Forschungsstelle für Personalschriften Marburg

Sidonia Elisabetha Freifrau von Tonrädel, geb. Freiin von Prösing (1635-1687)

01.07.2017

Kategorie: Leben in Leichenpredigten

Von: Anna Ahlbrandt

[...] umb besserer Seelen- auch freyer Religions-Pflege willen – Der Wunsch einer österreichischen Adligen, ihren Glauben frei ausleben zu können

Sidonia Elisabetha Freifrau von Tonrädel, geb. Freiin von Prösing [1/3]

Sidonia Elisabetha Freifrau von Tonrädel, Frau auf Derenberg[1] und Rechberg, geb. Freiin von Prösing, nahm für die freie Ausübung ihrer Religion sowie die ihrer Familie viele Strapazen auf sich. Geboren am 16. November 1635 auf Schloss Haindorf bei St. Pölten als Tochter von Georg Ehrenreich Freiherr von Prösing (gest. ca. 1655) und Susanna Elisabeth, geb. Freiin von Greyßen (gest. ca. 1648), wurde sie von ihrer Mutter tugendhaft und im Glauben erzogen; nach deren Tod übernahm sie den Haushalt und wurde Beistand des Vaters, der sich sorgte um die Ereignisse, die sich den Evangelischen Religions-Verwanten in gantzen Landen ereignet[en].[2]

1655 entschloss sich der Vater, umb besserer Seelen- auch freyer Religions-Pflege willen, seine Familie nach Ödenburg (heute Sopron in Ungarn) umzusiedeln. Ödenburg als Ziel war naheliegend, zum einen wegen der geographischen Nähe, zum anderen besaß die Stadt eine lange reformatorische Geschichte. Die ersten reformatorischen Schriften kamen 1520 durch Kaufleute aus Regensburg nach Ödenburg und wurden interessiert gelesen und diskutiert. Trotz Versuchen der Obrigkeit, die Verbreitung zu verhindern, entwickelte Ödenburg sich zu einem Zentrum des Protestantismus in Ungarn (u.a. 1532 Aufnahme von Lutheranern aus Österreich, seit 1549 Predigt der evangelischen Lehre, ab 1570 teilte sich die lutherische Gemeinde die Stadtkirche mit der katholischen Minderheit). Der katholischen Kirche gelang es zwar immer wieder, ihre Maßnahmen der Gegenreformation durchzuführen, sei es, dass Prediger aus Ödenburg ausgewiesen wurden oder dass man protestantische Persönlichkeiten inhaftierte und als Druckmittel zur Durchsetzung von Forderungen einsetzte. Die Stadt war faktisch re-katholisiert worden, aber die Bürger evangelischen Glaubens weigerten sich, von ihrem Glauben abzulassen, feierten ihre Gottesdienste in anderen Orten und schickten dort auch ihre Kinder zur Schule.

Mit dem Abschluss des Wiener Friedens 1606 (Ende des Bocskai-Aufstands) erhielt neben anderen Territorien auch das Königreich Ungarn - und somit Ödenburg - das Recht der Religionsfreiheit. In der Folge wurden Schulen wieder geöffnet, Gottesdienste innerhalb der Stadtmauern gehalten und ab 1610 Superintendenturen in Ungarn eingerichtet, die eine flächendeckende Organisation der Protestanten garantieren sollten. Allerdings konnten die vertraglich verankerten Rechte nicht durchgesetzt werden; hinzu kam außerdem eine zunehmende Konversion des Hochadels zum katholischen Glauben, was es den Protestanten erschwerte, religiöse Forderungen durchzusetzen. Den Höhepunkt im Kampf um ihre Rechte bildete der Abschluss des Linzer Religionsfriedens im Jahr 1645, in dessen Folge den Protestanten neunzig Kirchen zur gottesdienstlichen Nutzung überlassen bzw. zurückgegeben wurden. Aber nur zwei Jahre später begann die erneute Verfolgung der Protestanten, nachdem der Verhandlungsführer in Linz, Fürst Georg I. Rákóczi, gestorben war. Die Unruhen in Ungarn nahmen zu, u.a. aufgrund der von Seiten Habsburgs nach der eigentlich gewonnenen Schlacht bei Mogersdorf verfolgten Außenpolitik, den Kampf gegen das Osmanische Reich nicht fortzusetzen. Die Regierung in Wien sah sich, vor allem bedingt durch leere Staatskassen und einen drohenden Krieg mit Frankreich, dazu gezwungen, einen Waffenstillstand abzuschließen. Mit dem Frieden von Eisenburg wurden zugleich größere Teile Ungarns und Kroatiens an die Hohe Pforte abgetreten, was den lokalen ungarischen Adel, der eigentlich auf die Rückübertragung eroberter Gebiete spekuliert hatte, zusätzlich brüskierte. Mehrere bedeutende ungarische Adelsfamilien schlossen sich daraufhin in der sog. Magnatenverschwörung zusammen, die ab 1670/71 zum offenen Widerstand gegen Wien führte. Dies nahm Kaiser Leopold I. zum Anlass, ein absolutistisches Regierungssystem einzuführen, um die ungarische Verfassung aufzuheben; zugleich verschärfte er die offene Verfolgung der Protestanten. Dabei unterschätzte er jedoch den Widerstand insbesondere des protestantischen mittleren und niederen ungarischen Adels und musste neuen Verhandlungen über die Wiederherstellung der Verfassungsfreiheit sowie die Religionsfrage zustimmen. Auf dem Reichstag von Ödenburg 1681 wurde nicht nur die Religionsfreiheit von 1606 bestätigt, sondern auch beschlossen, dass konfiszierte, aber noch nicht katholischgeweihte Kirchen zurückgegeben werden mussten. Als Ersatz für geweihte Kirchen konnten neue protestantische gebaut werden.[3]

Die konfessionelle Entwicklung in Österreich gestaltete sich hingegen anders. Die katholische Kirche erholte sich eher von den reformatorischen Umbrüchen und begann ihrerseits in den 1570er-Jahren mit der Gegenreformation. So wurden u.a. evangelisch geprägte Begräbnisriten verboten und katholische Bürgereide verlangt; in der Folge mussten die ersten Lutheraner das Land verlassen. Die Spannungen kulminierten in Bauernaufständen (1595/96), aus denen zwar kurzzeitig eine freie Religionsausübung auf adligen Besitzungen resultierte, die zugleich aber auch weitere Gegenmaßnahmen der katholischen Kirche provozierten. Unter Kaiser Ferdinand II. kam es zu schweren Unruhen und massenhaften Landesverweisen. Mit diesen gewaltsamen Maßnahmen wollte er nicht nur möglichst rasch die Glaubensspaltung überwinden, die er als zentrale Ursache der Unruhen betrachtete, sondern ebenso die eigene innenpolitische Macht stärken. Durch immer neue Mandate[4] wurde die Ausübung des reformierten Glaubens erschwert. Langfristig gesehen gewann die Gegenreformation schließlich immer stärker an Boden und zwang die Protestanten, ihren Glauben entweder im Geheimen auszuleben oder aber Österreich zu verlassen. Eine derartige Entscheidung zur Emigration brachte aber auch massive Eingriffe in das Privatleben mit sich: die minderjährigen Kinder mussten in die Obhut der Landesbehörden gegeben und die im Familienbesitz befindlichen Güter verkauft werden. Die Familien zögerten den Verkauf der Güter solange wie möglich hinaus, da man auf eine Rückkehr in die Heimat hoffte. Die betroffenen Kinder versuchte man, illegal außer Landes zu bringen und in die Obhut von protestantischen Verwandten oder Freunden zu geben, die sich um ihre Erziehung kümmerten.[5]

Im Gegensatz zum Landesteil ob der Enns erreichte die Gegenreformation Niederösterreich erst spät. Ferdinand II. wollte nicht die Unterstützung des Adels gegen die Osmanen verlieren und ließ ihm zunächst mehr Freiheiten. 1627 mussten die ersten Pfarrer und Lehrer das Herzogtum innerhalb von zwei Wochen verlassen, im selben Jahr wurde das Exercitium verboten. Ein Jahr später wurde für alle Einwohner das Ultimatum erlassen, sich entweder für die Rückkehr zum katholischen Glauben zu entscheiden oder auszuwandern. Ab 1650 setzte dann eine Auswanderungswelle Richtung Ungarn und Oberdeutschland ein. Neben den oben genannten Forderungen wurden als Voraussetzung für die Emigration auch die Tilgung bestehender Schulden sowie eine Nachsteuer in Höhe von zehn Prozent des Vermögens verlangt. Die Ausweisung war - trotz ihrer oft drastischen Auswirkung auf das Leben der Protestanten und den schwerwiegenden finanziellen, kulturellen und familiären Konsequenzen - keine panische Flucht vor einer akuten physischen Bedrohung. Sie war das Ende einer über Jahre hinweg geführten Politik, die für viele absehbar war.[6]

Mit dem Lebenslauf der in diese Ereignisse unmittelbar involvierten Sidonia Elisabetha liegt ein wertvolles zeitgenössisches Dokument vor. Sie war seit 1656 verheiratet mit Georg Christoph Freiherr von Tonrädel (1611-1665) und kehrte nach der Hochzeit zunächst nach Österreich, auf das Gut Derenberg ihres Mannes, zurück.[7] Im Lebenslauf von Sidonia Elisabetha werden fünf Kinder aufgeführt. Die ersten vier wurden auf Derenberg im Zeitraum von 1657 bis 1663 geboren,[8] die jüngste Tochter hingegen kam in Regensburg 1665 zur Welt. Die Motivation für den Umzug der Familie nach Regensburg war, daß an Papistischen Orthen in die Länge ihnen unmüglich fallen werde/ Jhr Christenthum und Gottes-Dienst recht zu beobachten und darauff seelig abzuscheiden/ so haben sie nothwendig ihre Güther zu verlassen und an einen Evangelischen Orth sich zu begeben entschliesen müssen [...]. Geschah dies schon mit Blick auf den Gesundheitszustand ihres Mannes? Sollte der Umzug sein Seelenheil sichern? Er verstarb noch vor der Geburt der Tochter, nachdem er zwanzig Wochen bettlägerig war.

Dass die Wahl der Familie auf Regensburg als Fluchtort fiel, ist nachvollziehbar. Auch für Sidonia Elisabetha und ihren Gatten war abzusehen, dass bei einer Beharrung auf dem evangelischen Glaubensbekenntnis ihre Ausweisung erfolgen musste. Sie konnten sich also auf die Emigration vorbereiten, indem sie finanzielle Reserven anlegten und sich nach geeigneten Zielen umschauten: Wo waren Familie und Freunde hingegangen? Gab es eine wirtschaftliche Zukunft in der neuen Heimat? In der weiteren Vorbereitung der Ausreise bat man dann im ausgewählten Ort um Schutz bzw. Aufnahme. Exulanten erhielten dafür Testimonien ausgestellt, dass sie aufgrund ihrer Religion das Land verließen und nicht aus politischen Gründen. Diese Versicherung sollte die Aufnahme in den Städten bzw. Herrschaftsbereichen der Zielregionen erleichtern. Die Attraktivität von Regensburg, aber auch von anderen protestantisch geprägten Reichs- oder größeren Städten bestand dabei insbesondere in deren Angebot von Schulen, Kultur, Arbeit bzw. Arbeitskräften und der medizinischen Versorgung - trotz Flucht wollte man seine Lebensbedingungen nicht verschlechtern. Des Weiteren spielte bei der Entscheidung die geographische Lage des Zielorts auch eine große Rolle. Die vorhandene Infrastruktur machte gerade Regensburg zu einem bevorzugten Ziel: Durch diverse Handelswege und die Lage an der Donau war die Stadt verkehrstechnisch gut im Reich vernetzt. Zudem lag sie in Reichweite der alten Heimat, was weitere Vorteile bot. So konnte man bei Aufnahmegesuchen und der Integration nach der Ankunft bereits bestehende wirtschaftliche und kulturelle Kontakte nutzen, außerdem eignete sich die Stadt gut als Ausgangspunkt für eine eventuelle Rückkehr oder für Besuche der früheren Besitztümer. Nicht zuletzt profitierte man in einem derart zentral gelegenen Ort auch von der guten Informationslage über aktuelle Geschehnisse, z.B. über die Aufnahmebedingungen in anderen Territorien des Reichs. Ein entsprechendes Angebot Herzog Friedrich Wilhelms II. von Sachsen-Altenburg über die Aufnahme von Exulanten und damit verbundene Gewährung finanzieller Vergünstigungen[9] beeinflusste auch den weiteren Lebensweg der Familie von Tonrädel.

Zu Vermeidung ihrer [Kinder] Seelen-Gefahr, das heißt einer katholisch geprägten Vormundschaft,[10] entschloss sich die Freifrau auf Anraten eines fürstlichen Abgesandten aus Sachsen-Altenburg sowie des altenburgischen Kanzlers Johann Thomae,[11] ihre drei ältesten Kinder[12] in die Fürstl. Sächs. Lande [...] zu versenden. Hier kommt die Solidarität unter den deutschen Lutheranern zum Ausdruck, indem man sich - unter dem Eindruck der politischen Repressalien - auch half, wenn man sich nicht kannte. Der Abschied von den Kindern fiel der Mutter sicherlich nicht leicht, sie waren klein und eine Reise beschwerlich. Ein Trost wird ihr gewesen sein, dass ihre Kinder zu Christlichen und redlichen Leuten kamen: Friedrich Förster, Rentkammer-Sekretär in Altenburg, und seiner Ehefrau, sowie Frau von Stetting, eine Tante in Halle (Saale). Die Erziehung der Kinder, gerade im Hinblick auf den "rechten Glauben", war damit gesichert. Die Pflegefamilien ermöglichten den Kindern später sogar gute Ehepartien und eine Karriere am Hof.

Sidonia Elisabetha verließ 1666 mit ihrer jüngsten Tochter Regensburg und kehrte auf ihre Güter in Österreich zurück. Trotz dieser Distanz zwischen ihr und den Kindern ermahnte die Mutter sie immer wieder durch Briefe und Zusendung evangelischer Erbauungsliteratur an ihrem Glauben festzuhalten, damit ihr Seelenheil nicht in Gefahr geriete. Besonders für ihre jüngste Tochter setzte sie sich ein: [...] und zumahl der jüngsten Fräulein Tochter Seelen-Wohlfarth willen/ bey nahe alles ihr Zeitliches Vermögen/ ja was Jhr sonsten in dieser Welt lieb-gewesen/ angewendet und dergestalt ihr Christenthum mit wahrer Busse [...] fortgeführet.

Mutter und Tochter wurden von den Römisch-Catholischen Gelehrten sehr geplaget. Es ergingen u.a. mehrere Befehle, dass die Tochter vor die kaiserliche Regierung gestellt werden sollte, was bedeutete, dass man die Vormundschaft bzw. die Erziehungsgewalt über das Kind verlangte. Sidonia Elisabetha weigerte sich und fand Mittel und Wege, ihre Tochter verkleidet von Österreich nach Halle zu schaffen. Dort kam die Tochter bis zu ihrem zwölften Lebensjahr zu besagter Tante und dann zu ihrer ältesten Schwester. Auch der jüngsten Tochter waren somit die Erziehung im rechten Glauben und das Seelenheil garantiert.

Für die Mutter hatte dieser Schmuggel Folgen: Sie wurde nach Wien zitiert, um den Aufenthaltsort der Tochter zu verraten. Sidonia Elisabetha antwortete darauf, dass ihre Tochter an einem evangelischen Ort sei, aber sie wisse nicht genau wo. Daraufhin wurde die Freifrau für anderthalb Jahre in Arrest genommen, woraus sie erst nach einem Kniefall und der Zahlung einer hohen Geldstrafe wieder entlassen wurde. Nach ihrer Rückkehr fand die Freifrau ihre Güter in abgewirtschaftetem Zustand vor, trotz - oder wahrscheinlich eher wegen - der zwischenzeitlichen Verwaltung durch einen kaiserlichen Sequester. 1679 verkauft Sidonia Elisabetha ihren Besitz an Paul von Pleyern[13] und wandte sich wieder nach Ödenburg, um allda Jhre[m] lieben Gott treulich zu dienen.

Als Ödenburg durch die Osmanen bedroht wurde, musste Sidonia Elisabetha ihren Plan ändern. Sie wollte nun ihren Bruder in Hauffendorff[14] aufsuchen, aber aufgrund der ausgebrochenen Pest und den erneut auf Wien vorrückenden türkischen Truppen verwarf sie auch dieses Ziel kurzfristig und wandte sich Richtung Schloss Walpersdorf. Nach acht Tagen verließ sie Walpersdorf wegen der anhaltenden Bedrohung wieder und reiste nach Krems an der Donau weiter. Dort traf sie neben ihrem Bruder auch ihren Vetter. Gemeinsam setzten sie die Reise die Donau hinauf nach Regensburg fort. Die Freifrau blieb für zwei Jahre dort; nach einem Besuch ihrer ältesten Tochter mit Familie entschloss sie sich, zu dieser nach Zella bei Suhl (heute Zella-Mehlis) zu ziehen. Dort kam Sie nach Johannis Anno 1685. gesund und frisch an, nachdem ihr Schwiegersohn Andreas Pflugk sie in Regensburg abgeholt hatte. Sidonia Elisabetha starb nach längerer Krankheit am 22. November 1687 im Kreise ihrer Familie.[15]

Die Biografie der Freifrau zeigt deutlich, wie die Maßnahmen zur Gegenreformation auf österreichischem Territorium praktisch durchgesetzt wurden - mittels erzwungener Vormundschaft und Güterverwaltung - und welche Konsequenzen die Betroffenen auf sich nahmen - Trennung von der Familie, Rechtsprozesse, Haft, Geldstrafen und Güterverkäufe -, um ihren Glauben praktizieren zu können.

 

ANNA AHLBRANDT M.A. ist Wissenschaftliche Hilfskraft der Forschungsstelle für Personalschriften.

 

Bestand: Universitätsbibliothek Leipzig
Signatur: Fam.39/14
Enthalten in: Katalog der Leichenpredigten und sonstiger Trauerschriften in der Universitätsbibliothek Leipzig (Marburger Personalschriften-Forschungen 50), Bd. 3, Stuttgart 2010

 

Anmerkungen:

[1] Derenberg, heute Thernberg, liegt in Österreich südlich der Wiener Neustadt und nahe der ungarischen Grenze.

[2] Stephanus Brandt, Crucis pressura-usura domini cura [...], Altenburg o.J. (VD17 1:029846T), Digitalisat der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz (Exemplar mit der Signatur 4" Ee 705-1066), PURL: http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB0000803400000000 (Zugriff: 18.05.2017). Dieses und alle folgenden wörtlichen Zitate sind, soweit nicht anders angegeben, der Leichenpredigt entnommen.

[3] Márta Fata, Ungarn, das Reich der Stephanskrone, im Zeitalter der Reformation und Konfessionalisierung. Multiethnizität, Land und Konfession 1500 bis 1700 (Katholisches Leben und Kirchenreform im Zeitalter der Glaubensspaltung 60), Münster 2000, S. 157, 160, 192ff. und 276f.

[4] Zunächst verwies man Schulmeister und Pfarrer des Landes, später wurde Bürgern und Bauern der Besuch von Gottesdiensten in Ungarn und Oberdeutschland verboten. Werner Wilhelm Schnabel, Österreichische Exulanten in oberdeutschen Reichsstädten. Zur Migration von Führungsschichten im 17. Jahrhundert (Schriftenreihe zur Bayerischen Landesgeschichte 101), München 1992, S. 36.

[5] Ebd., S. 29f.

[6] Ebd., S. 36ff., 54, 60-62 und 131. - 1647 unterschrieb Georg Christoph Freiherr von Tonrädel, der spätere Ehemann Sidonia Elisabethas, eine Bittschrift des niederösterreichischen Herren- und Ritterstandes in Münster gegen den kaiserliche Erlass, dass Standespersonen mit dem Bekenntnis zur Augsburgischen Konfession nur noch bis Ende 1656 im Erzherzogtum Österreich geduldet werden und danach abwandern müssten. Joseph Feil, Miscellen: A. Inschriften auf Denkmälern im Viertel unter dem Wienerwald mit einer genealogischen Übersicht des Geschlechtes der Thonradl, in: Berichte und Mittheilungen des Altertums-Vereins zu Wien 1 (1856), S. 286, PURL: http://opacplus.bsb-muenchen.de/title/5872499/ft/bsb10000025?page=360 (Zugriff: 18.05.2017).

[7] Beide Familien lebten zur Zeit der Hochzeit in Ödenburg. Der Schwiegervater soll laut Feil 1627 nach Ödenburg gegangen sein, nachdem seine Güter konfisziert worden waren. 1619 setzte sich schon Andreas II. Freiherr von Tonrädel, ein Onkel Georg Christophs, für den Protestantismus ein. So wandte er sich mit weiteren Abgesandten und Forderungen für mehr glaubensrechtliche Zugeständnisse an Kaiser Ferdinand II. Da sie die Huldigung verweigerten und Andreas angeblich so weit ging, dem Kaiser an den Wams zu fassen, wurde er geächtet und seine Güter wurden eingezogen. Die Familie von Tonrädel (Namenschreibweisen auch Thonrädl/Thohnradl/Thanrädl/Thanraedl) bekannte sich offen zum Protestantismus. Feil, Miscellen (wie Anm. 6), S. 282, URL: http://opacplus.bsb-muenchen.de/title/5872499/ft/bsb10000025?page=356 (Zugriff: 18.05.2017). - Schweickhardt geht davon aus, dass erst Sidonia Elisabetha die Güter nach dem Tod ihres Mannes 1665 zurückerhielt. Franz Xavier Joseph Schweickhardt (von Sickingen), Darstellung des Erzherzogthums Österreich unter der Enns, durch umfassende Beschreibung aller Burgen, Schlösser, Herrschaften, Städte, Märkte, Dörfer, Rotten etc., topographisch-statistisch-genealogisch-historisch bearbeitet und nach den bestehenden vier Kreis-Vierteln gereiht, Bd. 6: Schöngraben bis St. Valentin, Wien 1833, S. 230, URL: https://archive.org/stream/darstellungdese41schwgoog#page/n233/mode/2up (Zugriff: 18.05.2017).

[8] Die fünf Kinder waren:
1. Christina Elisabeth, geboren am 10.05.1657, verheiratet mit Andreas Pflugk, sachsen-gothaischer Kammerjunker und Oberforst- und Waldmeister im Amt Schwarzwald bei Ohrdruf;
2. Johanna Ester, geboren am 08.05.1658, verheiratet mit Georg Heinrich von Janus, sachsen-weißenfelsischer Kammerjunker und Amthauptmann in Wendelstein an der Unstrut;
3. Christoph Ehrenreich, geboren am 15.09.1659, schlug später eine Militärlaufbahn ein und verstarb unvermählt;
4. Johann Ludewig, geboren am 16.06.1663, ein Jahr später verstorben;
5. Sibylla Dorothea, geboren 1665, kurz nach dem Tod des Vaters am 23.10., verheiratet mit Adam von Witzleben. -
Kneschke gibt an, dass die Familie 1643 des Landes verwiesen wurde und über Regensburg nach Obersachsen ging. Ernst Heinrich Kneschke, Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon, Bd. 9, Hildesheim/New York 1973, S. 181. Dagegen sprechen der Geburtsort der Kinder auf Thernberg und die Darstellungen im Lebenslauf von Sidonia Elisabetha in den Personalia ihrer Leichenpredigt. Janecek behauptet, dass Andreas II. von Tonrädel nach seiner Ächtung nach Sachsen ging. Karl Janecek, Andreas Thonradl, in: Wiener Geschichtsblätter 11 (1956), S. 9ff.

[9] Schnabel, Exulanten (wie Anm. 4), S. 81ff. und 127.

[10] Zu den rechtlichen Aspekten der Vormundschaft in der Frühen Neuzeit siehe ausführlich Cordula Scholz-Löhnig, Artikel "Vormundschaft", in: Enzyklopädie der Neuzeit, Bd. 14, hg. von Friedrich Jaeger, Stuttgart 2011, Sp. 450-453.

[11] Zu diesem siehe A. Schumann, "Thomae, Johannes", in: Allgemeine Deutsche Biographie 38 (1894), S. 59-61 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd119190311.html#adbcontent (Zugriff: 18.05.2017).

[12] Es lebten zu diesem Zeitpunkt nur noch vier Kinder.

[13] Schweickhardt, Darstellung (wie Anm. 7), S. 230, URL: https://archive.org/stream/darstellungdese41schwgoog#page/n233/mode/2up (Zugriff: 18.05.2017).

[14] Hauffendorff kann das heutige Hasendorf bei Sitzenberg-Reidling in Niederösterreich sein. Dort besaß Georg Sigmund Freiherr von Prösing, der Bruder von Sidonia Elisabetha, ein Schloss. Zum Ort und den dortigen grundherrschaftlichen Strukturen siehe u.a. Artikel "Rudenich", in: Archiv für österreichische Geschichte 9 (1853), S. 273-278, hier S. 275f., zur Familie von Prösing insbesondere S. 276, URL: https://archive.org/stream/archivfrster09akaduoft#page/276/mode/1up (Zugriff: 18.05.2017).

[15] Zu Stammbaum und Lebenslauf siehe neben der Leichenpredigt auch Karl Graf Kuefstein, Studien zur Familiengeschichte, Teil 3: 17. Jahrhundert, Wien/Leipzig 1915, S. 302-304, URL: https://archive.org/details/studienzurfamili03kuef (Zugriff: 18.05.2017). Das Sterbedatum erscheint in der Leichenpredigt nicht einheitlich. Auf dem Titelblatt wird der 22. Dezember 1687 angegeben, hingegen steht im Lebenslauf der 22. November 1687 als Todestag.

 

Zitierweise: Anna Ahlbrandt, Sidonia Elisabetha Freifrau von Tonrädel, geb. Freiin von Prösing (1635-1687). [...] umb besserer Seelen- auch freyer Religions-Pflege willen – Der Wunsch einer österreichischen Adligen, ihren Glauben frei ausleben zu können, in: Leben in Leichenpredigten 07/2017, hg. von der Forschungsstelle für Personalschriften, Marburg, Online-Ausgabe: <http://www.personalschriften.de/leichenpredigten/artikelserien/artikelansicht/details/sidonia-elisabetha-freifrau-von-tonraedel-geb-freiin-von-proesing-1635-1687.html>

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