Forschungsstelle für Personalschriften Marburg

Von Verlusten in autobiographischen Texten aus Leichenpredigten

27.09.2014

Kategorie: Vorträge

Vortrag auf dem 50. Deutschen Historikertag in Göttingen

Im Rahmen des 50. Deutschen Historikertages, der vom 23. bis 26. September 2014 an der Georg-August-Universität Göttingen stattfand, hielt Dr. Jörg Witzel in der freitäglichen Sektion "Gewinner und Verlierer in Medien der Selbstdarstellung - Bilder, Bauten, Inschriften, Leichenpredigten, Münzen, Medaillen und öffentliche Bekenntnisschriften im 16., 17. und frühen 18. Jahrhundert" einen Vortrag.

Dieser näherte sich unter dem Titel "Gewinne aus Verlust!? Von Verlusten in autobiographischen Texten aus Leichenpredigten" dem Motto des Historikertages "Gewinner und Verlierer" aus dem Blickwinkel der in Funeralschriften überlieferten Selbstzeugnisse. Ihm lag ein Sample von 52 Texten Thüringer Provenienz zugrunde, die vorwiegend aus der zweiten Hälfte des 17. und der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammen. Zehn dieser Lebensläufe sind bereits in der digitalen Edition "AutoThür" auf der Website der Forschungsstelle für Personalschriften publiziert.

Der Umgang mit Verlusterfahrungen in autobiographischen Lebensläufen, die zum Zweck einer Selbstpräsentation entstanden sind, stand im Mittelpunkt des Vortrages. Wie stellen die Verfasser/-innen solche existenziellen Erfahrungen dar? Ist es ihnen wichtig, dabei Emotionen zum Ausdruck gelangen zu lassen? Welche Bedeutungen werden Verlusterfahrungen im Rahmen eines konzisen lebensgeschichtlichen Narrativs zugeschrieben?

Diesen Fragen ging Jörg Witzel an drei thematischen Schwerpunkten nach: Verlust infolge des Dreißigjährigen Krieges, durch den Tod nahestehender Menschen und von Gesundheit, sprich Krankheit.

Sein Resümee der Textanalyse fiel überraschend aus, denn religiösen Sinn in Gestalt einer Umdeutung weltlichen Verlusts in geistlichen Gewinn schreiben nur wenige Verfasser/-innen ihren erlittenen Verlusten zu. Dieses Fazit erscheint umso erstaunlicher, da die Hälfte der untersuchten Texte aus der Feder protestantischer Geistlicher stammt. So liegt die abschließend von Jörg Witzel gestellte Frage nahe, ob sich in diesem auffälligen Fehlen religiöser Deutungsmuster bereits der Prozess der Säkularisierung abzeichnet.

 

 

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