Clara Dorothea Gräfin von Seckendorff, geb. Freiin von Hohenwart zu Gerlachstein (1674-1757)
01.04.2014
Kategorie: Leben in Leichenpredigten
[...] auf Reisen im frühen Aufstehen allezeit am ersten fertig und zur Abreise parat – Ein Frauenleben im Krieg
Aufbahrung von Clara Dorothea von Seckendorff, geb. von Hohenwart zu Gerlachstein [1/5]
Die Wende vom 17. auf das 18. Jahrhundert ist eine Zeit beinahe ununterbrochen aufeinanderfolgender Kriege. In der gesamten Frühen Neuzeit war das Kriegshandwerk, trotz seiner Gefährlichkeit, gerade für Adlige ein standesgemäßes und auch Karrieremöglichkeiten bietendes Geschäft. An einer ebenso standesgemäßen Heirat hinderte ihr Beruf sie allerdings bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts keineswegs.[1] Der Ehefrau eines hochrangigen adligen Militärs boten sich zwei Möglichkeiten, mit der häufigen Abwesenheit des Gatten umzugehen. Die sicherere, bequemere und sinnvollere, vor allem, wenn die Ehe mit Kindern gesegnet war, war wohl, zu Hause auf dem Adelssitz geduldig auf seine Rückkehr zu warten.[2] Die andere Möglichkeit wird aus dem Lebenslauf in der Leichenpredigt auf Clara Dorothea Gräfin von Seckendorff deutlich, die sich im Thüringischen Staatsarchiv Altenburg erhalten hat.[3]
Clara Dorothea stammte aus dem evangelischen Zweig der ursprünglich österreichischen Familie von Hohenwart zu Gerlachstein, Rabensberg und Raunach, der seit 1640 aufgrund der Rekatholisierung Österreichs im Ausland lebte. Sie selbst wurde in Pilgersdorf in Ungarn (heute im Bundesland Burgenland in Österreich) geboren. Im Alter von vier Jahren verlor sie ihre Mutter, fünf Jahre später folgte der Vater, woraufhin sie einige Jahre von ihrer Tante erzogen wurde. Als ihre ältere Schwester heiratete, zog Clara Dorothea zu ihr nach Ödenburg (ungar. Sopron). Nach dem Ende des Pfälzischen Erbfolgekrieges wurde 1697 ein Ansbachisches Bataillon gegen die Türken nach Ungarn beordert, das ein Jahr später, nachdem der Frieden von Karlowitz geschlossen war, sein Winterquartier in Ödenburg nahm. Unter dessen Offizieren war ein junger Hauptmann, der über seinen Onkel Veit Ludwig von Seckendorff mit Clara Dorotheas Schwester bekannt und daher oft zu Gast in deren Haus war. Im Mai des folgenden Jahres heiratete Clara Dorothea im Alter von 24 Jahren den ein Jahr älteren Friedrich Heinrich von Seckendorff.
Schon 13 Tage nach der Hochzeit musste sie von ihrer Familie Abschied nehmen, der nicht ohne Empfindlichkeit geschah, jedoch weil Sie Sich entschlossen, Ihren neuen Eheherrn aller Orten zu folgen, so liesse Sie Sich ganz willig darzu finden. Auch als sie auf der Reise krank wurde, wollte sie nicht zurückgelassen werden. Für kurze Zeit lebten sie in Ansbach, wo die junge Gräfin bei Hofe, vor allem von der späteren englischen Königin Caroline, geb. Markgräfin von Brandenburg-Ansbach,[4] warm empfangen wurde.
Als der Spanische Erbfolgekrieg ausbrach, begann die Zeit des Reisens, das ihr Leben von nun an prägen sollte. Friedrich Heinrich von Seckendorff wurde Obristleutnant in einem Dragonerregiment, das Wilhelm III. von Oranien gestellt wurde, und Clara Dorothea setzte ihren Entschluss, ihrem Ehemann überall hin zu folgen, in die Tat um. Anfang 1701 schiffte sie sich zusammen mit Soldaten und Offizieren mitsamt Gewehr, Sattel, Zeug und Montur in Marktbreit ein und reiste auf Main und Rhein in die Niederlande. Während das Regiment gedrillt, dem König vorgeführt und schließlich in die Armee inkorporiert wurde, lebte Clara Dorothea in Nijmegen. Sie besuchte ihren Ehemann im Lager, bis die erste Kriegshandlung anstand - eine keineswegs singuläre Erscheinung, wie in dieser Beschreibung deutlich wird: Die Officiersfrauen, deren verschiedene in die Armee zu ihren Männern kommen waren, kehreten daraufhin schleunig nach Nimwegen zurück. Da Nijmegen das Ziel der französischen Armee darstellte, erlebte Clara Dorothea dort den Krieg hautnah, indem sie aus der Stadt das Chargiren mit ansehen mußte, auch bey dem heftigen Canoniren, einige Canonenkugeln bis an das Haus, wo die Hochselige Frau in Nimwegen logirte, geflogen kamen. Die Franzosen wurden zurückgeschlagen, und das Regiment überwinterte in Nijmegen - Seckendorff und seine Frau reisten allerdings trotz ungemächlicher Jahreszeit nach Ansbach zur Rekrutierung neuer Soldaten sowie wegen familiärer Dinge auf den Seckendorffischen Rittersitz Obernzenn. Noch im Frühjahr 1702 kehrten die beiden in die Niederlande zurück, und weil das Regiment gegen Breda marschiret war, und in Flandern dienen sollte, so wurde beschlossen, daß die Hochselige Frau den Sommer in Breda zubringen sollte. Als es danach aussah, dass die Kampagne in der Nähe von Maastricht enden würde, zog sie mittelst französischen Passeport, so vor Sie alle Jahre von der französischen Generalität erhalten wurde, nach Mastricht, allwo Sie nach der Eroberung von Huy von Ihrem Herrn Gemahl abgeholet wurde [...]. Während der Belagerung von Limbourg (Belgien) blieb sie bei ihm im Feldlager, zog auch mit den Truppen weiter.
Das Jahr 1704 verbrachte Clara Dorothea mit vielen Sorgen und Bekümmerniß in Obernzenn bei Schwiegermutter und Schwägerinnen. Erst im Oktober sah sie ihren Mann wieder, der nun ein Infanterieregiment befehligte. Im Juli 1705 folgte sie ihm wiederum nach Flandern, reiste auch im Frühling 1706 mit ihm nach Den Haag, wo er seinen Treueeid ablegen musste.
In den folgenden Jahren folgte sie ihm weiterhin, auch, als er 1709 den niederländischen Dienst quittierte und sich als Generalmajor für die sächsisch-polnische Armee anwerben ließ. Die Hoffnung auf eine ruhigere Zeit nach dem Ende des Großen Nordischen Krieges, welches die Hochselige Frau nach so vielen mit Ihrem Gemahl seit Ihrer Vermählung ausgestandenen Fatiquen und Unruhen herzlich wünschte, erfüllte sich nicht. Der Spanische Erbfolgekrieg begann von Neuem, in Polen mussten Unruhen niedergeschlagen werden, und danach wurde Seckendorff gleich wieder im Großen Nordischen Krieg eingesetzt. So weit es ging, zog Clara Dorothea mit ihm und lebte zwischendurch immer wieder im Seckendorffischen Rittersitz Meuselwitz in Thüringen. Während der Belagerung von Stralsund 1715 wurde ihr Ehemann verletzt. Sie reiste augenblicklich zu ihm, fand zwar Ihren Gemahl gebessert und außer Gefahr, wollte aber dennoch ohngeachtet Ihres Gemahls Quartier nur in einem schlechten Hirtenhause bestund, nicht zurücke kehren, sondern hielt die ganze Belagerung [...] mit aus. Hier bekam sie offenbar zum ersten Mal die ganze Härte des Kriegshandwerks zu spüren, was der Verfasser besonders betont: [...] indem das Quartier nicht weit von den Trencheen entfernet war, wo beständig viele blessirte Officiers und Soldaten vorbey getragen wurden, denen Sie mit Erfrischungen und Erquickungen jederzeit beygestanden [...].
Während ihr Mann von 1717 bis 1718 unter Prinz Eugen von Savoyen in kaiserlichen Diensten in Ungarn gegen die Türken kämpfte, schlug Clara Dorothea ihr Quartier in Preßburg (slowak. Bratislava) auf, vor allem wegen der allda erlaubten Religionsfreyheit. Die Nachricht vom geschlossenen Frieden von Passarowitz konnte sie nicht lange erfreuen, da ihr Mann ihr kurz danach mitteilen ließ, dass er nach Italien geschickt werde: Der Krieg der Quadrupelallianz um die Mittelmeerherrschaft warf seine Schatten voraus. Während Friedrich Heinrich sich nach Wien begab, um letzte Befehle einzuholen, bereitete Clara Dorothea sich auf die Reise vor - bei einem vereinbarten Treffen in Ödenburg hatte sie sich sofort freywillig bereiterklärt, nach Italien mit zu marschiren. Um den bereits losmarschierten Truppen folgen zu können, mussten die Eheleute vier Tage lang per Postkutsche reisen, eine für eine adlige Dame damals ungewöhnliche und anstrengende Fatique, die sie gleichwohl auf sich nahm.
Noch im Winter sollten die Truppen nach Sizilien eingeschifft werden. Clara Dorothea folgte ihrem Mann bis Genua und zog dann mit kleinem Gefolge, das vor allem aus ihrer Schwägerin und einer italienisch sprechenden Begleiterin bestand, in Richtung Neapel. Die große Bagage wurde mit dem Verpflegungstross der Armee transportiert, in dessen Begleitung sie ab Rimini weiterreiste. In Neapel traf sie unerwarteterweise noch einmal auf ihren Ehemann, dessen Abfahrt sich verzögert hatte. Kurz darauf, im Januar 1719, setzte die Armee nach Sizilien über. Als die Nachricht Clara Dorothea erreichte, dass wegen des anhaltend schlechten Wetters der Nachschub ausbliebe, das Brod abgegangen sei und der gemeine Mann sich mit 12 Loth Zwieback begnügen mußte, die Generals und Officiers aber großen Mangel an Fleisch, Geflügel und andern Victualien hatten, sparte sie weder Mühe noch Kosten und sandte ihrem Mann Nahrungsmittel, von denen allerdings wegen der Witterung nur wenig bei ihm ankam.
Nach fast einem ganzen Jahr der Trennung schrieb ihr Mann, der Frieden sei nahe, und wenn Sie Sich getrauete auf der See zu fahren, könnte Sie nach Trapani kommen. Ob Sie nun wohl von Jugend Sich auf Ströhmen und Flüssen zu fahren gescheuet; so resolvirte Sie Sich doch darzu ohnverzüglich. Mit einem englischen Schiff gelangte sie kurz vor Weihnachten nach Trapani an der Nordwestküste Siziliens und blieb für den Rest des Krieges auf der Insel, knüpfte auch nach der Besetzung von Palermo trotz der Sprachschwierigkeiten so freundliche Kontakte zu dortigen Adligen, dass die Principessen und die meisten vornehmsten Dames die Hochselige Frau bey Ihrer Abreise bis an den Hafen, wo die Galere gestanden, begleiteten, und mit Confituren[5] und andern Galanterien beschenckten. Wegen eines Pestausbruchs auf Sizilien musste das Paar in Neapel zunächst zwei Wochen in Quarantäne verbringen, blieb noch vier zusätzliche Wochen in der Stadt und reiste danach weiter. Unterwegs erkrankte Clara Dorothea an einer Beschwehrlichkeit, so dass man sie von Gaeta bis Rom in einer Sänfte beförderte, welche der Bischoff zu Gaeta, Sie damit zu bedienen, nebst den Maulthieren hergegeben. Von den 14 Tagen, die sie in Rom verbrachten, konnte sie nur zwei für Besichtigungen nutzen und wurde danach, weiterhin in der Sänfte, nach Florenz gebracht. Obwohl es ihr dort schon etwas besser ging, wurde auch auf dem weiteren Weg wegen der hohen noch zu passirenden Gebürge zunächst eine Sänfte bevorzugt. Ab Bologna bestieg die Gesellschaft sodann ein großes zugemachtes Schiff und reiste auf dem Po nach Venedig, wo die Frau des dortigen kaiserlichen Botschafters Clara Dorothea per Gondel die Besichtigung der vornehmsten Merkwürdigkeiten ermöglichte.
Wieder zurück in der Heimat hoffte sie, daß nunmehro die 20 Jahr gedauerte beständig unruhige Lebensart ein Ende haben sollte. [...] Allein Gott hatte die Stunde der Ruhe mit Ihrem Eheherrn noch nicht bestimmet, denn dieser verließ die sächsisch-polnische Armee, um sich von Kaiser Karl VI. als Gesandter im diplomatischen Dienst gebrauchen zu lassen. 1728 zog das Ehepaar infolgedessen nach Berlin, wo Clara Dorothea die nächsten sechs Jahre verbrachte, während ihr Gatte auf verschiedenen Missionen an diverse Höfe im Reich und in Skandinavien reiste.
Aber auch diese zumindest für sie standortgebundene Zeit nahm 1733 ein Ende, als der Polnische Thronfolgekrieg ausbrach und Friedrich Heinrich wieder zur Armee Prinz Eugens von Savoyen berufen wurde. Clara Dorothea folgte ihrem Ehemann weiterhin, auch bei sehr schlimmer Witterung im Winter, als er nach dem Friedensschluss nach Wien gerufen wurde, um im Jahr darauf als Oberbefehlshaber gegen die Türken zu ziehen. Während der nicht erfolgreich verlaufenden Kampagne blieb sie in Wien - und musste nach seiner Rückkehr miterleben, wie er gefangengesetzt und wie ihm wegen der Niederlage[6] der Prozess gemacht wurde. Weil die Bevölkerung Wiens Friedrich Heinrich zu lynchen drohte, brachte man ihn nach Graz.[7] Der Lebenslauf seiner Frau umschreibt all das mit vagen Worten als Umstände, die Ihm und Ihr äußerst betrübt fielen. Trennen ließ sie sich auch jetzt nicht von ihrem Mann, sondern folgte ihm nach Graz, bis er nach dem Tod Karls VI. 1740 von Erzherzogin Maria Theresia rehabilitiert und freigelassen wurde.
Eine kurze Zeit verbrachte das Paar zu Hause in Meuselwitz, aber lange hielt es Seckendorff dort nicht. Stattdessen trat er nach der Kaiserwahl Karls VII. 1742 in dessen Dienste über und kämpfte im Österreichischen Erbfolgekrieg als Oberbefehlshaber der bayrischen Armee. Auch während dieser letzten militärischen Aktionen ihres Mannes hielt sich Clara Dorothea, inzwischen bereits 69 Jahre alt, immer in seiner Nähe auf.
Nachdem ihr Mann sich in den Verhandlungen zum Frieden von Füssen auch noch einmal als Diplomat bewährt hatte, zogen sich beide 1745 nach Meuselwitz zurück und blieben nunmehr bis auf diverse Reisen, die nach wie vor sein Leben prägten, dort. 1749 konnte das Paar seine goldene Hochzeit feiern, wozu sich aus Franken verschiedene nahe Anverwandten, aus der Meuselwitzer Nachbarschaft aber verschiedene Grafen, Herren und Freunde einfanden. Clara Dorothea starb mit 82 Jahren, ihr Mann überlebte sie um weitere sechs Jahre und starb im hohen Alter von 90 Jahren 1763 in Meuselwitz.
Ein adliges Frauenleben, das hauptsächlich aus Reisen bestand - in einer Zeit, in der das noch nicht als Vergnügen galt, sondern als notwendiges, unbequemes und oft gefährliches Übel, ist das nicht gerade häufig anzutreffen. Es zeigt aber auch einmal mehr, dass die Mobilität der Menschen trotzdem höher war, als man bei oberflächlicher Betrachtung gern annehmen möchte.[8]
Aus dem Lebenslauf Clara Dorothea von Seckendorffs lässt sich trotz der gebotenen Vorsicht und obwohl mehrfach darauf hingewiesen wird, wie sich die Verstorbene ein ortsfestes Leben gewünscht habe, doch herauslesen, dass das Reisen und vor allem der Kontakt zu immer neuen Menschen dieser Frau letztlich durchaus gefallen haben müssen. Immer wieder liest man, wie sie nicht zurücke bleiben wollte, sie mußte sich nur aus gewichtigen Gründen gefallen lassen, zurück in Meuselwitz zu bleiben, sie ließ sich nicht abhalten, zu ihrem kranken Ehemann zu reisen und wollte trotz schlichter Unterkünfte und Unbequemlichkeiten, und obwohl ihr Gatte seine Krankheit überwunden hatte, nicht zurücke kehren. Natürlich geschahen all diese Reisen nicht aus eigener Reiselust, sondern um als gute Ehefrau ihrem Mann nahe zu sein. Aber dennoch war unzweifelhaft ein starker Wille und ein großes Organisationstalent nötig, um mit dem sicher nicht unbeträchtlichen Anhang an Begleitern, Dienern und Gepäck immer wieder neu den Aufbruch in unbekannte Gegenden zu realisieren, auch Entscheidungen über den passenden Aufenthaltsort und die beste Reiseroute inklusive Übernachtungsmöglichkeiten zu treffen: In Italien fasste sie z.B. den Entschluß, (um Sicilien desto näher zu seyn) zu Lande nach Neapolis zu gehen.
Damit unterscheidet sich ihr Dasein als Ehefrau, die ihrem Mann auf seinen Feldzügen folgt, durch die im Lebenslauf immer wieder zu erkennende Eigenverantwortlichkeit der Reise von dem der gewöhnlichen Soldatenfrau, die im Tross mitzieht und dort als inoffizieller, aber doch wichtiger Teil des Heeres ihre spezifische Funktion innerhalb des militärischen Gefüges erfüllt.[9] Gerade hier öffnet sich ein noch nicht umfassend erforschtes Gebiet der Militär- und Gendergeschichte, für das der Lebenslauf auf Clara Dorothea von Seckendorff durch seine Ausführlichkeit und die Möglichkeit, das lange mobile Leben einer Offiziersgattin und die geographischen Stationen ihrer Vita Punkt für Punkt nachzuzeichnen, eine interessante Quelle bietet.[10]
BIRTHE ZUR NIEDEN M.A. ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Forschungsstelle für Personalschriften.
Bestand: Thüringisches Staatsarchiv Altenburg
Signatur: Leichenpredigten Sammelband 1
Enthalten in: Katalog der Leichenpredigten und sonstiger Trauerschriften im Thüringischen Staatsarchiv Altenburg (Marburger Personalschriften-Forschungen 43), Stuttgart 2007
Anmerkungen:
[1] Peter H. Wilson, German Women and War 1500-1800, in: War in History 14 (1996), H. 3, S. 127-160, verzeichnet eine zunehmende Erschwerung der Heirat für Offiziere ab dieser Zeit, ebenso wie überhaupt die Beteiligung von Frauen am Krieg im Tross immer weniger akzeptiert und durch militärische Dienstvorschriften legitimiert wurde.
[2] Im Gegensatz zur einfachen Soldatenfrau war die materielle Existenz der adligen Offiziersfrau natürlich nicht vom Sold des Ehemannes in der Armee abhängig, so dass das Mitreisen aus gänzlich anderen Motiven geschah. Frauen niederer Ränge reisten oftmals mit, weil ihre Ernährung zu Hause bei Abwesenheit des Mannes schwierig war, vor allem dann, wenn die Armee zu weit entfernt war, als dass der Soldat seinen Sold zu seiner Familie schicken konnte. Vgl. dazu Stefan Kroll, Soldaten im 18. Jahrhundert zwischen Friedensalltag und Kriegserfahrung. Lebenswelten und Kultur in der kursächsischen Armee 1728-1799 (Krieg in der Geschichte 26), Paderborn u.a. 2006, S. 423-434.
[3] Anonym, Lebens-lauff, in: Trauer- und Ehrenmaal zum Gedächtnisse der weiland hochgebohrnen Gräfin und Frau Frau Clara Dorothea vermählter Gräfin von Seckendorff [...], errichtet von dem schmerzlich betrübtesten Wittwer Friedrich Heinrich Graf von Seckendorff Kais. Königl. wirklicher Geheimer Rath und Generalfeldmarschall, Altenburg o.J., S. 53-90.
[4] Wilhelmina Charlotte Caroline Markgräfin von Brandenburg-Ansbach (1683-1737) heiratete 1705 Georg II., den späteren König von England.
[5] Konfekt, d.h. Kandiertes; siehe Confect, Confecta, Confectus, Confitures, in: Johann Heinrich Zedler (Hg.), Grosses vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschaften und Künste, Bd. 6, Leipzig/Halle (Saale) 1733 (ND Graz 1961), Sp. 941.
[6] Anklagepunkte waren "Kompetenzüberschreitungen sowie Veruntreuungsvorwürfe"; Bruno Kuntke, "Seckendorf-Gudent, Friedrich Heinrich Graf von", in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 118f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd119473798.html (Zugriff: 18.03.2014).
[7] Kematmüller, "Seckendorf, Friedrich Heinrich", in: Allgemeine Deutsche Biographie 33 (1891), S. 514-517 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd119473798.html?anchor=adb (Zugriff: 18.03.2014).
[8] Vgl. hierzu Norbert Ohler, Reisen im Mittelalter, 2. Aufl., München 1991; Holger Th. Gräf/Ralf Pröve, Wege ins Ungewisse. Eine Kulturgeschichte des Reisens 1500-1800, Frankfurt (Main) 2001.
[9] Vgl. hierzu Karen Hagemann/Ralf Pröve, Landsknechte, Soldatenfrauen und Nationalkrieger. Militär, Krieg und Geschlechterordnung im historischen Wandel (Geschichte und Geschlechter 26), Frankfurt (Main) 1998; Beate Engelen, Soldatenfrauen in Preußen. Eine Strukturanalyse der Garnisonsgesellschaft im späten 17. und im 18. Jahrhundert (Herrschaft und soziale Systeme in der frühen Neuzeit 7), Münster u.a. 2005.
[10] Zum allgemeinen Mangel an neueren Forschungen zu militärischen Eliten, nachdem die "Geschichte von unten" stärker in den Blickpunkt gerückt ist, vgl. Gundula Gahlen/Carmen Winkel (Hg.), Militär und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit 14 (2010), H. 1 (Themenheft: Militärische Eliten in der Frühen Neuzeit), S. 7-31 (Einleitung). Die in Anm. 9 genannten Forschungen zu Soldatenfrauen gehen auf die Ehefrauen von Offizieren nicht ein.
Zitierweise: Birthe zur Nieden, Clara Dorothea Gräfin von Seckendorff, geb. Freiin von Hohenwart zu Gerlachstein (1674-1757). [...] auf Reisen im frühen Aufstehen allezeit am ersten fertig und zur Abreise parat – Ein Frauenleben im Krieg, in: Leben in Leichenpredigten 04/2014, hg. von der Forschungsstelle für Personalschriften, Marburg, Online-Ausgabe: <http://www.personalschriften.de/leichenpredigten/artikelserien/artikelansicht/details/clara-dorothea-graefin-von-seckendorff-geb-freiin-von-hohenwart-zu-gerlachstein-1674-1757.html>

