Forschungsstelle für Personalschriften Marburg

Anna Catharina Heidenreich, geb. Pantzer (1632-1686)

01.09.2012

Kategorie: Leben in Leichenpredigten

Von: Seraina Plotke

Drümb Stehe still, Wandersmann – Figurengedichte in Funeraldrucken

Figurengedicht auf Anna Catharina Heidenreich [1/3]

Auf der letzten Seite der Gedenkschrift für Anna Catharina Heidenreich, die am 7. Juli 1686 nach schwerer Krankheit verstarb, ist ein Figurengedicht in der Form einer Pyramide abgedruckt (Abb. 1).[1] Das Gedicht bildet den Abschluss eines typischen Funeraldrucks, der neben der Leichenpredigt, dem Lebenslauf der Verstorbenen und der Abdankungsrede auch Casualcarmina enthält. Das Figurengedicht folgt auf zwölf kurze zusammenhängende Epigramme, die der Toten von den eigenen Kindern dediziert wurden.[2] Von daher ist es wahrscheinlich, dass auch die "Pyramide" von einem der Nachkommen der Anna Catharina Heidenreich konzipiert wurde, auch wenn es zur Verfasserschaft des Gedichts keine weiteren Hinweise gibt.

Mit der Pyramidenform nimmt das Figurengedicht eine Kontur auf, die seit der Spätrenaissance innerhalb der Gattung der visuellen Poesie sehr beliebt war. Insbesondere in Italien und Frankreich entstanden im 16. Jahrhundert griechische und lateinische Beispiele in der Gestalt der Pyramide, und unter den deutschen Figurengedichten des 17. Jahrhunderts war dieses Motiv eines der häufigsten überhaupt.[3] Abgesehen von der Ägyptophilie, die neben der visuellen Poesie auch die Emblematik wesentlich beeinflusste, sieht Ulrich Ernst die Anknüpfung an neuplatonische Lehren (und deren pythagoreisches Gedankengut) als Ursache für die Popularität der Dreiecksform an.[4]

Gerade im Zusammenhang der Begräbnisgedichte dürfte aber auch die von den pyramidalen Grabmalen in Rom ausgegangene Wirkung nicht zu unterschätzen sein. Es handelt sich dabei um kegel- oder pyramidenförmige Tumulusbauten, die – den ägyptischen Königsgräbern nachempfunden – vor allem zur Zeit des Augustus errichtet worden waren.[5] Das eindrücklichste Monument unter ihnen ist die Pyramide des Gaius Cestius, die aufgrund ihrer exponierten Lage als Teil der Aurelianischen Stadtmauer zu allen Zeiten von Pilgern und Romreisenden bewundert wurde. Neben diesen antiken Grabstätten sind als maßgeblicher Einflussfaktor die in der Festarchitektur verwendeten temporären Aufbauten zu nennen, unter denen das Motiv der Pyramide eine tragende Rolle spielte.[6]

Der Druckort des Figurengedichts im Rahmen der Funeralpublikation legt nahe, die abgebildete Dreiecksform mit einem Grabbau zu identifizieren, noch bevor überhaupt in die Lektüre des Gedichts eingetreten wird. Diese Deutung der Figur ruft unmittelbar mehrere Assoziationen hervor: Eine pyramidale Grabarchitektur stellt immer eine besondere Ehre für die verstorbene Person dar, sie bedeutet deren Auszeichnung und Erhöhung.[7] Dadurch, dass die Pyramide die Ruhestätte eines Toten anzeigt, dient der Umriss zudem als Vanitas-Symbol. Dieselbe Dreiecksform ist aber nicht nur eine Chiffre für die Vergänglichkeit, sondern stellt auch ein Sinnbild für die Ewigkeit dar:[8] Dies zum einen wegen ihrer Regelmäßigkeit, die sie mit dem Kreis gemein hat,[9] zum andern aufgrund der Tatsache, dass den pyramidalen steinernen Monumenten eine besondere Langlebigkeit zuerkannt wird. Im christlichen Kontext erweist sich die Pyramide aufgrund ihrer Dreiecksform des Weiteren als Zeichen der Trinität.[10]

Indem der abgebildete Grabbau bei verbaler Decodierung als sprachlicher Text zu lesen ist, wird dieser Text zu einer in Stein gemeißelten Grabinschrift, wie sie bei jeder Ruhestätte zu finden ist. Mit der Formulierung Drümb Stehe still/ Wandersmann/ Und betrachte hier Eine Matron greift das Figurengedicht zum Auftakt auf einen Topos zurück, der seit der Antike auf Grabsteinen verbreitet ist und auch Eingang in die Konsolationsliteratur des 17. Jahrhunderts gefunden hat.[11] Die ersten Zeilen des Pyramidentexts sind vom Inhalt her ganz den antiken Inschriften nachempfunden, gerade auch, was die Aufreihung der die Tote charakterisierenden Epitheta anbelangt.

Die Apostrophierung des Wanderers verbunden mit der Bitte, kurz stehenzubleiben und der toten Person zu gedenken, kann in griechischen und lateinischen Grabinschriften durch den Toten selbst, durch Angehörige oder durch den zum Leben erweckten Stein erfolgen.[12] In manchen Fällen spricht die Inschrift gleichsam aus dem Nichts, so dass die Buchstaben bzw. die Schrift zur eigentlichen Sprecherin wird. Auch wenn im 17. Jahrhundert Leichengedichte oder sogar ganze Trostreden häufig in den Mund des Verstorbenen gelegt wurden,[13] korrespondiert das abgebildete Figurengedicht mit der letzten der aufgezählten Varianten: Die Schrift selbst bzw. die dargestellte Pyramide scheint den Wanderer qua Leser anzureden.

Die Matron, um deren Grabmal es sich handelt, wird zunächst mit Hiob, dann mit Jesus verglichen: Gemeinsam ist allen das große Leid und die körperlichen Schmerzen, die sie zu erdulden hatten. Der Vergleich mit Jesus Christus wird insofern weitergeführt, als dessen Passion wie bei der Matron mit dem Tod endete – einem Tod, der die Erlösung und den Eingang ins Himmelreich bedeutet. Die Gleichstellung Jesu mit der Toten wird optisch verstärkt, indem das Pronomen, das die Verstorbene bezeichnet, wie der Name des Heilands in Kapitalbuchstaben gesetzt ist. Nicht zufällig geschieht diese Erhöhung der Toten allerdings erst im Zusammenhang mit der Metapher von der Crone des Lebens: Erst in der Auferstehung, die das ewige Leben eröffnet, ist die Frau mit Christus vergleichbar.[14] Gemäß Jak 1, 12 und Offb 2, 10 wird die Krone des Lebens – als Bild für das himmlische ewige Leben – derjenige empfangen, der trotz Ungemach und Versuchung Gott bis in den Tod treu bleibt.

Dieses Verharren im Glauben durch schwere Zeit hindurch wird in der folgenden Zeile explizit als die Voraussetzung für den Lohn der Erlösung genannt. Wie Anna Catharina Heidenreich – laut Inschriftentext – die himmlische Seligkeit erreichte, da sie ihr Leiden gottesfürchtig ertrug, wird auch der Leser oder die Leserin des Gedichts, wenn den Versuchungen im irdischen Leben widerstanden wird, nach dem Tode ins Paradies gelangen. So steht am Schluss des Pyramidengedichts die Moraldidaxe: Erinnere dich hierbey deiner menschlichen Schwachheit/ Und bedencke/ daß die Reyhe auch dich bald treffen werde. Es ist das im 17. Jahrhundert omnipräsente "memento mori", das die Inschrift aufgreift.[15] Entsprechend dient die Pyramidenform – abgesehen davon, dass sie den verbalen Text als Grabinschrift kennzeichnet – vor allem dazu, die mahnende Wirkung der letzten Gedichtzeilen zu verstärken, indem sie als Grabbau und Symbol der Vergänglichkeit dem Leser seine eigene Sterblichkeit vor Augen hält.

Wie erwähnt, symbolisiert die dargestellte Pyramide aber nicht nur die Vergänglichkeit, sondern evoziert auch die Vorstellung der Unendlichkeit. In ein und derselben Figur werden der Leserin der diesseitige Tod und das jenseitige ewige Leben vor Augen geführt. Wie beides miteinander zusammenhängt, zeigt der literale Text, indem er die Geschichte vom Leiden, dem Tod und der Auferstehung der Anna Catharina Heidenreich erzählt. Die Inschrift selbst als Sprecherin des Textes garantiert die Erlösung der Verstorbenen. Nicht nur, dass die Stimme der Inschrift, die quasi zwischen den Welten anzusiedeln ist, die Bestätigung des himmlischen Reichs mit größerer Autorität auszusprechen scheint als ein Sterblicher; dadurch, dass die dreieckige Pyramide auch für die Trinität steht und die Präsenz Gottes markiert, gewinnt die Aussage zusätzlich an Gewicht. Der Umstand, dass das Gebilde die Seligkeit der Verstorbenen mit göttlicher Autorität bestätigt, erzielt im Leser eine doppelte Wirkung. Zum einen erfährt er – gerade als Angehöriger der Verstorbenen[16] – Trost: Trost deshalb, weil er die betrauerte Anna Catharina Heidenreich im Himmel weiß.[17] Zum andern spornt es ihn selbst an, Gott bis in den Tod treu zu folgen, da ihm die Verstorbene als Beispiel dient.

Die "Pyramide" sticht gegenüber anderen Texten in figurierter Form aus dem 17. Jahrhundert dadurch heraus, dass sowohl Reim als auch ein regelmäßiges Metrum fehlen und die Zeilen in rhythmisierter Prosa gehalten sind. Hier von einem Figurengedicht zu sprechen, ist also streng genommen ungenau, eher müsste von einer figurierten Inscriptio die Rede sein. Tatsächlich kommt der Text in seiner Ausformung zwischen Poesie und Prosa der damals beliebten Gattung der Inscriptio sehr nahe.[18] Aufgrund der Pyramidenform reiht sich das Gebilde aber gleichwohl eindeutig in die Tradition der visuellen Poesie ein, da die Gestalt mit den unzähligen Pyramidengedichten aus der Zeit korrespondiert. Der mit dem Verzicht auf Metrum und Reim einhergehende Bezug auf die Gattung der Inscriptio lässt sich in doppelter Weise interpretieren.

Zum einen betont der Text über den Bezug auf die Gattung der Inscriptio seinen Charakter als Grabinschrift. Zum anderen verstärkt die Abwesenheit von Metrum und Reim, die beide erst bei oraler Wiedergabe eines Textes – respektive bei auditiver Rezeption – richtig zum Tragen kommen, den optischen Charakter der Pyramide, durch den sie sich als visuelle Dichtung schon per definitionem auszeichnet. Diese Wendung von der auditiven Rezeption als sukzessivem Prinzip hin zur optischen bedeutet die Abkehr vom Moment Zeit: Das visuell Wahrnehmbare scheint nicht in einen Zeitablauf eingebunden zu sein, sondern jenseits der Temporalität zu stehen.[19] Monika Schmitz-Emans beschreibt visuelle Poesie als optisches Phänomen grundsätzlich wie folgt: "Sie ist Simultan-Poesie; alle Bestandteile wollen auf einmal erfasst werden – oder doch wenigstens erfassbar sein. […] Die Linie, geläufigstes und gleichsam natürlichstes Modell verlaufender Zeit, wird von der Fläche abgelöst; der Text stellt sich selbst als flächiges, wenn nicht gar räumliches Gebilde dar."[20]

Durch den Verzicht auf ein regelmäßiges Metrum – das die Sukzessivität des Textflusses betonen würde – hebt die pyramidenförmige Inschrift sich selbst als gleichsam jenseits der Zeitlichkeit stehende hervor. Sie pointiert damit ihren Status als Objekt, das unabhängig vom Verlauf der Zeit steht, markiert ihre zeitlose Gültigkeit. Die Verstärkung des visuellen bzw. zeitlosen Charakters der Inschrift durch den Verzicht auf das Versmaß geht somit Hand in Hand mit den übrigen Text-Bild-Beziehungen, die sich während der Rezeption des Gebildes konstituieren. Alles in allem betrachtet, präsentiert sich die pyramidale Inschrift als Bindeglied zwischen Diesseits und Jenseits, zwischen irdischer und göttlicher Welt. Aufgrund der Text-Bild-Konfiguration entpuppt sich die Stimme, die den Leser des Textes als Wanderer anspricht, als Sprachrohr Gottes und der Ewigkeit, das allen Menschen, die Gott bis in den Tod treu bleiben, das Himmelreich garantiert.

 

PD Dr. SERAINA PLOTKE ist Universitätsdozentin für Germanistische Mediävistik am Deutschen Seminar der Universität Basel. Der Text entstammt mit wenigen Modifizierungen ihrer Studie: Seraina Plotke, Gereimte Bilder. Visuelle Poesie im 17. Jahrhundert, München 2009, S. 196-202 (Lizenzgeber: Wilhelm Fink Verlag München).

 

Bestand: Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel
Signatur: Lpr. Stolb. 12976

 

Anmerkungen:

[1] Der vollständige Titel der Gedenkschrift lautet: Tobias Dürfeld, Das Urtheil des Heiligen Geistes/ Von der Trübsal der gläubigen Kinder GOttes/ Durch den Mund des H. Apostels Pauli außgesprochen/ und 2. Cor. IV. v. 17 18. zum Trost der lieben Christenheit aufgeschrieben/ auch ferner durch GOttes Gnade/ als der weiland Wol-Edlen/ Viel-Ehr- und Tugendreichen/ Frauen Annen Catharinen Heidenreichin/ Des Wol-Edlen/ Vest und Hochgelahrten/ Herrn Eliae Rudolph Heidenreichs/ Fürstl. Sächß. wolverordneten Raths auf Friedenstein/ treu-gewesenen hertzlieben Hauß-Ehre/ Welche den 7. Julii 1686. nach außgestandenen großen Schmertzen/ in Christo/ ihrem Erlöser/ selig eingeschlaffen/ und den darauf folgenden 9. Julii/ wegen warmen Wetters/ in der Stille beygesetzet worden: Ein Christlich und wolansehnlich Leich-Begängnis den 11. Julii am 6. Sonntage nach Trinitatis gehalten worden/ In der S. Margarethen-Kirchen zu Gotha der Volckreichen Gemeinde daselbst vorgetragen und erkläret Von Tobia Dürfelden/ Archi-Diacono, Gotha 1686 (VD17 39:102339X).

[2] Die Überschrift zu den zwölf Epigrammen lautet: Die Mühseligkeit des menschl. Lebens/ Vorgestellet von Der sel. Verstorbenen sämbtlichen Kindern.

[3] Siehe Ulrich Ernst, Europäische Figurengedichte in Pyramidenform aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Konstruktionsmodelle und Sinnbildfunktionen. Ansätze zu einer Typologie, in: Euphorion. Zeitschrift für Literaturgeschichte 76 (1982), S. 295-360 (wieder abgedruckt in: Ders., Intermedialität im europäischen Kulturzusammenhang. Beiträge zur Theorie und Geschichte der visuellen Lyrik [Allgemeine Literaturwissenschaft - Wuppertaler Schriften 4], Berlin 2002, S. 91-153).

[4] Ernst, Europäische Figurengedichte (wie Anm. 3), S. 295-300.

[5] Vgl. etwa Henner von Hesberg, Römische Grabbauten, Darmstadt 1992, S. 113ff.

[6] Vgl. Seraina Plotke, Gereimte Bilder. Visuelle Poesie im 17. Jahrhundert, München 2009, S. 167-170; Ernst, Europäische Figurengedichte (wie Anm. 3), S. 358, hält fest, dass die "sprachgeformte Pyramide [...] als geistiges Pendant zur materiellen Ruhmesarchitektur der Zeit" erscheint.

[7] Ebd., S. 357. Ernst weist darauf hin, dass die Pyramidengestalt gattungstypologisch mit derjenigen der Ehren- oder Siegessäule verwandt ist. Dazu auch Filippo Picinelli, Mundus Symbolicus (Emblematisches Cabinet 8), Hildesheim/New York 1979 (ND der Ausgabe Köln 1687), lib. 16, S. 72.

[8] Ernst, Europäische Figurengedichte (wie Anm. 3), S. 355.

[9] Symbole der Vergänglichkeit zeigen sehr oft ebenso die Ewigkeit an und umgekehrt: Dies gilt neben der Pyramide auch für andere Symbole wie etwa die Kugel.

[10] Vgl. Picinelli, Mundus Symbolicus (wie Anm. 7), lib. 16, S. 72.

[11] Zur Anrede des Wanderers in antiken Grabinschriften siehe Gabriel Sanders, Lapides Memores. Païens et Chrétiens Face à la Mort. Le Témoignage de l’Epigraphie Funéraire Latine (Epigrafia e antichità 11), Faenza 1991, S. 30-34. Römische Inschriften wurden von den Humanisten gesammelt; seit dem frühen 16. Jahrhundert gab es gedruckte Sammlungen lateinischer Inschriften (Ernst Meyer, Einführung in die lateinische Epigraphik, 3. Aufl., Darmstadt 1991, S. 8ff.). Zur Aufnahme des Topos in die zeitgenössische Konsolationsliteratur siehe Ferdinand van Ingen, Vanitas und Memento mori in der deutschen Barocklyrik, Groningen 1966, S. 278ff.

[12] Sanders, Lapides Memores (wie Anm. 11), S. 27-60.

[13] Ingen, Vanitas (wie Anm. 11), S. 277.

[14] Im Satz Weil Sie wuste/ daß Sie Ihrem JESU Auch hierinne williglich nachfolgen müste findet die besagte Gleichstellung noch nicht statt.

[15] Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass dieses "memento mori" als Schriftzug auf derselben Textseite des Funeraldrucks wiedergegeben wird, auf der das Pyramidengedicht abgedruckt ist, und zwar in der Art eines Emblems zusammen mit einem Totenkopf, aus dessen Augenhöhlen Ähren wachsen. Wenn dieses Gebilde auch eindeutig nicht im direkten Verbund mit der "Pyramide" abgedruckt ist, ergeben sich doch gewisse emblematische Bezüge dadurch, dass beide auf derselben Seite präsentiert werden.

[16] Die Gedenkschriften richteten sich in erster Linie an die Verwandten und Bekannten der verstorbenen Person. Die im vorliegenden Druck wiedergegebene Leichenpredigt ist explizit dem Witwer dediziert.

[17] Neben der Ehrung, die dem Toten durch die zusammen mit der Leichenpredigt abgedruckten Casualcarmina zuteil wurde, war die Hauptaufgabe der Leichengedichte, die Hinterbliebenen zu trösten.

[18] Die Charakteristika der Inscriptio behandelt Thomas Neukirchen, Inscriptio. Rhetorik und Poetik der Scharfsinnigen Inschrift im Zeitalter des Barock (Studien zur deutschen Literatur 152), Tübingen 1999. Eine Inscriptio zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass ihr Drucksatz zentriert ist. Auch bei der "Pyramide" liegt zentrierter Drucksatz vor, der zusätzlich die Pyramidenform wiedergibt. Grundsätzlich kann die Gattung der Inscriptio als mit der visuellen Poesie verwandt angesehen werden, da sie erstens aufgrund der Zentrierung auch mit graphischen Mitteln der Buchstabenanordnung arbeitet und zweitens viele Figurengedichte seit den Anfängen des Genres die Illusion einer Inschrift erwecken.

[19] Vgl. Plotke, Gereimte Bilder (wie Anm. 6), S. 43f.

[20] Monika Schmitz-Emans, Schrift als Aufhebung der Zeit. Zu Formen der Temporalreflexion in visueller Poesie und ihren spekulativen Voraussetzungen, in: Arcadia. Zeitschrift für vergleichende Literaturwissenschaft 26 (1991), S. 1-32, hier S. 3.

 

Zitierweise: Seraina Plotke, Anna Catharina Heidenreich, geb. Pantzer (1632-1686). Drümb Stehe still, Wandersmann – Figurengedichte in Funeraldrucken, in: Leben in Leichenpredigten 09/2012, hg. von der Forschungsstelle für Personalschriften, Marburg, Online-Ausgabe: <http://www.personalschriften.de/leichenpredigten/artikelserien/artikelansicht/details/anna-catharina-heidenreich-geb-pantzer-1632-1686.html>

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