Forschungsstelle für Personalschriften Marburg

Marburger Personalschriften-Forschungen, Bd. 58

Katalog der Leichenpredigten und sonstiger Trauerschriften in der Hennebergischen Gymnasialbibliothek Schleusingen

Bearbeitet von Eva-Maria Dickhaut, Daniel Geißler, Birthe zur Nieden, Eva-Maria Vering und Jörg Witzel.

2016. XIII, 318 Seiten.

ISBN 978-3-515-11611-4. EUR 38,00.

Inhalt

Mit der Erschließung der Hennebergischen Gymnasialbibliothek in Schleusingen wendet sich die Forschungsstelle für Personalschriften einem Bestand zu, der insbesondere für die Erforschung thüringischer und fränkischer Regionalgeschichte der Frühen Neuzeit von hohem Interesse ist. In der im Naturhistorischen Museum Schloss Bertholdsburg aufbewahrten Büchersammlung konnten in 561 Einträgen Leichenpredigten und sonstige Trauerschriften ermittelt werden, die nicht nur zahlreiche Facetten damaliger Lebenswelten zutage treten lassen, sondern auch eher unerwartete Informationen bereithalten, etwa zu klimageschichtlichen Aspekten.

Beispielsweise berichtet die »Einfeltige Wetterpredigt« ausführlich über eine verheerende Flutwelle in Rohr bei Meiningen, der im April 1607 mehrere Menschen zum Opfer fielen, darunter eine vierköpfige Familie, die unter den Trümmern ihres eingestürzten Wohnhauses ertrank. Neben dem Bericht einer Überlebenden und der »Beschreibung des grossen Wasserschadens« enthält die Predigt unter anderem auch eine – gereimte – Aufzählung der entstandenen materiellen Schäden.

In ganz anderer Hinsicht bemerkenswert ist die Trauerschrift auf Hans Löfler, der als Sohn eines Bauern geistig behindert geboren wurde, nach dem Tod seiner Eltern von verschiedenen Seiten Unterstützung erhielt und schließlich Aufnahme am Hof in Coburg fand. Im Zuge der Schilderung biographischer Details setzt sich der Verfasser in der Predigt vor allem eingehend mit der zeitgenössischen theologischen Diskussion um die Seligkeit »blöder, alber(n)er Leute« auseinander und positioniert sich eindeutig für eine Annahme von Menschen mit derartigen Behinderungen durch Gott, denn er »hasset ja nichts daß er gemachet hat«.

Dass Leichenpredigten auch als archäologische Quelle genutzt werden können, beweist schließlich der Funeraldruck auf den im Jahr 1619 im Alter von 22 Jahren verstorbenen Hans Conrad von Seckendorff. Der offensichtlich literarisch interessierte und begabte junge Mann erhielt bei der Beisetzung diverse dekorative Grabbeigaben, darunter ein vergoldetes Schwert, ein ebenso überzogenes Buch sowie »eine wackere schöne rothe Feder, auff und umb seinen Adelichen Hut  [...] gestecket«.

Im Katalogteil sind die Einträge nach der alphabetischen Reihenfolge der Namen der Verstorbenen geordnet. Eine differenzierte Nutzung des Kataloges ermöglicht der Registerteil, in dem gezielt nach Personennamen, Berufen, Orten und bildlichen Beigaben gesucht werden kann.

Interessenten:

Kultur-, Literatur-, Kirchen- und Medizinhistoriker, an Historischer Demographie, Historischer Familienforschung und Regionalgeschichte Interessierte, ferner Kunst- und Musikwissenschaftler, Institute, Bibliotheken, Archive und Museen.