Forschungsstelle für Personalschriften Marburg

Lukas Friedrich Behaim (1587-1648)

01.05.2017

Kategorie: Leben in Leichenpredigten

Von: Simon Dreher

[...] durch so manche Gefahr/ vnd einen so weiten Weg/ an diese Heil. Stätte zu kommen – Ein Patriziersohn auf Pilgerfahrt ins Heilige Land

Lukas Friedrich Behaim [1/5]

Als Lukas Friedrich Behaim am Beginn seiner Studienreise durch Italien nach Begleitern für die weitere Strecke Ausschau hielt, lernte er den jungen Adligen Rudolph von Bünau (1593-1647) und dessen Hofmeister Tobias Adami (1581-1643) kennen, von denen er das Angebot erhielt, sie auf einem englischen Handelsschiff nach Konstantinopel zu begleiten. Die Mittelmeerfahrt sollte sie letztlich nicht in die Residenzstadt des osmanischen Sultans sondern ins Heilige Land bringen und verwandelte Behaims Studienreise und die Kavalierstour seines adligen Begleiters in eine Pilgerfahrt nach Jerusalem.

Die sechsmonatige Reise der drei Pilger nimmt in der von Martin Beer verfassten Leichenpredigt auf Lukas Friedrich Behaim eine Schlüsselrolle ein.[1] Anders als in Jakob Freießlebens Leichenpredigt auf Rudolph von Bünau und in derjenigen Friedrich Langens auf Tobias Adami, welche die gemeinsame Pilgerfahrt in wenigen Sätzen abhandelten,[2] ließ Beer als Anhang zu den Personalia eine Reisebeschreibung abdrucken. Diese basierte vermutlich auf den Aufzeichnungen von Behaims Reisegefährten Adami.[3] Dagegen geht er auf Behaims weitere Lebensstationen vergleichsweise kurz ein - dessen über die Jahre erhaltenen Ämter werden lediglich aufgelistet. Während Behaims Reisen zwischen 1608 und 1612 drei Seiten der Personalia umfassen (hinzu kommen die angehängten zehn Seiten zur Jerusalemreise), gibt Beer die folgenden 36 Lebensjahre des für die Kunst- und Musikgeschichte Nürnbergs bedeutenden Geheimrats und Kirchenpflegers[4] auf vier Seiten wieder, bevor er die Personalia mit der Schilderung von Behaims Krankheit und Tod beschließt.

Der am 17. Juli 1587 als ältester Sohn einer Familie Nürnberger Fernhändler geborene Behaim hatte eine humanistisch ausgerichtete Erziehung genossen und anschließend die Universität in Altdorf besucht.[5] 1608 war er auf Wunsch seiner Eltern zusammen mit anderen Nürnbergern als Begleiter des Präzeptors Andreas Agricola nach Frankreich aufgebrochen,[6] um sich in den folgenden zwei Jahren sowol in der Sprach als anderer gesuchter Wissenschaft zu üben.[7] Sein Vater sah sich aber aufgrund des Todes seiner zweiten Ehefrau dazu veranlasst, seinen ältesten Sohn nach Nürnberg zurückzubeordern. Zudem bereitete ihm die in Frankreich seit der Ermordung König Heinrichs IV. am 14. Mai 1610 herrschende angespannte Lage Sorgen.[8] Nur knapp fünf Monate nach seiner Rückkehr nach Nürnberg im Dezember 1610 verließ Behaim die Reichsstadt erneut. Diesmal hatte sein Vater eine Studienreise durch Italien für seinen Sohn vorgesehen.

Der 23-jährige brach im April 1611 nach Florenz auf und zog am 23. Juli nach Padua weiter.[9] Für die von August bis September geplante Weiterfahrt durch die Lombardei suchte er dort vergeblich nach Weggefährten. Als er die Stadt bald darauf verließ, hatte er die Suche bereits aufgegeben und sich entschlossen, seine Reise von Venedig aus durch gemeldte Lombardiam biß nach Neapoli für sich selbst allein zu thun. In Venedig angekommen, traf er aber auf den 17-jährigen Bünau und dessen zwölf Jahre älteren Hofmeister, die ihrerseits nach einem Begleiter suchten.[10]

Als Bünau und Adami um ihn als weiteren Gefährten warben, zog Behaim es zunächst vor, die Erlaubniß und Consens von seinen lieben Eltern kindlich und bittlich zu ersuchen. In einem Brief legte er diesen zahlreiche Argumente vor, weshalb die Reise einerseits sicher und gut vorbereitet sowie andererseits für seine zukünftige Karriere von großem Nutzen sei. Das Schiff sei mit 40 Geschützen ausgestattet und werde von einem guten Patron kommandiert, man verfüge über viele Empfehlungsschreiben. Sein jetziges Alter und Beruff erforderten zudem eine solche Reise geradezu, und berühmte Nürnberger Zeitgenossen hätten viel Ehr und Ansehen [...] durch ihre stattliche Reisen erlangt. Die Zustimmung seines Vaters ließ nicht lange auf sich warten.

Am 13. August, also etwa drei Wochen nach Behaims Ankunft in Venedig, stach das englische Handelsschiff in See. Über Ragusa, wo sie drei Tage verweilten, gelangten sie nach Zakynthos. Dort mussten sie erfahren, dass eine Seuche in der osmanischen Hauptstadt zu unerhörten Sterbsläufften führte, der täglich 1500. in 2000. Personen zum Opfer fielen. Während die englischen Kaufleute weiterhin beabsichtigten, ihre Fahrt nach Konstantinopel fortzusetzen, bot sich den drei Reisenden die Gelegenheit auf ein venezianisches Schiff umzusteigen, welches das im heutigen Libanon gelegene Tripoli ansteuerte. Mit der Aussicht, von Tripoli nach Jerusalem gelangen zu können, überredete Bünau den abermals wenig entscheidungsfreudigen Behaim zur Fortsetzung der gemeinsamen Reise auf dem venezianischen Schiff.

Von Zakynthos brachen sie am 30. August auf. Vor der griechischen Insel Kythira verzögerte sich die Weiterfahrt erneut, weil das Schiff, wie es im Reisebericht heißt mit schlechten Schiffleuten/ sonderlich aber mit unerfahrnen verzagten Griechen/ besetzt gewesen war. Während sie wegen widrigen Windes 14. Tag und Nacht an der Insul Cerigo auff- und abgefahren, habe allda ein Seerauber von fernen ihrer wargenommen/ sich ihnen nicht allein genähert/ sondern/ als er gesehen/ daß sie über 150 Soldaten bey sich gehabt/ ist er ihnen zum Hohn mit dem Schnabel seines Schiffs durch ihre Segel/ und also wieder darvongefahren. In größerer Lebensgefahr befand sich Behaim einige Tage später. Auf der Weiterfahrt über Kreta in Richtung Zypern hatte er einen solchen Trunck gethan/ welcher ihme fast alles künfftige Trincken solte verwehret haben. Seine Krankheit, während derer ihm auch in der grössesten Hitz/ ein solcher Frost ankommen, dauerte bis zur Landung des Schiffes im Hafen von Tripoli am 6. Oktober,[11] wo er von einem ansässigen Franzose versorgt wurde.

Mit einem Boot ruderten Bünau, Adami und Behaim an der Küste entlang bis nach Jaffa (heute Tel Aviv-Jaffa), setzten ihren Weg auff Eseln/ und von einem getaufften Türcken/ Namens Attila, geführt/ gen Rama [Ramla] fort, übernachteten dort und ritten bis nach Jerusalem weiter, wo sie am frühen Nachmittag des folgenden Tages eintrafen. Bevor sie in die Stadt eingelassen und zum Franziskanerkloster geführt wurden, mussten sie sich beim Statthalter anmelden lassen. Im Kloster durchsuchte man sie und ihre Taschen, und die drei Protestanten wurden nach ihrem Glaubensbekenntnis befragt, zu dem sie sich ungescheut bekannt[en].

Während ihre ehrliche Antwort wohlwollend aufgenommen wurde, unternahmen die Mönche in den folgenden Tagen einige Versuche, sie Römisch Catholisch [zu] machen/ und [zur Abkehr] von der Lutherischen Religion zu bewegen. Auch ein spanischer Mönch, der sie später nach Bethlehem begleitete, versuchte die drei Reisenden zur Konversion zu überreden. Sie seien diese ihm in den Glaubenssachen mit solchem Grund begegnet/ daß sich das Blat mit dem München gewendet/ er an [...] seiner Religion angefangen zu zweifflen/ in einem und anderen/ mit Darlegung seiner Bibel/ nur Bericht begehrt. Nach dem Besuch der Geburtsstadt Jesu kehrten sie am 20. Oktober gemeinsam nach Jerusalem zurück.

Im Laufe ihres weiteren Aufenthaltes in Jerusalem wurden sie, nachdem abends allerseits deß gewöhnlichen Silenti entlassen worden waren, bei gemeinsamen Mahlzeiten von den Brüdern mit einem guten Gespräch und allem guten Willen unterhalten. In der Nacht vom 17. auf den 18. Oktober wurden sie zudem in die Kirchen/ darinn das Heil. Grab/ gesperret und hätten abschließend den Ort deß Tempels Salomonis besichtiget.

Die Rückreise Behaims und seiner Begleiter nach Venedig war mit einigen Problemen und Gefahren verbunden. Nachdem sie am 20. Oktober mit Zeugschafften neben etlichen Reliquien von den Mönchen verabschiedet worden waren, ritten sie über Ramla nach Jaffa zurück, wo sie erneut ein Boot kauften, aber vor der Weiterfahrt zunächst günstigen Wind abwarten mussten.[12] Behaim, der die Zeit zu einem Spaziergang nutzte, wurde außerhalb der Stadt von etliche[n] Türcken ersehen/ [die] ihme nachgeeilet/ und da er sich mit der Flucht in das Schifflein nicht salviret hätte/ were er ohn alles Mittel von ihnen gefangen hinweggeführet und verkaufft worden.[13] Als die Heimkehrer schließlich mit dem Boot an der Küste entlang ruderten, wurden Piraten auf sie aufmerksam, weshalb die Männer im Hafen von Tyros Zuflucht suchten. Einer dortigen Kontrolle entgingen sie, indem sie sich flach auf den Boden ihres Bootes legten. Anschließend ruderten sie eilig nach Tripoli weiter.

Die Nacht vom 28. auf den 29. Oktober verbrachte die Gruppe beim Patriarchen von Antiochia. Die Reisebeschreibung in Beers Leichenpredigt erwähnt nicht, dass zum Zeitpunkt ihrer Rückkehr in den Hafen von Tripoli das venezianische Schiff, mit welchem sie nach Venedig zurückreisen beabsichtigt hatten, bereits aufgebrochen war.[14] Nach außgestandener unterschiedlicher Ungelegenheit am Zoll konnten sie aber eine Überfahrt nach Zypern aushandeln. Anstatt in Salines, wo das venezianische Schiff vor Anker lag, wurden sie in der Nähe der Stadt Famagusta ausgesetzt.

Behaim und Bünau brachen zu einem in der Nähe liegenden Dorf auf, um einen Führer und Esel ausfindig zu machen. Adami, der zum Bewachen ihrer Truhen am Ufer zurückblieb, wurde indes von einem türkischen Schiff überrascht, von dem ein zum Islam konvertierter Christ an Land ging, um ihn mit Warnungen vor lauernden Gefahren erfolgreich zu verängstigen und sich anschließend mit seinem Schiff wieder zu entfernen.[15] Nachdem ein Grieche sein Versprechen, mit vier Eseln zum Ufer zu kommen, nicht gehalten hatte, fand Behaim schließlich einen Türken, der zwar seine Teutsche Wehklagen nicht verstand, sich aber dennoch dazu bereit erklärte, die drei Reisenden nach Salines zu führen. Im Unklaren darüber, dass der Türke aufgrund des Fastenmonats Ramadan[16] weder Speise für sich noch Futter für seine Esel begehrte, verbrauchten sie ihre knappen Vorräte während des Tages. Als dieser nach Sonnenuntergang um Nahrung bat, konnten sie ihm nichts mehr anbieten. Trotz der Unstimmigkeiten führte er sie nach Salines und wurde dort auffs beste tractirt, zu seiner Begnügung bezahlt. Auch nachdem es ihnen nun gelungen war, das venezianische Schiff zu erreichen und mit diesen nach Venedig aufzubrechen, sorgten schlechter Wind, Ungewitter und ein Fehler des Steuermanns für weitere Gefahren und Verzögerungen, bevor sie am 3. Februar 1612 in der Lagunenstadt eintrafen.

Während der Reisebericht an dieser Stelle endet, berichtet Beer in den Personalia von Behaims weiterem Lebensweg. Zunächst setzte er seine Reise durch Italien über Rom und Neapel fort,[17] kehrte im Mai 1612 nach Nürnberg zurück und wurde bereits im Juni von seinem Vater als Begleiter einer Gesandtschaft, die die Reichsinsignien mit sich führte, nach Frankfurt (Main) geschickt, um der Kaiserkrönung Matthias I. beizuwohnen. Noch im selben Jahr heiratete er - aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor. Bevor Beer auf Krankheit und Tod Behaims eingeht, listet er dessen zwischen 1614 und 1648 angetretene Ämter auf, denen er auch am Ende seines Lebens trotz schwerer Krankheit weiter nachging. Am 28. Juni 1648 erlag er schließlich der schwartzen Gelbsucht/ theils von einem hefftigen Husten/ welche ihme den Athem meistentheils genommen/ hergerühret.

Während die Beschreibung des Lebenslaufes die Beiwohnung des Gottesdienstes in Jerusalem als Hertzbewegliche[n] Moment im Leben des jungen Patriziersohnes darstellt, wird aus der Reisebeschreibung deutlich, dass Behaim die Reise vor allem aufgrund von karrierefördernden Argumenten antrat. Tatsächlich "machte dieses Abenteuer den Fünfundzwanzigjährigen weit über seine Heimatstadt hinaus bekannt."[18] Dementsprechend stellt der Reisebericht die ausgestandenen Gefahren in Form von Stürmen, türkischen Seeräubern und den Konvertierungsversuchen der katholischen Mönche in den Vordergrund.

 

SIMON DREHER B.A. ist Studentische Hilfskraft an der Forschungsstelle für Personalschriften. Er studiert im Masterstudiengang Geschichte an der Philipps-Universität Marburg.

 

Bestand: Historische Bibliothek der Stadt Rudolstadt
Signatur: Fun. div. LXXXIV
Enthalten in: Katalog der Leichenpredigten und sonstiger Trauerschriften in der Historischen Bibliothek der Stadt Rudolstadt (Marburger Personalschriften-Forschungen 51), Bd. 1, Stuttgart 2010

 

Anmerkungen:

[1] Martin Beer, Davids Liebe zu dem Hause deß HERRN [...], Nürnberg 1649 (VD17 12:122605V). Alle folgenden Zitate sind, soweit nicht anders angegeben, dieser Predigt entnommen.

[2] Jakob Freießleben, Exequiae Bünavianae [...], Altenburg 1648 (VD17 23:254276X), Digitalisat der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, PURL (Werk): http://diglib.hab.de/drucke/xa-1-5b-11s/start.htm (Zugriff: 05.04.2017); Friedrich Lange, Status Christianorum. Predigt Von der Christen Pilgrim und Bürger-schafft [...], Erfurt 1643 (VD17 1:024169U), Digitalisat der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PURL (Werk): http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB00005CAD00000000 (Zugriff: 05.04.2017).

[3] Dafür spricht, dass sich die Drucklegung der Leichenpredigt noch bis 1649 hinauszögerte, denn die Reisebeschreibung musste zunächst beschafft werden. Zu diesem Zwecke schrieb Georg Friedrich Behaim, der Bruder des Verstorbenen, an dessen Patenkind Lukas Friedrich Reinhardt. Reinhardt sollte sich bei Dr. Platner in Jena erkundigen, ob der 1643 verstorbene Tobias Adami eine Beschreibung der gemeinsam mit Rudolph von Bünau und Lukas Friedrich Behaim unternommenen Reise hinterlassen habe. Vgl. die Zusammenfassung des Brief es von Georg Friedrich Behaim an Lukas Friedrich Reinhart vom 18. Juli 1648 in: Anton Ernstberger (Hg.), Ludwig Camerarius und Lukas Friedrich Behaim. Ein politischer Briefwechsel über den Verfall des Reiches 1636-1648 (Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte 60), München 1961, S. 232f. Der vorliegende Reisebericht wurde von Beer bearbeitet und ergänzt, worauf der darin ausführlich wiedergegebene Brief Behaims an seinen Vater hindeutet.

[4] In den Personalia wird er insbesondere als Scholarch gewürdigt, womit seine mit Fremdsprachen, Musik und Kunst verbundenen Tätigkeiten gemeint sind. Mit dem Wirken Behaims in Nürnberg befassen sich: Ders., Lukas Friedrich Behaim und die Collectio Camerariana (Sitzungsberichte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse 2), München 1959; Heinz Zirnbauer, Lucas Friedrich Behaim, der Nürnberger Musikherr des Frühbarock. Neue Dokumente zur städtischen und privaten Musikpflege in Nürnberg zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges, in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg 50 (1960), S. 330-360; Andreas Tacke, Der Behaimsche Spinettdeckel von 1619. Zu einem hochrangigen kulturgeschichtlichen Zeugnis der Nürnberger Barockzeit, in: Dieter Krickeberg (Hg.), Der "schöne" Klang. Studien zum historischen Musikinstrumentenbau in Deutschland und Japan unter besonderer Berücksichtigung des alten Nürnberg, Nürnberg 1996, S. 143-157.

[5] Vgl. Ernstberger (Hg.), Ludwig Camerarius und Lukas Friedrich Behaim (wie Anm. 3), S. 4.

[6] Bei den anderen Reisebegleitern handelte es sich um eine "Gruppe von Verwandten und Standesgenossen, bestehend aus Johann Wilhelm Kress, Raimund Imhoff und Konrad Baier". Helmut Glück/Mark Häberlein/Konrad Schröder, Mehrsprachigkeit in der Frühen Neuzeit. Die Reichsstädte Augsburg und Nürnberg vom 15. bis ins frühe 19. Jahrhundert (Fremdsprachen in Geschichte und Gegenwart 10), Wiesbaden 2013, S. 116.

[7] Über die Reise und Behaims Bemühungen, die französische Sprache zu erlernen, vgl. ebd., S.116-121.

[8] Anton Ernstberger (Hg.), Liebesbriefe Lukas Friedrich Behaims an seine Braut Anna Maria Pfinzing 1612-1613, in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg 44 (1953), S. 317-370, hier S. 322.

[9] Die venezianische Universität in Padua wurde häufig von protestantischen Studienreisenden frequentiert, während ausländische Katholiken dagegen Perugia, Fermo, Siena und Parma bevorzugten. Vgl. Antje Stannek, Telemachs Brüder. Die höfische Bildungsreise des 17. Jahrhunderts (Geschichte und Geschlechter 33), Frankfurt (Main) 2001, S. 75.

[10] Rudolph von Bünau, der bereits als Kind Latein und Griechisch gelernt hatte und die Lateinische Sprache in 13. Jahr seines Alters perfect reden können, wurde nach dem Tod seines Vaters zur Leipziger Universität geschickt. Freießleben, Exequiae Bünavianae (wie Anm. 2), Bl. H4r-H4v. Dort lernte er Tobias Adami kennen, der seinerseits bereits seit 1600 in Leipzig zunächst Medizin und später Recht studiert und dabei auch die hebräische Sprache erlernt hatte. 1606 hatte er sich in die Dienste des französischen Ratssohns Henricus de Lomenic gestellt, um diesen auf dessen geplanter Italien- und Frankreichreise zu begleiten. Nach dem Kontakt mit Bünau wechselte Adami allerdings seinen Dienstherrn, denn er hatte endlich Christlich erwogen/ er möchte bey dieses der Päpstlichen Religion zugethanen Herrn [Lomenic] Bedienung in frembden Päpstlichen Landen ohne Heucheley und Beschwerung nicht wohl außkommen können. Lange, Status Christianorum (wie Anm. 2), Bl. E2r. Seit 1607 begleitete er Bünau als dessen Hofmeister durch hanseatische und niederländische Städte. Von 1609 bis 1611 verweilten sie in Altdorf bei Nürnberg, bevor sie 1611 über Tirol nach Venedig aufbrachen, um von dort mit einem englischen Handelsschiff nach Konstantinopel zu reisen. Vgl. Freießleben, Exequiae Bünavianae (wie Anm. 2), Bl. H4v; und Lange, Status Christianorum (wie Anm. 2), Bl. E2r-E2v.

[11] Ihre Mittelmeerfahrt von Venedig nach Tripoli hatte damit knapp acht Wochen in Anspruch genommen, also etwa zwei Wochen länger als damals üblich. Vgl. dazu Klaus Herbers, Unterwegs zu heiligen Stätten - Pilgerfahrten, in: Hermann Bausinger/Klaus Beyrer/Gottfried Korff (Hg.), Reisekultur. Von der Pilgerfahrt zum modernen Tourismus, München 1991, S. 23-31, hier S. 24.

[12] Behaim erwähnt in einem Brief die Fahrt von Jaffa nach Tripoli betreffend einen "türkische[n] Schiffer, der [...] sie zu betrügen und zu erpressen" versuchte. Ernstberger (Hg.), Liebesbriefe Lukas Friedrich Behaims (wie Anm. 8), S. 324.

[13] Sowohl bei christlichen als auch muslimischen Seeräubern im Mittelmeerraum war es geläufige Praxis, die Besatzung überfallener Schiffe gefangen zu nehmen und als Ruderer einzusetzen oder als solche auf Sklavenmärkten zu verkaufen. Vgl. Desanka Schwara, Kaufleute, Seefahrer und Piraten im Mittelmeerraum der Neuzeit. Entgrenzende Diaspora - verbindende Imagination, München 2011, S. 421.

[14] Vgl. Ernstberger (Hg.), Liebesbriefe Lukas Friedrich Behaims (wie Anm. 8), S. 324, der sich auf den Briefwechsel Behaims stützt.

[15] Dem Reisebericht zufolge berichtete Adami seinen Reisebegleitern nach deren Rückkehr ans Ufer mit grosser Furcht und Angst/ wie ein Türckisches Schiff were bey ihme angelangt/ in welchem ein Renegat oder verlaugneter Christ/ so zum Türcken worden/ gewesen/ der hätte ihn mit grosser Verwunderung gefragt/ welcher Gestalt er hieher käme/ und was er allda machen wolte; [...] hätte er ihme gesagt/ so sie wüsten/ in was Gefahr sie allda weren/ würden sie gewiß alles das Ihrige stehen lassen und nach Salines eilen/ so viel sie konten; dann Famagusta, der Insel Haubtvestung/ von dem Ort nicht weit gelegen; auß welcher täglichs etliche Türcken zu Roß streiffeten/ die Insul zu durchsuchen/ und solche von den stets ankommenden Flörentinischen Kundschafftern zu reinigen; welche so sie sie würden antreffen/ auch ihrer Hüt und Kapler würden gewahr werden/ würden dieselbe sie gewiß vor dergleichen halten/ und da sie sie nicht niderhaweten/ würden sies doch nach Famagusta gefangen wegführen. Beer, Davids Liebe (wie Anm. 1), S. 34f.

[16] Vom 7. November bis 6. Dezember 1611.

[17] Bünau und Adami reisten ebenfalls durch Italien weiter und gelangten über Neapel und Rom nach Florenz, Padua und Genua. Von dort brachen sie nach Spanien auf. In der Leichenpredigt auf Bünau legt Freießleben einen Schwerpunkt auf dessen spanische Reise. Vgl. Freießleben, Exequiae Bünavianae (wie Anm. 2), Bl. J1r-J2r.

[18] Ernstberger (Hg.), Ludwig Camerarius und Lukas Friedrich Behaim (wie Anm. 3), S. 4.

 

Zitierweise: Simon Dreher, Lukas Friedrich Behaim (1587-1648). [...] durch so manche Gefahr/ vnd einen so weiten Weg/ an diese Heil. Stätte zu kommen – Ein Patriziersohn auf Pilgerfahrt ins Heilige Land, in: Leben in Leichenpredigten 05/2017, hg. von der Forschungsstelle für Personalschriften, Marburg, Online-Ausgabe: <http://www.personalschriften.de/leichenpredigten/artikelserien/artikelansicht/details/lukas-friedrich-behaim-1587-1648.html>

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