Forschungsstelle für Personalschriften Marburg

Peter I. (1672-1725)

01.02.2018

Kategorie: Leben in Leichenpredigten

Von: Simon Dreher

Whilst like a God he gave Being and Existence to daily and innumerable Improvements – Peter der Große und seine Reformen in den Trauerschriften aus dem Umfeld seiner Berater

Peter I. (der Große) [1/2]

Stand die westeuropäische Wahrnehmung vom Moskauer Zarentum im 16. und 17. Jahrhundert unter dem Einfluss von Berichten über kriegerische Auseinandersetzungen, von polemischen Flugschriften und von Reisebeschreibungen, die den Russen vor allem einen barbarischen und unchristlichen Charakter unterstellten,[1] häuften sich im beginnenden 18. Jahrhundert solche Publikationen, die den Reformbestrebungen Peters I. Bewunderung entgegenbrachten. Wohlwollend nahmen es die Berichterstatter auf, dass Peter sich ausgiebig eines westlichen Vorbilds bediente, um Staat und Gesellschaft Russlands zu modernisieren.[2] Dieses "veränderte Rußland"[3] reagierte auch in neuartiger Weise auf den Tod Peters im Jahre 1725. Erstmals wurden von orthodoxen Geistlichen gehaltene Leichenpredigten im Druck verbreitet und in Übersetzung auch an die ausländischen Untertanen zur Verlesung in ihren Kirchen übergeben. Die Priester der Ausländergemeinden nahmen zusätzlich in eigenen Worten Abschied. Auch außerhalb des Machtbereiches des russischen Monarchen wurden Trauerbekundungen publiziert. Vorgestellt werden im Folgenden unmittelbar nach dem Tod Peters entstandene Funeralschriften.

Zunächst richtet sich der Blick auf eine Trauerrede[4] Feofan (oder Theophan) Prokopovichs (1681-1736), Erzbischof zu Pskow, Narva und Nowgorod (heute Weliki Nowgorod),[5] die für die Einwohner des seit 1721 zum russischen Imperium gehörenden Livlands ins Deutsche übersetzt wurde. Anschließend wird die Leichenpredigt des in St. Petersburg wirkenden englischen Priesters Thomas Consett (1677-1730) betrachtet.[6] Hinzugezogen wird jeweils eine im Umfeld dieser Predigten publizierte Lebensbeschreibung Peters.[7] Im Zentrum der Betrachtung steht dabei nicht allein ein Vergleich der Urteile, die die verschiedenen Autoren über Peter I. als Person, Herrscher und Feldherren fällen, sondern vor allem ihre Einordnung der petrinischen Reformen.[8]

Feofan hielt seine Trauerrede über dem Grab Peters I. in der seit 1713 im Bau befindlichen Peter-und-Paul-Kathedrale in St. Petersburg. Nachdem die Rede am 14. März in den Druck gegeben worden war,[9] erschien noch im selben Jahr eine deutsche Übersetzung, die in allen Kirchen und Gemeinden des Hertzogthums Liefland [...] gehalten und abgelesen wurde. Die fünf Kernabschnitte des Textes vergleichen Peter mit den biblischen Gestalten Samson, Jafet, Mose, Salomo und David sowie mit dem römischen Kaiser Konstantin I. (dem Großen). Begründet werden die Vergleiche mit je einer Errungenschaft aus der Regierungszeit Peters - in den Augen Feofans lagen diese vor allem in den Reformen im Bereich des Gerichtswesens, der Kirche und des Militärs, an denen er als kaiserlicher Berater selbst maßgeblich beteiligt gewesen war.[10] Dabei wird die von Westeuropäern häufig konstatierte Rückständigkeit des Zarenreiches aufgegriffen und ihr das neue Russland Peters des Großen gegenübergestellt. Nach diesem Muster werden beispielsweise in dem Abschnitt mit dem Samson-Vergleich die militärischen Reformen gelobt: Er hat angetroffen ein zu Hause schädliches, im Felde ohnmächtiges, und von den Feinden verspottetes Krieges-Volck; Und hat eingeführet ein dem Vaterlande nützliches, den Feinden erschröckliches, und überall donnerndes und berühmtes Krieges-Heer. Die weiteren Abschnitte behandeln unter anderem die Erneuerung der Flotte, welche aber auch den Alten nichts nachgiebt, und die Kirchenreform samt Einführung einer Synode anstelle des Patriarchats, was eingenistete, unvernünfftige, feindseelige und verderbliche Spaltungen offenbart habe. Orientierungspunkt für Feofan bei der Nennung der petrinischen Reformen stellt das Alte und Rückständige dar, was nun nahezu gänzlich überwunden sei. Immer wieder betont er die Außenwirkung der Neuerungen, welche die äusserliche verbesserte Gestalt und Ansehen unsers Vaterlandes derart gesteigert hätten, daß wir schon jetzo dasselbe, so wohl von innen, als von aussen, gegen die vorigen Zeiten unvergleichlich besser und gantz anders sehen und bewundern.

Bei der erstmaligen Herausgabe der Trauerschrift wurde auf Personalia verzichtet - diese seien durch zahlreiche Publikationen bereits hinlänglich bekannt.[11] Erst in ihrer 1726 gedruckten zweiten Ausgabe wurde der zwölfseitigen Trauerrede eine mit 24 Seiten sehr ausführliche "VITA PETRI MAGNI" vorangestellt, die ihrerseits bereits 1725 in einem eigenständigen Druck publiziert worden war.[12] Der Autor der Lebensbeschreibung bleibt ungenannt. Den für die meisten westlichen Berichte über die Zeit der Alleinherrschaft Peters von 1696 bis zu seinem Tode 1725 bedeutendsten Ereignissen widmet auch die "VITA" ihre größte Aufmerksamkeit. Die von innenpolitischen Konflikten und Thronfolgestreitigkeiten geprägte Zeit vor 1696 wird nur kurz und teilweise fehlerhaft wiedergegeben.[13]

Ausführlich geht der Text dagegen erst auf Peters in den Jahren 1697 und 1698 unternommene Reise nach denen berühmtesten und vornehmsten Reichen in Europa, und solches zwar incognitò ein. Während viele zeitgenössische Publikationen von dieser ersten Europareise Peters des Großen, während derer er sich unter anderem in einer holländischen Werft handwerklich betätigte, als eine Art Kuriosum berichteten,[14] betont der Autor der "VITA" deren Zweckmäßigkeit. Unerkannt beabsichtige Peter, der fremden Völcker Lebens-Arth, Sitten und Gewohnheiten, insonderheit aber bey eines jeden Reichs Regiments-Form merckwürdig vorkommen würde, desto füglicher und accurater beobachten zu können.

Mit elf Seiten nehmen die Schilderungen der Kriegshandlungen im Rahmen des Großen Nordischen Krieges von 1700 bis 1721, den Peter letztlich zu einem für Russland erfreuliche[n] Ende führen konnte, den größten Teil der Personalia ein. Die in dessen Rahmen erfolgte Gründung der Stadt St. Petersburg, welche ietzo als eine prächtige Residence in ihrer vollkommensten Flor von aller Welt bewundert werde, wird ebenso positiv hervorgehoben wie schließlich die Annahme des Titels Imperator, zu Teutsch Kayser, mit dem längst-verdienten Zunahmen, der Grosse, und Vater des Vaterlandes nach dem Frieden von Nystad im Jahre 1721.

Krankheit und Tod werde auch einem unüberwindliche[n], und der Welt so höchst-nützliche[n] Monarch[en] nicht erspart, heißt es in der bei Feofan abgedruckten Lebensbeschreibung, bevor geschildert wird, wie ungemeine Fatiguen und offtmahlige kränckliche Zufälle nur durch erfahrner und vorsichtiger Aerzte Sorgfalt und application der bestwürckenden Medicamenten zurückgehalten werden konnten. Der Sorge um sein Seelenheil, die der Monarch auch auf dem Sterbebett nicht vernachlässigte, misst der Autor der "VITA" besondere Bedeutung zu. Peter habe sich mit unglaublicher Gelassenheit zu der Abfarth aus dieser Zeitligkeit in die unaussprechlich herrliche Ewigkeit bereit gemacht und traditionsgemäß kurz vor seinem Tod eine Begnadigung der Gefangenen erlassen. Am 28. Januar 1725 erlag er einer von vielen Jahren her eingewurztle[n] Stein-Passion.[15] Der Autor der "VITA" fasst abschließend die in die Gegenwart und Zukunft wirkenden Leistungen Peters I., welche jederman aller Orthen in die Augen leuchten, zusammen.

Die Abfassung seiner Leichenpredigt mit dem Titel "A Sermon occasion'd By y.e Death of his late Imperial Majesty of Russia PETER the Great" begründet Thomas Consett, Kaplan an der British Factory in St. Petersburg und Vertrauter Feofans sowie anderer orthodoxer Reformbefürworter,[16] folgendermaßen: [...] it would be meer Stupidity and an irreligious disregard to the great Governour of the World to look upon the Wonders of his Providence in This part of it where we are, as idle and unconcen'd Spectators. Consett führt weiter aus, es sei kaltherzig, nicht an der Trauer der in St. Petersburg lebenden Engländer teilzunehmen, zumal sie auch selbst von den unsicheren Zeiten eines Herrscherwechsels betroffen seien. Seine dritte Begründung trägt moralphilosophischen Charakter: Generosity will always engage us to rejoyce in its Prosperity, so Humanity will constrain us to Sympathize with it in its Grief and Sorrows. Nachdem dem Betrauern eines Fremdgläubigen damit ausreichend Rechtfertigung widerfahren zu sein scheint, leitet Consett zu seiner eigentlichen Predigt über, in der er über die Eigenschaften der von Gott zu Königen bestimmten Personen referiert. Zum Ende seiner Ausführungen, die damit schließen, dass auch Könige nicht vergessen sollten, sterbliche Menschen zu sein, stellt er den Bezug zu dem Verstorbenen her. Peter habe es trotz seiner zahlreichen Erfolge nie versäumt, in Gott den eigentlichen Wirkenden zu sehen und ihm entsprechend zu danken. Seine Errungenschaften werden von Consett dennoch mit göttlichen Attributen versehen: [...] the Whole looks like a new Creation by a Deity; in which he seems to have imitated the great Creator more prefectly [...] than any King or Emperour in any Part of the World before him.

Thomas Consett besorgte und publizierte zudem die englische Übersetzung einer Gedächtnisschrift über das Leben und den Tod Peters des Großen, die dessen ehemaliger Berater Heinrich Huyssen (1666-1739) im Jahre 1726 in lateinischer Sprache herausgegeben hatte.[17] Während seine eigene Leichenpredigt auf Peter in einem separaten Druck erschien, veröffentlichte Consett Huyssens "The Publick Mourning" zusammen mit anderen Trauerschriften auf Peter I. und seine nur wenige Jahre später verstorbene Witwe, Kaiserin Katharina I., in einem Sammelband mit übersetzten Dokumenten aus den letzten Regierungsjahren Peters des Großen.[18] Wie Feofans "VITA" übergeht auch Huyssens "The Publick Mourning" die Jugendjahre Peters weitgehend. In seinem Fokus stehen neben den militärischen Erfolgen gegen Schweden und Tataren zunächst Peters Reformen der russisch-orthodoxen Kirche, mit der er Huyssen zufolge introduc'd the Christian Æra in Russland. Besonders hebt er anschließend die Toleranz gegenüber religiösen Minderheiten hervor: He graciously entertain'd, and receiv'd unter his Protection, Georgians, Armenians, and Persians, banish'd by the Turks, and other Christians, tho' differing in the Rites and Modes of Worship, and indulg'd them the Liberty of their publick Worship, and other Privileges. Weitere Neuerungen im Staatswesen, im Berg- und Ackerbau, in der Seefahrt und im militärischen Bereich sowie in den Künsten und Wissenschaften werden aufgeführt, die laut Huyssen auf den Beobachtungen fußten, die Peter während seiner Europareisen 1697 und 1716 angestellt hatte: In 1697 he visited the upper and lower Germany, England, Hungary, Poland; and in 1716, Denmark, Holland and France [...] with a View of [...] introducing into his own Nation better Laws, Sciences and Arts, and a more perfect Method of living and fighting.

Während Feofan und die mit seiner Trauerrede abgedruckten "VITA PETRI MAGNI" den vorherigen Zustand von Staat und Gesellschaft in Russland stark kritisiert und eine Gegenüberstellung vom alten Moskauer Zarentum und dem Petersburger Imperium vornimmt, betonen die Protestanten Consett und Huyssen die westlichen Einflüsse, welche die von Peter I. angestoßenen Reformen geprägt hätten. Gemein ist allen Autoren die Hervorhebung der Bewunderung, die dem verstorbenen Herrscher auch und gerade jenseits der russischen Landesgrenzen entgegengebracht worden sei. Die Schwerpunktsetzung der Verfasser ist nicht zuletzt ein Ausdruck ihres Bedarfs an Selbstinszenierung, waren sie doch größtenteils für die in ihren Trauerschriften gepriesenen Reformen Peters mitverantwortlich und wegen dieser nun in den unsicheren Zeiten des Herrscherwechsels dem Druck der Verlierer dieser Neuerungen ausgesetzt. Das sich in diesen ersten Funeralschriften über den Tod Peters I. abzeichnende Bild entspricht jedoch der mehrheitlich verbreiteten Sicht, die sich auch in Trauerbekundungen von Außenstehenden widerspiegeln.[19]

 

SIMON DREHER M.A. war bis Ende des Jahres 2017 Wissenschaftliche Hilfskraft der Forschungsstelle für Personalschriften. Seit Januar 2018 ist er Assistent am Institut für Osteuropäische Geschichte der Universität Wien und promoviert zur wechselseitigen Wahrnehmung Russlands und Europas in der Frühen Neuzeit.

 

Bestand: Universitätsbibliothek Leipzig
Signatur: St.Thomas.2908
Enthalten in: Katalog der Leichenpredigten und sonstiger Trauerschriften in den Kirchenbibliotheken St. Nikolai und St. Thomas zu Leipzig (Marburger Personalschriften-Forschungen 46), Stuttgart 2008

 

Anmerkungen:

[1] Vgl. einführend hierzu Hans-Joachim Torke, Das Moskauer Reich im Horizont des Westens, in: Klaus Zernack (Hg.), Handbuch der Geschichte Rußlands, Bd. 2: 1613-1856. Vom Randstaat zur Hegemonialmacht, Halbbd. 1, Stuttgart 1986, S. 182-199; Walter Leitsch, Westeuropäische Reiseberichte über den Moskauer Staat, in: Antoni Ma̧czak/Hans Jürgen Teuteberg (Hg.), Reiseberichte als Quellen europäischer Kulturgeschichte. Aufgaben und Möglichkeiten der historischen Reiseforschung (Wolfenbütteler Forschungen 21), Wolfenbüttel 1982, S. 153-176; Gabriele Scheidegger, Perverses Abendland - barbarisches Russland. Begegnungen des 16. und 17. Jahrhunderts im Schatten kultureller Missverständnisse, Zürich 1993.

[2] Hiermit befasst sich eingehend Astrid Blome, Das deutsche Rußlandbild im frühen 18. Jahrhundert. Untersuchungen zur zeitgenössischen Presseberichterstattung über Rußland unter Peter I. (Forschungen zur osteuropäischen Geschichte 57), Wiesbaden 2000.

[3] So der Titel einer der bedeutendsten Reisebeschreibungen des frühen 18. Jahrhunderts: Friedrich Christian Weber, Das veränderte Rußland in welchem die ietzige Verfassung Des Geist- und Weltlichen Regiments [...] Jn einem Biß 1720. gehenden Journal vorgestellet werden, Frankfurt (Main) 1721 (VD18 14909022-005), Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek, München, PURL (Werk): http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb11064865-2 (Zugriff: 22.12.2017); vgl. Wolfgang Geier, Russische Kulturgeschichte in diplomatischen Reiseberichten aus vier Jahrhunderten. Sigmund von Herberstein, Adam Olearius, Friedrich Christian Weber, August von Haxthausen (Studien der Forschungsstelle Ostmitteleuropa an der Universität Dortmund 37), Wiesbaden 2004, S. 87-131.

[4] Feofan Prokopovich, Leichen-Rede Auf das Begräbniß Des Aller-Durchlauchtigsten und Großmächstigsten PETRI des Großen [...], o.O. 1725 (VD18 11587822; Universitätsbibliothek Leipzig, St.Thomas.2908). Zitiert wird im Folgenden nach der zweiten Ausgabe der Trauerrede, die um einen Lebenslauf Peters I. ergänzt wurde: Ders., VITA PETRI MAGNI, RVSSORVM IMPERATORIS, GLORIOSISS. MEM. Oder Des Allerdurchlauchtigsten, Großmächtigsten und Unüberwindlichen PETRI des Großen [...] PERSONALIA, Nebst beygefügter Trauer-Rede [...], St. Petersburg/Riga 1726 (VD18 10387633), Digitalisat der Sächsischen Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, PURL (Werk): http://digital.slub-dresden.de/id331501821 (Zugriff: 22.12.2017).

[5] Feofan verfasste weitere Trauer- und Gedenkschriften auf Peter I., in denen auch ausführlicher auf dessen Lebensweg eingegangen wird. Diese späteren Werke werden hier nicht betrachtet. Sie wurden von Thomas Consett ins Englische übersetzt und finden sich in dessen Sammelband mit Schriftzeugnissen aus der Regierungszeit Peters. Vgl. den Faksimiledruck: James Cracraft (Hg.), For God and Peter the Great. The Works of Thomas Consett, 1723-1729, New York 1982.

[6] Thomas Consett, A Sermon occasion'd By y.e Death of his late Imperial Majesty of Russia PETER the Great, and preach'd To the Honourable British Factory residing in S.t Petersburg'h On Sunday, February y.e VII.th 1724/5 [...], Reval [1725] (Titelblattkatalog der Leichenpredigten und sonstiger Trauerschriften in der Universitätsbibliothek Wroclaw/Breslau, 016281; URL: https://www.online.uni-marburg.de/fpmr/php/tbk/id2.php?lang=de&p=0&ex=website&l=10&id%5B%5D=17711 [Zugriff: 22.12.2017]). Diese separat erschienene Leichenpredigt nahm Consett nicht in seinen Sammelband auf (vgl. Anm. 5).

[7] Neben dem in Anm. 4 erwähnten Lebenslauf handelt es sich hier um einen von Heinrich Huyssen kurz nach dem Tode Peters verfassten Text. Im Folgenden wird Consetts englische Übersetzung des lateinischen Originals verwendet: [Heinrich Huyssen], Justitium Sive Publicus / The Publick Mourning, in: Cracraft (Hg.), For God and Peter the Great (wie Anm. 5), S. 405-430.

[8] Während das moderne Geschichtsbild auf die Regierungszeit Peters des Großen angesichts jahrzehntelanger Kriegshandlungen und großer Bevölkerungsverluste ambivalent ist, galt er den meisten seiner Zeitgenossen und der älteren Historiographie als erfolgreicher Reformer. Vgl. hierzu Alexander Kamenskii, The Petrine Reforms and their Impact, in: Lindsey Hughes (Hg.), Peter the Great and the West. New Perspectives (Studies in Russia and East Europe), Basingstoke 2001, S. 29-35; Klaus Zernack, Polen und Rußland. Zwei Wege in der europäischen Geschichte, Berlin 1994, S. 223-231.

[9] Vgl. das Titelblatt von Prokopovich, Leichen-Rede (wie Anm. 4).

[10] Aufgrund seiner Nähe zu katholischen und protestantischen Geistlichen wurde er bereits zu Lebzeiten Peters, besonders aber nach dessen Tod, angefeindet. Vgl. Kurt Onasch, Art. "Prokopowitsch, Feofan", in: Traugott Bautz (Hg.), Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. 7: Patocka, Jan bis Remachus, Herzberg 1994, S. 995-998.

[11] In Feofans zweiter Ausgabe wird betont, dass die Welt vorlängst aus denen gedruckten Geschicht-Büchern und Relationen über das bisherige Leben Peters I. informiert worden sei. Siehe Prokopovich, VITA PETRI MAGNI (wie Anm. 4), S. 1. Neue Informationen enthält der Lebenslauf daher nur in seiner Beschreibung des seligen Sterbens des orthodoxen Kaisers.

[12] Des Allerdurchlauchtigsten Großmächtigsten und Unüberwindlichen PETRI des Großen Käysers und Souverains vom gantzen Rußlande [...] Vatern des Vater-Landes Personalia [...], Riga 1725 (Historische Bibliothek der Stadt Rudolstadt, Fun. div. XXXVIII_02 (enthalten in: Marburger Personalschriften-Forschungen 51).

[13] Am 30. Mai 1672 als Sohn des Zaren Alexei Michailowicz Romanow geboren, stand Peter zunächst nur an dritter Stelle in der Thronfolge. Als der nach dem Tode Alexeis im Jahre 1676 zum Zaren gekrönte älteste Sohn Fjodor (III.) sechs Jahre später verstarb, bestiegen Peter und sein älterer, aber sowohl geistes- als auch gesundheitsschwacher Halbbruder Iwan (V.) gemeinsam den Zarenthron - zunächst unter der Regentschaft von Iwans Schwester Sophia. Sowohl die Regentschaft Sophias als auch die Regierungsunfähigkeit Iwans bleiben bei Feofan unerwähnt. Der Tod des Halbbruders und die damit beginnende Alleinherrschaft Peters werden auf das Jahr 1691 vorverlegt. Vgl. Prokopovich, VITA PETRI MAGNI (wie Anm. 4), S. 2f.

[14] Vgl. Blome, Das deutsche Rußlandbild (wie Anm. 2), S. 72-90.

[15] Aus der Feder Feofans stammt zudem ein detaillierter Krankheits- und Sterbebericht Peters, der in englischer Übersetzung von Consett abgedruckt wurde. Siehe Feofan Prokopovich, A Brief Relation of the Death of Peter the Great, late Emperor of Russia, in: Cracraft (Hg.), For God and Peter the Great (wie Anm. 5), S. 254-263.

[16] Über Consett liegen nur lückenhafte Informationen vor. Zwischen 1717 und 1719 war er erstmals als Kaplan an der British Factory in St. Petersburg tätig, wohin er nach Aufenthalten in Archangelsk und Moskau im Jahre 1723 zurückkehrte. Mit orthodoxen Geistlichen wie Feofan und Gabriil Buzhinsky, der ebenfalls eine Trauerschrift auf Peter I. verfasste und drucken ließ, stand er in engem, teilweise freundschaftlichem Kontakt. Vgl. James Cracraft, Introduction, in: Ders. (Hg.), For God and Peter the Great (wie Anm. 5), S. 11-26.

[17] Das lateinische Original mit dem Titel "Justitium sive luctus publicus" findet sich ebenfalls bei Consett abgedruckt. Cracraft geht davon aus, dass der Text zwischen dem Todestag und der Beisetzung des Leichnams Peters I. verfasst wurde. Vgl. ebd., S. 35. - Wie Feofan war auch Huyssen an der Konzeption und Umsetzung verschiedener Reformen beteiligt. Zur Rolle Huyssens am Hof Peters I. siehe Peter Petschauer, In Search of Competent Aides: Heinrich van Huyssen and Peter the Great, in: Jahrbücher für Geschichte Europas 26 (1978), H. 4, S. 481-502.

[18] Vgl. Anm. 5.

[19] Hier sei beispielsweise auf die "Lob- und Klage-Ode" des aufklärerischen Dichters Gottsched verwiesen: Johann Christoph Gottsched, Lob- und Klage-Ode, Womit der nunmehro Unsterbliche Held Petrus Alexowitz [...] Durch einen unverhofften Todt entrissen ward [...], Leipzig [1725] (VD18 11158654), Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, Halle (Saale), PURL (Werk): http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:gbv:3:1-660970 (Zugriff: 22.12.2017). - Dieses Trauergedicht umfasst 29 Strophen, die sich über zehn unpaginierte Seiten erstrecken. Auch Gottsched legt wie Feofan, Consett und Huyssen einen Schwerpunkt auf die petrinischen Reformen: So wurden auch die schwartzen Dünste, Der gröbsten Barbarey zerstreut, Da dieser Held die Sittsamkeit, Den Handel, und den Bau, den Schmuck der freyen Künste, Und was noch sonst die Völcker ziert, O ungemeines Werck! in Rußland eingeführt. (Bl. 4r). Dass Peter zu einem Feind der alten Tyranney geworden sei, der den Dunst der Barbarey, Durch seiner Weißheit Strahl von allen Moscowiten (Bl. 3r) vertrieben habe, wird bei Gottsched noch deutlicher als bei Consett und Huyssen mit seinen Erfahrungen während der inkognito unternommenen Russlandreise in Verbindung gebracht: Er sieht mit Adler-scharffen Augen, der Nationen Wohlfahrt an. Sein Witz wird bald gewahr was ihm zum Vortheil taugen, Was seinem Reiche nützen kan. Er suchet aller Künste Meister, Er tritt in ihre Werckstatt ein, Der Käyser will ihr Schüler seyn, Er lernt, und was er lernt, ergötzet seine Geister, Dann kehret er vergnügt zurück, Er langt in Moscau an und bringt ihm neues Glück. (Bl. 4r). Gottsched und viele andere Gelehrte seiner Zeit zeichneten ein durchweg positives Bild vom "veränderten Rußland" petrinischer Prägung.

 

Zitierweise: Simon Dreher, Peter I. (1672-1725). Whilst like a God he gave Being and Existence to daily and innumerable Improvements – Peter der Große und seine Reformen in den Trauerschriften seiner Berater, in: Leben in Leichenpredigten 02/2018, hg. von der Forschungsstelle für Personalschriften, Marburg, Online-Ausgabe: <http://www.personalschriften.de/leichenpredigten/artikelserien/artikelansicht/details/peter-i-1672-1725.html>

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