagonisten, Jakob Heilbrunner (1548-1571) auf lutherischer und Michael Philipp Beuther (1564-1616) sowie Bartholomäus Hexamer (um 1555-1625) auf reformierter Seite, als Autoren.

Einige wichtige Merkmale dieser im theologischen Dissens entstandenen Predigten mögen hier Anregungen zu weiterführenden Forschungen geben: Die 1601 in Lauingen gedruckte Predigtsammlung enthält Texte aus den Residenzen der drei lutherisch gebliebenen Brüder sowie aus Pfalz-Birkenfeld.[23] In der Ausführlichkeit bestimmt von der persönlichen Nähe der Theologen zu dem Verstorbenen, finden sich hier zahlreiche Mosaiksteine zu Karls Leben und Charakter. Gemäß der kompromisslosen Einstellung Philipp Ludwigs von Pfalz-Neuburg, dem Initiator der Texte, enthalten diese ausgesprochen aggressive Formulierungen gegen Nichtlutheraner.[24] Pfalzgraf Karl steht hier als offensiver Kämpfer gegen den 'Unglauben' im Mittelpunkt.

Jene beiden Leichenpredigten, welche 1601 bei Caspar Wittel in Zweibrücken gedruckt wurden, sind demgegenüber weniger deutlich in ihrer Frontstellung. So enthält Michael Philipp Beuthers Text - er war im Religionsgespräch von 1583 erbitterter Kämpfer für die reformierte Seite - auf 76 Seiten den Trost an die Hinterbliebenen und nur auf vier Seiten die Würdigung des Toten, vorwiegend formuliert mit Topoi, die für fürstliche Verstorbene allgemein Gültigkeit hatten.[25] Hervorgehoben wird auch hier, wie bei allen Predigern, die Bibelkenntnis des Verstorbenen, exemplifiziert an dessen auswendigem Beherrschen aller Psalmen.[26] Ganz im Sinne des trotz aller theologischen Auseinandersetzungen brüderlichen Zusammengehörigkeitsgefühl[s],[27] so betont Beuther, habe Karl Brüderliche lieb/ vnd Einigkeit hoch vnd werth gehalten.[28] - Ob das im theologischen Teil der Predigt hervorgehobene hinderniß des ewigen leben[s] [... die] trunckenheit[29] nach 1.Kor 6,10 als eine Anspielung auf Karls entsprechende Veranlagung gemeint war, ist nicht nachweisbar. Persönlicher gehalten ist die zweite reformierte Predigt von Bartholomäus Hexamer.[30] Wenn dieser hervorhebt, als Lehrer und Pfarrer in Trarbach dem Pfalzgrafen gedient zu haben, so zeigt sich Hexamer hier als Opfer von Karls konsequentem Luthertum. Schließlich wurde er von eben diesem unter dem Verdacht, dem Calvinismus anzuhängen, des Landes verwiesen.[31]

Die vorwiegend mit der Person des Verstorbenen befassten sechs lutherischen Prediger zeigen nicht nur in ihren Lebensbeschreibungen die offensive Verteidigung der 'reinen Lehre', wie sie für das kompromisslose Kämpfertum der beiden Pfalzgrafen Philipp Ludwig und Karl typisch war. Ein wiederholt begegnendes Muster der Verfasser ist, die eigene Kritik am theologischen Gegner mit exemplarischen Begebenheiten aus der Vita des Pfalzgrafen zu verknüpfen, der damit eine testimoniale Funktion erhält.[32] - Vor allem Jakob Heilbrunner, ein Meister der kontroverstheologischen Streitschriften[33] und wegen seiner Entfernung aus dem Zweibrücker Hofpredigeramt ein unversöhnlicher Feind des Calvinismus,[34] bediente sich dieses Mittels in seiner Predigt über Dan 12 virtuos. Beispielhaft mag hierfür seine Beschreibung der diplomatischen Tätigkeit des Pfalzgrafen stehen: Vnd ob wol I.F.G. die zeit dero Lebens/ mit den Caluinisten viel zu thuen gehabt/ Dero auch deßhalben von Hohen Fürstlichen vnnd anderen Personen nicht wenig zügesetzt worden (der Papisten zu schweigen) [...] So haben doch I.F.G. bey der einmahl erkan[n]ten Warheit des seeligmachenden Worts Gottes/ also bey dero Herrn Vatters Christlicher Religion der vnueränderten Augspurgischen Confession steiff vnnd starck gehalten/ haben auch des Gegentheils falsche irrige Meinungen vnd argumenta auß der Heyligen Bibel/ in deren sie fleissig gelesen [...] viel besser dann mancher Pfarrer/ zu widerlegen gewußt.[35]

Die Darstellung der Glaubensfestigkeit des Pfalzgrafen untermauert für die Prediger die Richtigkeit ihrer eigenen theologischen Positionen. Deutlich zeigt sich dies auch bei der Thematisierung des Abendmahls, dem 'Dreh- und Angelpunkt' der theologischen Kontroversen: Karl nahm bestendigen warhafftigen Trost/ auß Gottes vnuerfelschtem Wort/ die Christliche Absolution, vnnd mittheilung des waren wesentlichen Leibs vnnd Blüts Jesu Christi/ in seinem H. Abendmahl zu sterckung des Glaubens.[36]

Das jeweils abschließende Gebet bietet allen lutherischen Predigern eine letzte Möglichkeit der Verunglimpfung der Gegner. So bittet der Sulzbacher Pfarrer Johann Jugler um den Schutz der Hinterbliebenen zu Ehr deines Heiligen Namens/ zu Erhaltung der reinen Euangelischen Lehr/ vnnd vnuerfelschtem brauch der heylwertigen Sacramenten.[37] Viel krasser noch formuliert Tobias Braun aus Lengfeld: Endtlich bitten wir auch deine grundlose Barmhertzigkeit/ du wollest vns auch auff der richtigen Straß deines heyligen Worts/ in dem Glauben vnnd Leben vnsträfflich bewahren/ vor den schädlichen Rotten vnd Secten der Papist [en] und Caluinisten gnediglich behüten.[38]

Die an dieser Stelle nur kurz skizzierte Fortsetzung des innerprotestantischen und -familiären Dissenses in der Argumentation der Leichenprediger ist ein wichtiger Beitrag zur Glaubenshistorie zu Zeiten der sog. Zweiten Reformation,[39] die es wert ist, intensiver erforscht zu werden.

 

Dr. SIGRID HUBERT-REICHLING ist Standortleiterin der Bibliotheca Bipontina in Zweibrücken, die als Teil des 2004 gegründeten Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz die ehemaligen herzoglichen Sammlungen der Residenzstadt beherbergt.

 

Bestand: Bayerische Staatsbibliothek, München
Signatur: 4 Bavar. 2140,I,27
Enthalten in: Verzeichnis der im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 17. Jahrhunderts (VD17 12:127263U)

 

Anmerkungen:

[1] Eberhard J. Nikitsch, Botschaften der Vorfahren. Katalog der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Inschriften der Schlosskirche zu Meisenheim, in: Schlosskirche Meisenheim 1504-2004. Bewegende Geschichte und lebendige Gegenwart eines einzigartigen Bauwerks, hg. von der Evangelischen Kirchengemeinde Meisenheim, Meisenheim 2003/2004, S. 197-252, hier S. 220.

[2] Vgl. hierzu besonders die Schilderungen der Entstehungsgeschichte des Epitaphs bei August Brauner, Fürstenhochzeit in Bergzabern, Pfalz-Jülich 1579. Eine Studie zur Geschichte der Stadt und des Schlosses Bergzabern sowie der Fürstenhäuser Pfalz-Zweibrücken und Jülich-Cleve-Berg, Bergzabern 1968, insbesondere S. 77-82; sowie Heinrich Rodewald, Das Denkmal des Herzogs Carl von Birkenfeld in der Schlosskirche in Meisenheim, in: Mitteilungen des Vereins für Heimatkunde im Landesteil Birkenfeld 8 (1934), H. 2, S. 18-22; und ebd., H. 3, S. 34-37.

[3] Nikitsch, Botschaften (wie Anm. 1), S. 220f., verzeichnet den genauen Text.

[4] Spr 14,34: "Gerechtigkeit erhöht ein Volk" [Übersetzung S.H.-R.].

[5] Jakobus 1,19: "Sei weise und geduldig im Reden und Schweigen; wer weise ist und geduldig, wird zuletzt Sieger sein" [Übersetzung d.V.].

[6] Brauner, Fürstenhochzeit (wie Anm. 2), S. 80.

[7] Sechs Christliche Trost vnd Leichpredigten/ Uber dem tödtlichen Abgang des weyland Durchleuchtigen/ Hochgebornen Fürsten vnd Herrn/ Herrn CARLS, Pfaltzgrauens bey Rhein/ Hertzogs in Baiern [...] gedächtnuß. Dero Eine am Fürstlichen Pfaltzgräuischen Hofe zu Newburg an der Donaw durch Jakob Heilbrunner] [...] Die Ander zu Meisenheim [durch Johan Conon] [...] Die Dritte zu Sultzbach [durch Johann Jugler] [...] Die Vierdte zu Burglengenfeld [durch Tobias Braun]/ Die Fünfte zu Trorbach [durch Nicolaus Jacobi]/ Die Sechßte zu Enckirch an der Mosel [durch Johann Heygenfeld]: Den 18.21. vnd 28. Decembris, Anno 1600 gehalten. Sampt beygefügter Klagschrifft [von Karls Kammersekretär Friedrich Freschel] [...], Lauingen 1601, hier Bl. F3v (VD17 12:127263U), Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek, München [im Folgenden BSB München], Permalink (Werk): http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb10336459-8 (Zugriff: 17.06.2014). Das Zitat im Titel des Beitrags befindet sich auf Bl. H3v. Ergänzungen in der Titelangabe jeweils durch die Verfasserin.

[8] Ebd., Bl. H3r.

[9] Dazu Detlev Schwennicke (Hg.), Europäische Stammtafeln. Stammtafeln zur Geschichte der europäischen Staaten, N.F., Bd. I, Teilbd. 1, 2. Aufl., Marburg 2005, Tafeln 96 und 102.

[10] Wichtige Informationen enthalten Sigrid Hubert-Reichling, Pfalzgraf Karl I. von Pfalz-Birkenfeld und die Beständigkeit der "reinen Lehre", Eine Fürstenbibliothek als Spiegel regionaler Bekenntnisfestigung im 16. Jahrhundert, in: Mathias Gaschott/Jochen Roth (Hg.), Vestigia II. Aufsätze zur Kirchen- und Landesgeschichte zwischen Rhein- und Mosel, Regensburg 2013, S. 143-196; Lars G. Svensson, Die Geschichte der Bibliotheca Bipontina. Mit einem Katalog der Handschriften (Beiträge zur pfälzischen Geschichte 21), Kaiserslautern 2002, besonders S. 111-134; Heinrich Rodewald, Das Birkenfelder Schloß 1584-1717. Leben und Treiben an einer kleinen Fürstenresidenz, Birkenfeld 1927, besonders S. 7-19.

[11] Sechs Christliche Trost vnd Leichpredigten (wie Anm. 7).

[12] Zwo Christliche Leichpredigten/ Zu Vnderthänigen Ehren/ deß [...] Herrn Carls Pfaltzgraven bej Rhein [...] Christseliger Gedächtniß. Auß Gnädigem Befelch vnd Verordnung deß [...] Herrn Iohannsen Pfaltzgraven bej Rhein [...] Zu Zweybruck durch Michaelem Philippum Beutherum Th. L. Vnd Zu Hornbach durch Bartholomaeum Hexamerum, Pfarrern vnd Professorn daselbst/ Den 18. Decembris Anno Christi 1600. gehalten, Zweibrücken 1601 (BSB München, 4 Bavar. 2140,I,25), Digitalisat, Permalink (Werk): http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb10336457-2 (Zugriff: 17.06.2014).

[13] Das Epitaph der Eltern, das sich ebenfalls in der Schlosskirche zu Meisenheim befindet, wird u.a. beschrieben bei Nikitsch, Botschaften (wie Anm. 1), S. 207-213; und Wolfgang Schmid, Das Grabmal Herzog Wolfgangs von Pfalz-Zweibrücken (gest. 1569). Ein Werk des Bildhauers Hans von Trarbach, in: Schlosskirche Meisenheim (wie Anm. 1), S. 253-286.

[14] Nikitsch, Botschaften (wie Anm. 1), S. 210.

[15] Johann I. Herzog von Pfalz-Zweibrücken, Christliche und nothwendige erklärung deß Catechismi/ auß Gottes wort/ in kurtze Fragen und Antworten gestellt/ Wie die in dem Fürstenthumm Zweibrucken [...] getrieben soll werden [...], Neustadt an der Weinstraße 1588 (VD 16 ZV 12414), Digitalisat des Exemplars der Stadtbibliothek Trier, URN (Werk): http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0128-6-1112 (Zugriff: 17.06.2014). Vgl. hierzu z.B. Irene Dingel, Concordia controversa. Die öffentliche Diskussion um das lutherische Konkordienwerk am Ende des 16. Jahrhunderts (Quellen und Forschungen zur Reformationsgeschichte 63), Gütersloh 1996.

[16] Vgl. dazu z.B. Friedrich Back, Die evangelische Kirche im Lande zwischen Rhein, Mosel, Nahe und Glan, Bd. 1-3, Bonn 1872 -1874; und Erik Zimmermann, Politik und Konfession in der Hinteren Grafschaft Sponheim unter Herzog Karl I. von Birkenfeld (1584-1600), in: Mitteilungen des Vereins für Heimatkunde im Landkreis Birkenfeld 83 (2009), S. 23-107.

[17] Kirchen Ordnung/ Wie es in weyland deß [...] Herrn Wolffgangs/ Pfaltzgraffen bey Rhein/ Hertzogen in Bayern [...] Fürstenthummen vnd Landen/ mit Lehr vnd anderer der Kirchen nohtwendigen Stücken gehalten worden/ Erstlich in ANNO M.D.LVII. Darnach zum andern mal in ANNO M.D.LX. Vnd ferrners von den [...] Herren/ Herrn Philips Ludwigen/ vnd Herrn Johansen/ Gebrüdern/ beyden Pfaltzgraffen bey Rhein/ Hertzogen in Bayern/ [...] Zum dritten mal in ANNO M.D.LXX. außgangen vnd publiciert. Jetzunder aber von dem [...] Herrn Caroln/ Pfaltzgraffen bey Rhein/ Hertzogen in Bayern [...] auß Vrsachen/ so in der Praefation vermeldet werden/ in diese kleinere Form zu bringen/ vnd zu trucken befohlen/ etc., Frankfurt (Main) 1600 (VD16 P 2277), Digitalisat des Exemplars des Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz/Bibliotheca Bipontina [im Folgenden LBZ Rheinland-Pfalz/Bibliotheca Bipontina], T 451, URN (Werk): http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0128-1-25542 (Zugriff: 17.06.2014).

[18] Testament Karls I., verfasst in Birkenfeld am 28. Januar 1597, Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Abt. III. Geheimes Hausarchiv, Bestand Korrespondenzakten, Nr. 1646.

[19] Ebd., Bl. 35r-35v.

[20] Vgl. hierzu Svensson, Bibliotheca Bipontina (wie Anm. 10). In diesem Kontext weiß der Theologe Jakob Heilbrunner in seiner Leichenpredigt zu berichten: Die Lehr vnnd Streitschrifften wider die Caluinische vnnd Päbstische Irrthumb/ haben I.F.G. gleichfals gern vnd fleissig gelesen/ viel nutzliche gütte Bücher auß vnderschiedlichen Orten zusamen gebracht/ ihr lust vnnd Frewd damit gehabt/ auch die wol angefangene Bibliothecam zu locupletirn, dero Söhnen Testamento befohlen. Vgl. Sechs Christliche Trost vnd Leichpredigten (wie Anm. 7), Bl. C1v-C2r.

[21] Bereits seit seinem siebenten Lebensjahr sind Bücher insbesondere theologischen Inhalts erhalten. Sie veranschaulichen über die Jahre hinweg die Sozialisation eines Fürsten, der sich im Laufe seiner Entwicklung an den wichtigsten Brennpunkten der Entstehung und Verbreitung der bedeutenden lutherischen Bekenntnisschrift, dem 1580 publizierten Konkordienbuch, aufhielt. Vgl. hierzu Hubert-Reichling, Pfalzgraf Karl I. (wie Anm. 10).

[22] LBZ Rheinland-Pfalz/Bibliotheca Bipontina, Hs 28 B. Siehe dazu auch Kurt Schöndorf, Das Religionsgespräch von 1593 in Neuburg a.d.Donau, in: Neuburger Kollektaneenblatt 150 (2002), S. 208-217; und Hubert-Reichling, Pfalzgraf Karl I. (wie Anm. 10). In einer Diskussion zwischen den noch lebenden Söhnen Herzog Wolfgangs und ihren Theologen wollte man den Zweitgeborenen, Johann I. von Pfalz-Zweibrücken, wieder zum Luthertum im Sinne der väterlichen Kirchenordnung und seines Testaments bekehren, nachdem er sich geweigert hatte, die Konkordienformel zu unterschreiben und 1588 seinen calvinistisch geprägten Katechismus herausgegeben hatte. Das Religionsgespräch blieb erfolglos.

[23] Sechs Christliche Trost vnd Leichpredigten (wie Anm. 7). Lauingen war neben Neuburg an der Donau eine Bastion des Luthertums. Hier bestand eine Parallelgründung zur berühmten Fürstenschule der Zweibrücker in Hornbach.

[24] Pfalzgraf Philipp Ludwig beeinflusste seinen Bruder stark bei der Durchsetzung strengster lutherischer Kirchenzucht in Pfalz-Birkenfeld und war dort Mitregent, solange Karls Sohn, Georg Wilhelm von Pfalz-Birkenfeld (1591-1669) unmündig war.

[25] Zur Person Michael Philipp Beuther vgl. Georg Biundo, Die evangelischen Geistlichen der Pfalz seit der Reformation (Pfälzisches Pfarrerbuch) (Genealogie und Landesgeschichte 15), Neustadt an der Aisch 1968, S. 30f., Nr. 350. - Diese typisch calvinistische Haltung begründet er sehr geschickt mit einem Zitat aus dem Testament des Verstorbenen selbst. Dieser habe gewünscht, dass die Leichenpredigten dahin mit fleiß gerichtet würden/ damit eine Christliche erinnerung/ von der eytelkeit dises kurtzen/ vergenglichen Menschlichen/ auch der künfftigen herrlichkeit des ewigen lebens/ vnd wahrem Trost in Todesnöthen/ auß Gottes wort/ geschehe. Siehe Zwo Christliche Leichpredigten (wie Anm. 12), S. 76; vgl. hierzu auch die Erwähnung des Testaments bei Hexamer, ebd., S. 84. - Tatsächlich enthält Karls Testament nicht nur dezidierte Anweisungen seine ausdrücklich geforderte prunklose Bestattung betreffend, sondern auch zu seiner Leichenpredigt. Sie soll vorzugsweise von seinem Hofprediger für zwölff gülden zu 15 batzen gehalten werden. Inhaltlich soll hervorgehoben werden, dass Karl durch göttliche Gnade in wahrer Bekandtnis unseres christlichen glaubens seliglich entschlaffen und bey der erkandten warheit göttlichen worts bestendiglich verblieben ist. Siehe Sechs Christliche Trost vnd Leichpredigten (wie Anm. 7), Bl. 27v-28v.

[26] Vgl. Zwo Christliche Leichpredigten (wie Anm. 12), S. 77: [...] daß [I.F.G.] auch den gantzen Psalter (außgenommen/ den 119 Psalmen) nicht nuhr oben hin/ sonder der gestallt außwendig gekon[n]t/ daß/ wan[n] man I.F.G.im anfang/ mitten/ oder im end eines Psalmens etliche Wort erzehlt/ I.F.G. also bald/ wz vorgangen/ oder nachfolgt [...] ferner biß ans end färtig gewißt/ fort zu sagen.

[27] Vgl. dazu Schöndorf, Religionsgespräch (wie Anm. 22), S. 213.

[28] Zwo Christliche Leichpredigten (wie Anm. 12), S. 77.

[29] Ebd., S. 53.

[30] Ebd., S. 81-139, darin die Vita Karls I. S. 119-128.

[31] Ebd., S. 84; siehe dazu z.B. Back, Die evangelische Kirche (wie Anm. 16), Bd. 2, S. 530. - Hexamer war im Gegensatz zu vielen aus theologischen Gründen Verfolgten privilegiert, denn er wurde von Johann I. sofort als Lehrer am bedeutenden Gymnasium illustre eingesetzt. Zur Person Bartholomäus Hexamer vgl. Biundo, Pfälzisches Pfarrerbuch (wie Anm. 25), S. 169f., Nr. 1974.

[32] Vgl. hierzu z.B. das Titelzitat.

[33] Im Gründungsbestand der Bibliotheca Bipontina in Zweibrücken sind viele seiner Schriften aus dem Eigentum Karls I. nachgewiesen.

[34] Vgl. hierzu z.B. Werner Ulrich Deetjen, Das Ende der Entente Cordiale zwischen den Bruderkirchen und Bruderdynastien Pfalz-Zweibrücken - Württemberg und Pfalz-Neuburg. Deutungsversuch und Dokumente zur Vorgeschichte des Zweibrücker Konfessionswechsels (1557-1580), in: Blätter für württembergische Kirchengeschichte 82 (1982), S. 38-217.

[35] Sechs Christliche Trost vnd Leichpredigten (wie Anm. 7), Bl. C1v; vgl. hierzu auch den entsprechenden Passus in der Predigt des Hofpredigers Johann Conon, ebd., Bl. F2v.

[36] Ebd., Bl. F4v.

[37] Ebd., Bl. I2r.

[38] Ebd., Bl. L3v. - Solche Polemik hatte Karl I. seinen Pfarrern, zumindest auf der Kanzel, eigentlich verboten. Jedoch hielt er sich selbst nicht an diese Regel; in seinen überlieferten Büchern finden sich entsprechende Einträge. Vgl. Hubert-Reichling, Pfalzgraf Karl I. (wie Anm. 10), u.a. S. 181.

[39] Vgl. dazu etwa Erik Zimmermann, Die Durchführung der Zweiten Reformation auf dem Hunsrück, in: Monatshefte für die evangelische Kirchengeschichte im Rheinland 57 (2008), S. 91-107.

 

Zitierweise: Sigrid Hubert-Reichling, Karl I. Pfalzgraf von Pfalz-Birkenfeld (1560-1600). [...] das aller Päbstischer Saurteyg/ vnd Caluinische Schwermerey von dero hertzgeliebten Kinderlein vnd Vnderthanen außgemustert vnnd verhüttet würde – Innerprotestantischer Dissens in Leichenpredigten, in: Leben in Leichenpredigten 08/2014, hg. von der Forschungsstelle für Personalschriften, Marburg, Online-Ausgabe: <http://www.personalschriften.de/leichenpredigten/artikelserien/artikelansicht/details/karl-i-pfalzgraf-von-pfalz-birkenfeld-1560-1600.html>

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