Forschungsstelle für Personalschriften Marburg

Christoph Theodosius Walther (1699-1741)

01.10.2012

Kategorie: Leben in Leichenpredigten

Von: Robin Pack

Njanaawâlutâr – Leben und letzte Stunden eines dänischen Missionars in Tranquebar

Karte Tranquebar [1/5]

Von 1620 bis 1845 bestand in Südindien mit der Stadt Tranquebar und ihrem Umland eine kleine dänische Kolonie.[1] Diese war durch die Dänisch-Ostindische Kompanie vom Fürsten (zeitgenössische regionale Bezeichnung: Nayak) von Tanjore[2] gepachtet worden und diente dänischen Handelsinteressen.[3] Zunächst waren keine besonderen Anstrengungen unternommen worden, neben den kaufmännischen Aktivitäten auch missionarisch tätig zu werden. Dies änderte sich erst fast hundert Jahre nach Einrichtung der Kolonie, als 1704 der dänische König Friedrich IV. (1671-1730) den Plan fasste, Missionare in seine Kolonien zu entsenden. Dazu beauftragte er seinen Hofprediger Franz Julius Lütkens (1650-1712) mit der Suche nach geeigneten Kandidaten. Lütkens, der in Wittenberg studiert und vor seiner Berufung zum dänischen Hofprediger in Berlin als Mitarbeiter Philipp Jakob Speners (1635-1705) gewirkt hatte, besaß noch immer Kontakte zu pietistischen Kreisen[4] in Deutschland und konnte mit Bartholomäus Ziegenbalg (1682-1719) und Heinrich Plütschau (1677-1746) zwei Theologen aus Halle (Saale) als Missionare für Tranquebar gewinnen.[5] Als diese beiden 1706 in Tranquebar an Land gingen, begann damit die Geschichte der Dänisch-Englisch-Halleschen Mission.[6]

Einer der Nachfolger dieser ersten Tranquebar-Missionare war Christoph Theodosius Walther (1699-1741), der 1725 als Missionar der dänisch-englisch-halleschen Mission nach Tranquebar ging. Walther und sein Wirken als pietistischer Prediger und Missionar werden uns in einem 36-seitigen Funeraldruck präsentiert.[7] Da die Geschichte der Dänisch-Englisch-Halleschen Mission zwar relativ gut erforscht ist, ein Schwerpunkt der Forschung aber auf der Anfangsphase der Mission liegt, soll Walther hier anhand seiner Gedächtnisschrift vorgestellt werden.[8]

Geboren wurde Walther am 20. Dezember 1699 in Schildberg (poln. Golenice) bei Soldin (poln. Myślibórz) in Westpommern als Sohn eines protestantischen Predigers. Auch sein Großvater mütterlicherseits war Prediger. Nachdem Walthers Vater früh verstorben war, nahm der Großvater ihn auf und ließ ihn drei Jahre lang von Privatlehrern unterrichten. Mit zehn Jahren führte Walther seine weitere schulische Laufbahn zunächst nach Schönfließ (poln. Trzcińsko Zdrój), dann nach Königsberg in der Neumark (poln. Chojna) und schließlich 1715 nach Stargard in Pommern (poln. Stargard Szczeciński), um dort das Gröningische Collegium, ein Gymnasium, zu besuchen.[9] In Stargard begegnete Walther auch zum ersten Mal Christian Schöttgen (1687-1751),[10] dem Verfasser der vorliegenden Trauerschrift, der dort sein Lehrer war. Ebenfalls in Stargard kam er 1717 als Zuhörer einer Predigt das erste Mal mit Tranquebar in Berührung, als der Prediger nebenbei auf die Tranquebar-Mission einging. Walther war so ergriffen, dass er in Tränen ausbrach – ein Ereignis, dass Schöttgen als ersten Winck Gottes interpretiert.[11] Seitdem war Walthers Aufmerksamkeit für die Tranquebar-Mission geweckt und noch Jahre später erinnerte er sich selbst an diese Predigt.

Walther erhielt nach dem Schulabschluss eine erste Anstellung als Lehrer am Waisenhaus in Stargard. 1720 ging er nach Halle, um dort Theologie zu studieren. Daneben war er zunächst für ein Jahr als Lehrer am Waisenhaus, später als Lehrer am Königlichen Pädagogium der Saalestadt tätig. Dabei kam es immer wieder zu Begegnungen mit der Tranquebar-Mission, einmal wurde ein Unterstützungsaufruf des Erzbischofs von Canterbury verlesen, dann lernte er einen ehemaligen Mitarbeiter der Tranquebar-Mission kennen, der ihm erste Kenntnisse im Portugiesischen vermittelte. Schließlich wurden die "Malabarischen Nachrichten", also Briefe und Berichte von der Tranquebar-Mission, beim Essen im Pädagogium verlesen und wieder war Walther zu Freuden-Thränen gerührt.

Die Begegnungen mit dem Thema Tranquebar-Mission zogen sich also seit Stargard wie ein roter Faden durch die Schul- und Studienzeit Walthers. Als er dann tatsächlich gefragt wurde, ob er nicht als Missionar nach Tranquebar gehen wolle, war er zunächst überrascht und zögerte, nahm aber schließlich doch die Stelle als Missionar an.

Darauf folgte zunächst eine Reise nach Kopenhagen, wo er seine offizielle Berufung zum Missionar sowie einen Schutzbrief des Königs erhielt. Von Halle aus begann am 8. Dezember 1724 die Reise nach Tranquebar. Walther und seine Reisegefährten reisten zunächst nach Rotterdam, das sie am 22. Dezember erreichten, und kamen schließlich am 31. Dezember in London an. Dort lernten sie die englischen Unterstützer der Tranquebar-Mission, die Society for Promoting Christian Knowledge, kennen. Das Besondere der Reise und die Wertschätzung für die Missionstätigkeit werden deutlich, wenn Schöttgen berichtet, dass die neuen Missionare eine Audienz bei König Georg I. sowie bey den sämtlichen Printzen und Printzeßinnen erhielten. Nach weiteren Audienzen beim Erzbischof von Canterbury und beim Bischof von London setzte die Reisegesellschaft ihren Weg fort. Am 5. Februar 1725 langten sie in Deal in der Grafschaft Kent an. Dort begann am 15. Februar die Seereise nach Indien. Erst mehr als vier Monate später, am 19. Juni 1725, kamen die neuen Missionare in Tranquebar an.

Nun begannen bald intensive Bemühungen zum Erlernen der neuen Sprachen. Walther, der wohl über eine sprachliche Begabung verfügte, eignete sich bald das Portugiesische an, das teilweise in der Kolonie gesprochen wurde, ebenso das Malabarische,[12] welches er soweit beherrschte, dass er seine Predigten gelegentlich sogar im Malabarischen konzipierte und hielt. Da die örtliche tamilische Bevölkerung europäische Namen nicht richtig aussprechen konnte, legte er sich einen Namen in Malabarisch zu und ließ sich von den Tamilen Njanaawâlutâr nennen, was soviel wie geistlicher Verwalter bedeutet.

Die Personalia beschreiben Arbeit und Leben Walthers als erfüllte Amtszeit, in der er sich intensiv Lehrtätigkeiten, Predigten, Katechisieren und dem Spenden von Sakramenten widmete. Neben seiner Tätigkeit als Missionar war Walther aber auch ein fleißiger Gelehrter, wie Schöttgen mit einem Überblick über die wichtigsten Publikationen Walthers zeigt.

Darüber hinaus bekam Walthers Leben in Tranquebar auch eine familiäre Seite, nachdem er am 21. Dezember 1728 Anna Christina Brochmann,[13] die Tochter eines dänischen Verwaltungsbeamten in Tranquebar, geheiratet hatte. In den nächsten Jahren kamen vier Söhne zur Welt, von denen nur der zuletzt Geborene seine Mutter überleben sollte. Kurz nach der Geburt des letzten Kindes, einer Tochter, starb Anna Christina Walther am 25. Oktober 1735 im Alter von 22 Jahren. Die überlebenden Kinder, das gerade geborene Mädchen und der jüngste Sohn, verstarben wenige Jahre später.[14] Walther schrieb darüber an seinen Bruder: Gott giebt dir Kinder, mir nimmt er sie. Dieses Jahr habe ich die beyden letztern verloren, das Mägdlein den 9. Apr. Und das Söhnlein, mein eintziges irdisches Vergnügen, den 28. Julii, beyde an den Blattern. Doch damit nicht genug: Auch Walthers Gesundheit war zunehmend zerrüttet. Innerhalb von 13 Monaten war er viermal ans Bett gefesselt und erholte sich insbesondere von der letzten Krankheit nur schlecht. Walther interpretierte die Krankheiten als göttliches Zeichen, Indien zu verlassen. Im zuvor erwähnten Brief an seinen Bruder ist zu lesen: Ich sehe es also an. Dass mich Gott von Indien gantz los haben wolle. Über seine Zeit in Indien urteilte er im gleichen Brief: Indien ist mir ein rechter Leidens-Plan gewesen, und noch. Dennoch blieb Walther, wie Schöttgen darstellt, in seinem Glauben unerschütterlich.

Wegen seiner angeschlagenen Gesundheit war er jedoch schließlich genötigt, zu repatriieren und nach Europa zurückzukehren. Am 15. Oktober 1739 ging er an Bord der "Princesse Luise" und erreichte mehr als sieben Monate später, am 24. Mai 1740, nach 15-jähriger Abwesenheit Kopenhagen. Hier konnte Walther nach den Reisestrapazen erst einmal zur Ruhe kommen. Der König war ihm gnädig gesonnen, und eine Pastorenstelle war in Aussicht. Walther wollte jedoch vor Antritt der Stelle gern seine Angehörigen und Freunde wiedersehen und in Halle Bericht erstatten. Im Oktober erkrankte Walther jedoch so schwer, dass er zunächst nicht in der Lage war, die geplanten Besuche durchzuführen.

Im Frühling 1741 machte er sich dann aber auf den Weg. Eine erneute Erkrankung zwang ihn kurz darauf zu einem längeren Aufenthalt in Magdeburg, bevor er endlich in Halle eintraf. Dort wurde er im Hause Francke umsorgt und gepflegt, bevor er sich 14 Tage später über Leipzig auf den Weg nach Dresden machte, um seinen älteren Bruder sowie den Verfasser der vorliegenden Trauerschrift zu besuchen. Schöttgen, der inzwischen Rektor der Dresdner Kreuzschule war, nahm ihn herzlich bei sich auf, doch bereits in der folgenden Nacht verschlechterte sich Walthers Zustand rapide. Die Erkrankung fesselte Walther zunächst ans Bett und führte schließlich binnen weniger Tage zu seinem Tode. Christoph Theodosius Walther starb am 29. April 1741 im Beisein seines älteren Bruders und Schöttgens.[15] Wenige Tage später erfolgte Walthers Wunsch gemäß eine schlichte Beerdigung ohne Pracht und gantz simpel,[16] die jedoch unter reger Anteilnahme der Bevölkerung stattfand.

Der hier vorgestellten Funeraldruck auf Christoph Theodosius Walther gehört in die Kategorie der sonstigen Trauerschriften. Die "Gedächtnisschrift"[17] erstreckt sich über 36 Seiten und ist in 46 Paragraphen von unterschiedlicher Länge gegliedert. In ihnen handelt Schöttgen, neben einem allgemeinen Exkurs über den Nutzen der heiligen Schrift beim Sterben, die einzelnen Lebensphasen ab. Jede Textpassage lässt das Bemühen des Autors augenscheinlich werden, die "pietistischen Primärtugenden Demut, Bescheidenheit und Pflichttreue"[18] bei Christoph Theodosius Walther herauszustellen. Laut Schöttgen war Walther ein Beispiel männlicher Gelehrsamkeit:[19] fleißig als Student, als Missionar und als Gelehrter; dazu bescheiden und pflichtbewusst. Aber auch andere typisch pietistische Elemente, wie eine besondere Auserwähltheit durch Gott, finden sich in Schöttgens Trauerschrift, indem dort mit der frühen und immer wiederkehrenden Begegnung zwischen Walther und der Tranquebar-Mission ein Winck Gottes[20] konstruiert wird.

Schöttgens Darstellung von Walthers Vita beruht – ganz in pietistischer Tradition – auf der Einbindung autobiographischer Quellen,[21] die teilweise in den Halleschen Berichten[22] abgedruckt sind. Wichtig sind dem Verfasser nicht spannende Begebenheiten oder Kuriosita, sondern Dinge, die Walthers Leben zu einem exemplarischen Leben machen, das lohnt, nachgeeifert zu werden.[23] Da Schöttgen mit Walther seit dessen Gymnasialzeit auf das Engste verbunden war, kann er sich als wichtiger Zeitzeuge teilweise auch auf eigene Erlebnisse stützen. Insbesondere die letzte Krankheit und das Sterben Walthers hatte er persönlich erlebt, und so schildert er neben einem kurzen und vorbildlichen pietistischen Lebenslauf, der klare Schwerpunkte vor allem auf die Ausbildung, aber auch auf den Beruf, die Familie und die Gelehrsamkeit setzt, ausführlich den Krankheitsverlauf sowie die Sterbeszene, in der er das Verhalten Walthers als beispielhaft anpreist. Auf diese Art verknüpft Schöttgen den Lebenslauf des Verstorbenen mit dem Genre der pietistischen Sterbebiographie.[24]

 

ROBIN PACK studiert Geschichte an der Philipps-Universität Marburg und ist Studentische Hilfskraft an der Forschungsstelle für Personalschriften.

 

Bestand: Universitätsbibliothek Wrocław (Breslau)
Signatur: 4 F 1661/17 / 386596
Enthalten in: Katalog ausgewählter Leichenpredigten der ehemaligen Stadtbibliothek Breslau (Marburger Personalschriften-Forschungen 8), Marburg 1986

 

Anmerkungen:

[1] Heute Tarangambadi oder Tharangambadi. Die Kolonie war 40 qkm groß und bestand aus der Stadt Tranquebar und 15 steuerpflichtigen Dörfern. Zu Tranquebar siehe Stephan Diller, Die Dänen in Indien, Südostasien und China (1620-1845) (South China and Maritime Asia 8), Wiesbaden 1999, S. 147-190; einen kurzen Überblick zur dänischen Kolonie Tranquebar bietet Ders., Tranquebar – die Stadt an der Brandung. Dänischer Handelstützpunkt, Kronkolonie und europäischer Freihandelsplatz (1620-1845) (Kleine Beiträge zur europäischen Überseegeschichte 22), Bamberg 1993; zu den Anfängen der Kolonie siehe auch Peter Ravn Rasmussen, Tranquebar. The Danish East India Company 1616-1669. A Brief Essay, Chiefly in Narrative Form, 1996, URL: http://scholiast.org/history/tra-narr.html (Zugriff: 24.09.2012).

[2] Auch Thanhjavur; zu den territorialen Bedingungen im südlichen Indien dieser Zeit siehe Michael Mann, Südindien im 18. Jahrhundert – politische und wirtschaftliche Entwicklung, in: Heike Liebau (Hg.), Geliebtes Europa – Ostindische Welt. 300 Jahre interkultureller Dialog im Spiegel der Dänische-Halleschen Mission. Jahresausstellung der Franckeschen Stiftung zu Halle vom 7. Mai - 3. Oktober 2006, Halle (Saale) 2006, S. 41-51.

[3] Anders Norgaard, Die Anfänge der Mission, in: Liebau (Hg.), Geliebtes Europa (wie Anm. 2), S. 16-28, hier S. 16; Ders., Mission und Obrigkeit. Die Dänisch-Hallesche Mission in Tranquebar 1706-1845 (Missionswissenschaftliche Forschungen 22), Gütersloh 1988. Zur Dänisch-Ostindischen Kompanie siehe Jürgen G. Nagel, Abenteuer Fernhandel. Die Ostindienkompanien, Darmstadt 2007, S. 131-136.

[4] Der Pietismus war eine innerprotestantische Reform- und Erweckungsbewegung, siehe Die Dänisch-Englisch-Hallesche Mission (Tranquebarmission), in: Europäische Geschichte Online (EGO), hg. vom Institut für Europäische Geschichte (IEG), Mainz 2010-12-03. URL: http://www.ieg-ego.eu/liebauh-2010-de URN: urn:nbn:de:0159-20100921291 (Zugriff: 24.09.2012), Absatz 2. Zum Pietismus siehe auch Wolfgang Breul, Art. "Pietismus", Abschnitt "1. Evangelische Kirchen", in: Enzyklopädie der Neuzeit, Bd. 10, hg. von Friedrich Jaeger, Stuttgart 2009, Sp. 12-17.

[5] Johanna Pöppelwiehe, Missionare und Hindus: Das Bild Südindiens im Spiegel der "Malabarischen Korrespondenz" der königlich-dänischen Mission im 18. Jahrhundert, Bachelorarbeit Marburg 2012, S. 5-9; Daniel Jeyaraj, Geschichte der Dänisch-Halleschen Mission in Indien, in: Erika Pabst/Thomas Müller-Bahlke (Hg.), Quellenbestände der Indienmission 1700-1918 in Archiven des deutschsprachigen Raums (Hallesche Quellenpublikationen und Repertorien 9), Halle (Saale) 2005, S. 15-24; Liebau, Dänisch-Englisch-Hallesche Mission (wie Anm. 4), Absätze 1-5. Zu den Anfängen der Mission insbesondere auch Johann Ernst Gründler/Bartholomäus Ziegenbalg, Die Malabarische Korrespondenz. Tamilische Briefe an deutsche Missionare. Eine Auswahl (Fremde Kulturen in alten Berichten 5), eingeleitet und erläutert von Kurt Liebau, Sigmaringen 1998.

[6] Zur unterschiedlichen Benennung der Dänisch-Englisch-Halleschen Mission als Dänisch-Hallesche Mission oder als Tranquebar-Mission siehe Liebau, Dänisch-Englisch-Hallesche Mission (wie Anm. 4), Absatz 6. Neben der dänischen und der Halleschen gab es auch eine englische Beteiligung an der Tranquebar-Mission. Dabei war die Aufgabenverteilung folgende: Kopenhagen mit dem dänischen König und einem 1714 gegründeten Missionskollegium war das politische Zentrum, die praktische Leitung der Mission lag jedoch in Halle bei dem Pietisten August Hermann Francke und seinen Stiftungen. Dieser kümmerte sich um die personelle und finanzielle Ausstattung sowie um die Außendarstellung der Missionstätigkeit. Dazu dienten nicht zuletzt die Halleschen Berichte, in denen Briefe und Berichte der Tranquebar-Missionare abgedruckt wurden. Der englische Anteil an der Tranquebar Mission bestand in der Förderung der Missionstätigkeit durch die in London angesiedelte Society for Promoting Christian Knowledge, die seit 1710 die Armenschule der Mission unterstützte und 1712 die erste Druckerpresse an die Tranquebar-Mission lieferte. London übernahm zudem die Rolle eines Kommunikationszentrums zwischen Halle und Kopenhagen auf der einen Seite und der Mission in Indien auf der anderen Seite. Siehe dazu Jeyaraj, Geschichte der Dänisch-Halleschen Mission (wie Anm. 5), S. 17-19; Liebau, Dänische-Englisch-Hallesche Mission (wie oben), Absätze 3 und 8f. Zu den Halleschen Berichten siehe URL http://192.124.243.55/digbib/hb.htm (Zugriff: 24.09.2012). Die Halleschen Berichte sind vollständig digitalisiert und können unter der angegebene URL eingesehen werden; eine Datenbank mit Recherchemöglichkeit existiert ebenfalls. Zu den Halleschen Berichten siehe zudem Heike Liebau, Die Halleschen Berichte, in: Dies. (Hg.), Geliebtes Europa (wie Anm. 2), S. 97-101.

[7] Christian Schöttgen, Leben und letzte Stunden Herrn Christoph Theodosii Walthers, In die 15 Jahr gewesenen Königl. Dänischen Missionarii zu Tranckenbar. Welcher gebohren 1699. den 20. Dec. gestorben 1741, den 29. Apr. Nebst einer kurtzen Abhandlung Von dem grossen Nutzen der gründlichen Untersuchung der Heiligen Schrift zum frölichen Sterben, Halle (Saale) 1742. Das in der Universitätsbibliothek Wrocław enthaltene Exemplar gehört zu dem Bestand, der zurzeit im Rahmen des DFG-Projektes AEDit Frühe Neuzeit bearbeitet wird.

[8] Eine ausführliche Biographie Walthers steht bislang aus, es existieren nur kürzere biographische Texte und Lexikon-Einträge. Hier sei eine Auswahl genannt: Viktor Hantzsch, "Walther, Christoph Theodosius", in: Allgemeine Deutsche Biographie 54 (1908), S. 789-791 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd115528431.html?anchor=adb (Zugriff: 24.09.2012); Richard V. Pierard, Walther, Christoph Theodosius : geb. 1699, gest. 1741, Missionar, in: Gerald H. Andersen (Hg.) Biographical Dictionary of Christian Missions, Michigan 1999, S. 716; [Wilhelm] Germann, Christoph Theodosius Walther. Ev.-luth. Missionar in Ostindien. Missionsvortrag, in: Evangelisch-Lutherisches Missionsblatt 1865, Nr. 17, S. 263-272, Nr. 18, S. 283-286; Anonym, Christoph Theodosius Walther, evangelisch-lutherischer Missionar in Trankebar in Ostindien und seine Zeit (Sammlung von Missionschriften 4), Leipzig 1889. Auch die umfangreiche Jubiläumsausgabe zum 300. Jahrestag des Beginns der Tranquebar-Mission Andreas Gross/Y. Vincent Kumaradoss/Heike Liebau (Hg.), Halle and the Beginning of Protestant Christianity in India, 3 Bde., Halle (Saale) 2006 enthält kein längeres eigenständiges Porträt Walthers. Es findet sich neben verstreuten Nennungen nur eine lexikonartige Kurz-Biographie: Jürgen Gröschl, Missionaries of the Danish-Halle and Englisch-Halle Mission in India 1706-1844, in: ebd., Bd. III: Communication between India und Europe, S. 1497-1527, hier S. 1504f. Angesichts der Leistungen Walthers scheint eine umfassendere Würdigung nötig: Walther hatte sich unter anderem sprachwissenschaftlich betätigt und war 15 Jahre lang während einer Hochphase der dänisch-halleschen Mission in Tranquebar tätig. Unter seiner Mitwirkung wuchs die Gemeinde stark an. Pierard, Walther (wie oben) nennt einen Anstieg der Gemeinde von 280 auf 1.321 Gläubige in der Stadt, einschließlich der umliegenden Dörfer sogar auf 3.766. Zu Walthers sprachwissenschaftlicher Tätigkeit siehe Lyih-Peir Luo/Andreas Angerstorfer/Hans Jürgen Höller, Walther, Christoph Theodosius, in: Herbert E. Brekle u.a. (Hg.), Bio-Bibliographisches Handbuch zur Sprachwissenschaft des 18. Jahrhunderts. Die Grammatiker, Lexikographen und Sprachtheoretiker des deutschsprachigen Raums mit Beschreibung ihrer Werke, Bd. 8: Schu-Z, Berlin/New York 2005, S. 354-357.

[9] Schöttgen, Leben und letzte Stunden (wie Anm. 7), S. 11f.

[10] Georg Müller, "Schöttgen, Johann Christian", in: Allgemeine Deutsche Biographie 32 (1891), S. 412-417 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche–biographie.de/pnd116890045.html?anchor=adb (Zugriff: 24.09.2012); Reinhardt Eigenwill, Schöttgen, Johann Christian, in: Sächsische Biografie, hg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky, Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (Zugriff: 24.09.2012).

[11] Vgl. hierzu und im Folgenden Schöttgen, Leben und letzte Stunden (wie Anm. 7), S. 12-22.

[12] Die Europäer in Indien bezeichneten verschiedene indische Sprachen als Malabarisch und verschiedene Völkergruppen als Malabaren, obwohl diese eigentlich nichts miteinander zu tun hatten und auch geographisch weit auseinander liegen konnten. Der Großteil der Bevölkerung in Tranquebar sowie auch im Königreich Tanjore waren Tamilen. Mit Malabarisch ist hier also das Tamil gemeint. Im Folgenden wird analog zur vorgestellten Trauerschrift die Bezeichnung "Malabarisch" benutzt.

[13] Zu Anna Christina Walther (1713-1735), geb. Brochmann, siehe Erika Pabst, The Wifes of Missionaries 1715-1838, in: Gross/Kumaradoss/Liebau (Hg.), Beginning of Protestant Christianity, Bd. III (wie Anm. 8), S. 1529-1541, hier S. 1531.

[14] Vgl. hierzu und im Folgenden Schöttgen, Leben und letzte Stunden (wie Anm. 7), S. 22-24.

[15] Ebd., S. 25-33, die Sterbeszene wird auch S. 6-10 aufgegriffen.

[16] Ebd., S. 33.

[17] Siehe dazu die Regesten zu den Signaturen AFSt/M 1 H 1b: 27 und AFSt/M 1 H 1b: 31 bis 36, in: Franckesche Stiftungen zu Halle (Saale) – Studienzentrum August Hermann Francke – Archiv – Datenbank zu den Einzelhandschriften in den historischen Archivabteilungen, URL: http://192.124.243.55/cgi-bin/gkdb.pl?t_maske (Zugriff: 24.09.2012).

[18] Siehe dazu das Kapitel C.II.3. Sterbestundenberichte und Leichenpredigten: Dokumentationen des frommen Lebens und Sterbens, in: Ulrike Gleixner, Pietismus und Bürgertum. Eine historische Anthropologie der Frömmigkeit. Württemberg 17.-19. Jahrhundert (Bürgertum, N.F. 2), Göttingen 2005, S. 195-208, hier S. 204.

[19] Die Nennung der wissenschaftlichen Veröffentlichungen Walthers an dieser Stelle ist zusammen mit dem akademischen Werdegang wichtig, weil im Pietismus Männlichkeit "durch akademische Ausbildung und Beruf konzipiert" wird, siehe ebd., S. 201.

[20] Schöttgen, Leben und letzte Stunden (wie Anm. 7), S. 12.

[21] Zum autobiographischen Schreiben im Pietismus vgl. auch Birthe zur Nieden, Maria Elisabeth Gräfin von Stolberg-Wernigerode, geb. Gräfin von Promnitz (1717-1741). Da bewegte der liebe Heiland mein Herz – Ein Kind im Pietismus, in: Leben in Leichenpredigten 06/2009, hg. von der Forschungsstelle für Personalschriften, Marburg, Online-Ausgabe: www.personalschriften.de/leichenpredigten/artikelserien/artikelansicht/details/maria-elisabeth-graefin-von-stolberg-wernigerode-geb-graefin-von-promnitz-1717-1741.html (Zugriff: 24.09.2012); siehe auch Ulrike Gleixner, Der Sprecher aus dem Off. Autobiographisches und Biographisches in den Lebensläufen pietistischer Leichenpredigten Württembergs, in: Rudolf Lenz (Hg.) Leichenpredigten als Quelle historischer Wissenschaften, Bd. 4, Stuttgart 2004, S. 346-367.

[22] Zur Geschichte und Bedeutung der "Hallesche Berichte" siehe URL: http://192.124.243.55/digbib/hb.htm (Zugriff: 24.09.2012). Im Rahmen der Zeitschrift kam es in der "Funfzigsten Continuation des Berichts der königl. Dänischen Missionarien in Ost-Indien" (veröffentlicht Halle (Saale) 1742, S. 353-388) zu einem weiteren Abdruck von Schöttgens Trauerschrift auf Walther, URL: http://192.124.243.55/digbib/hb.htm (Recherche über "zum Inhaltsverzeichnis" [Zugriff: 24.09.2012]). Neben den deutschsprachigen Drucken gibt es zudem auch eine lateinische Ausgabe der Trauerschrift: Christian Schöttgen, Vita et agon Viri Admodum Reverendi Christophori Theodosii Waltheri, per annos XV. Missionarii Danici apud Trangambarienses Optime Meriti, Halle (Saale) 1742, Online-Digitalisate über Google Books, URL: http://books.google.de/books?id=Mu5IAAAAcAAJ&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false (Zugriff: 24.09.2012), oder über Bayerische Staatsbibliothek, München, URL: http://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10657962_00002.html (Zugriff: 24.09.2012).

[23] Gleixner, Pietismus (wie Anm. 18), S. 199f.

[24] Auch bezeichnet als Sterbestunden- bzw. Letzte-Stunden-Bericht.

 

Zitierweise: Robin Pack, Christoph Theodosius Walther (1699-1741). Njanaawâlutâr – Leben und letzte Stunden eines dänischen Missionars in Tranquebar, in: Leben in Leichenpredigten 10/2012, hg. von der Forschungsstelle für Personalschriften, Marburg, Online-Ausgabe: <http://www.personalschriften.de/leichenpredigten/artikelserien/artikelansicht/details/christoph-theodosius-walther-1699-1741.html>

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