Forschungsstelle für Personalschriften Marburg

Hartmann Ernst von Schlotheim (1658-1713)

01.11.2016

Kategorie: Leben in Leichenpredigten

Von: Daniel Geißler

Das erfüllte ominoese Hirsch-Geschrey – Die Kommunikation von Wunderzeichen in der evangelischen Leichenpredigt

Himmelserscheinung über Hamburg [1/3]

Seit dem 16. Jahrhundert erlebte der Wunderglaube, die Deutung bestimmter Ereignisse als Vorzeichen persönlichen Schicksals oder als Eingreifen göttlicher Macht in den Lauf der Welt, eine erstaunliche Renaissance. Auf antiken Traditionen basierend, fand er weite Verbreitung in allen gesellschaftlichen Schichten. Blut- oder Kornregen, Missgeburten, Geistererscheinungen, Kometen beispielsweise - unterschiedlichste klimatische, astronomische, medizinische oder anders geartete Phänomene, die aus wissenschaftlicher Sicht oder aus der eigenen Erfahrung nicht erklärt werden konnten, dienten vielfach als Beweis für Gottes Strafe gegen die Sündhaftigkeit der Welt, kommendes Unheil und Aufforderung zur Umkehr, wurden aber auch als Zeichen von Hoffnung und der Güte Gottes, etwa im Fall von Spontanheilungen, interpretiert.[1] Bei genauem Blick erscheint diese Entwicklung in jener historischen Epoche aber gar nicht mehr so erstaunlich: Der Mensch der Frühen Neuzeit war massiv konfrontiert mit Ereignissen, die Jesus im Neuen Testament als Kennzeichen der beginnenden Endzeit charakterisiert hatte. Fast alle Evangelien und die Offenbarung des Johannes enthalten entsprechende Vorhersagen über Naturkatastrophen, Kriege, gesellschaftliche Unruhen und menschliche Nöte. Wie anders sollten die in ganz Europa wütende Pest, die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges, Klimaverschlechterungen und damit einhergehende Hungersnöte aufgefasst werden? Auch die angesprochenen Himmels- und Blutwunder lassen sich hier nahtlos als eindeutige Zeichen für das Eintreten göttlicher Prophetie einreihen, hatte Jesus sie doch als Vorboten des Weltuntergangs und seines baldigen Kommens benannt.[2] Dahingehend ist es nachvollziehbar, wie ernst seit dem ausgehenden Mittelalter unerklärliche Ereignisse genommen wurden und sich auf der Grundlage ihrer Wertung nicht nur individuelle, sondern sogar auch "kollektive Ängste"[3] etablieren konnten. Eine direkte Folge davon war insbesondere der enorme Konsum von Prodigienliteratur. Die Berichte über Wunderzeichen fanden, gedruckt als Flugblätter und -schriften, als Zeitschriften, aber auch als umfangreiche Sammlungen in Buchform, ein großes Publikum. Gefördert wurde das allgemeine Interesse noch dadurch, dass die Chronisten der Berichte die vorgestellten Begebenheiten zusätzlich kommentierten und deuteten.[4]

Allerdings beschränkte sich die öffentliche Informationsweitergabe nicht auf dieses Schrifttum. Es existieren noch weitere zeitgenössische Medien, in denen die Öffentlichkeit über Wunder unterrichtet wurde. Überraschenderweise tritt uns in diesem Zusammenhang auch die evangelische Leichenpredigt als Quelle entgegen. Überraschend deshalb, weil der Glaube an Wunder allgemeinhin eher mit dem katholischen Religionsverständnis in Verbindung gebracht wird. Und gerade in diesem Punkt unterscheiden sich katholische und lutherische Theologie deutlich voneinander, betont doch letztere die Verkündigung des Evangeliums, das Wort Gottes, als allein maßgeblich. Alle weiteren äußeren Einflussfaktoren, wie etwa Wunderereignisse, sind nach der reformatorischen Lehre irrelevant für das persönliche Glaubensleben; auf deren Ablehnung begründet sich ja nicht zuletzt die Abgrenzung der lutherischen von der katholischen Konfession.[5]

Wie ist dann aber folgende Bemerkung in der Leichenpredigt des lutherischen Hofpredigers und Superintendenten in Stolberg im Harz, Michael Widemann, auf Hartmann Ernst von Schlotheim zu interpretieren?: Der Hirsch schreyet! Was wird wohl solches bedeuten? Der traurige Ausgang hat den Vorbothen des Todes erkennet/ die Stimme des Propheten ist eingetroffen/ die Furcht eines wehmütigen Schicksaals findet die Erfüllung [...].[6] Beginnend mit diesen Zeilen berichtet der Verfasser der in der Leichenpredigt abgedruckten Abdankung, Huldrich Sigismund Rothmaler,[7] ausführlich über ein Erlebnis des Verstorbenen, der als Ober-Hoff-und Forst-Meister für die Pflege des gräflichen Waldbesitzes und der Jagdreviere zuständig gewesen war. Von Schlotheim hatte einige Zeit vor seinem Tod, im Frühsommer des vorangegangenen Jahres, bei Inspektionsrundgängen im Wald jeweils Brunftschreie eines Hirsches vernommen. Ein solches Verhalten des Tieres ist in diesem Zeitraum äußerst ungewöhnlich - und aus weiteren Bemerkungen in Abdankung und Lebenslauf wird deutlich, dass von Schlotheim daraus sofort auf kommendes persönliches Unglück bzw. seinen baldigen Tod schloss. Seither habe er, so Widemann, öffters [...] gegen die Seinen von nichts als von der Bereitung des todes geredet, daß also der Todt [...] auf Ihn [...] zuwarten schiene. Offensichtlich stellten diese Gedankenspiele und Vorahnungen aber weder für den Prediger, noch für den Redner der Abdankung oder die Angehörigen ein ungewöhnliches Verhalten dar bzw. standen deren Auffassung von evangelischer Glaubenspraxis entgegen. Auch wenn die latente Todesahnung von Schlotheims eine gewisse Belastung für dessen Familie darstellte, beabsichtigte er nicht, sie damit vor der Zeit zukräncken oder Wehmüthig zumachen. Widemann sieht sie im Gegenteil eher von Vorteil: Zu wissen, daß sein Lebens-Ende nicht weit mehr war, hätte alle Beteiligten besser auf das Abschiednehmen und den Tod vorbereitet. Als bei von Schlotheim Ende Januar eine Schwäche auftrat und in der Folge die rechte Hand und Fuß [...] gleich wie gelähmet wurden, konnte das dann auch nicht anderes bedeuten, als den erwarteten Feyer-Abend seines Lebens - und die Erfüllung der Vorzeichen.

Gerade für Rothmaler als Verfasser der Abdankung ist die konsequent abgeschlossene Prophetie kein ungewöhnlicher oder mythischer Vorgang, denn der Sarg giebt [ihm] den Beweiß. Für ihn reiht sich von Schlotheim ein in eine lange Reihe historischer Persönlichkeiten, die kurz nach ähnlichen omina und Phaenomena starben. Seitenlang gibt er Auskunft, nennt Namen, Vorzeichenerlebnisse und Todesumstände, explizit auch mehrere Fälle von vernommenem Schreyen des Hirsches und den entsprechenden Folgen. Diese lexikonartige Auflistung von Wunderzeichen steht eindeutig in der Tradition der Prodigiensammlungen und zeigt mit ihrer beinahe als selbstverständlich zu lesenden Anerkennung zugleich, wie tief verwurzelt der Vorzeichenglaube augenscheinlich auch im lutherischen Glaubensleben des 18. Jahrhunderts war. Interessant ist in diesem Fall aber nicht nur die bloße Erwähnung des Wunder- bzw. Todeszeichens, sondern insbesondere dessen Interpretation. Rothmaler nimmt, wie die Kompilatoren der Wunderzeichenberichte, auch Deutungen des Ereignisses vor - und zwar aus der theologischen Blickrichtung. Mit Hilfe mehrerer Bibelstellen argumentiert er, dass Gott seit der Schöpfung zwar nicht mehr aktiv und sichtbar in den Lauf der Welt eingreife, aber sehr wohl weiterhin mittelbahr handele: Er mache krafft seiner unbeschreiblichen und unbeschrenckten Allmacht lebendige und leblose Creaturen zu Werckzeugen seines Willens und befehls. Ein wichtiger Aktionsraum, in dem Gottes Wille zum Ausdruck kommen kann, ist nach Rothmaler auch die Natur, denn er habe die wilden Thiere/ die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer [...] unter die Füsse des Messiae gethan. Gott agiert also subtil, er gibt sozusagen im Hintergrund den Anstoß für zunächst mysteriöse Phänomene, die sich bei genauerer Untersuchung und der richtigen Glaubenseinstellung dann erklären lassen.[8]

Die Argumentationskette Rothmalers wirkt allerdings auf den heutigen Leser hier tatsächlich eher eindimensional. Er leitet die Wahrhaftigkeit dieser Willensäußerung Gottes gegenüber von Schlotheim allein aus der bloßen Masse der von ihm genannten historischen Persönlichkeiten ab, bei denen sich die - verbürgten - Vorzeichen im Nachhinein auch bestätigten: Die Menge ist der Beweis, denn sie seien wegen ihrer Menge und Anzahl gewiß nicht in den Wind [...] zuschlagen/ und gäntzlich zuverachten. Versuche, möglichen alternativen Ursachen, etwa natürlichen, nachzugehen, die das Verhalten des Tieres provoziert haben könnten, unternimmt er nicht. Vielmehr findet Rothmaler aus seiner Sicht triftige Gründe gegen derartige Ansätze, die es lohnt, umfangreicher zu zitieren: Und ob wir wohl bey dieser Kopffbrechenden Sache mit einigen gelehrten [...] dem verborgenen Gange und Bewegung der Erden sammt desselben Würckung nachsinnen/ oder aber die Classe der unterschiedenen Gattungen der alten und neuen Philosophen durchwandern wolten/ so würde doch alles auf zweiffelhaffte Meinungen hinaus lauffen. [...] Diesemnach lässet man dasjenige/ so von denen Atomis geschrieben/ denen hohen Schulen zur Verfechtunge über [...] ingleichen bekümmern wir uns darum ingeringsten nicht. Er scheint sogar mit Kritik an seiner Position gerechnet zu haben. So zumindest kann man seine herausfordernde Gegenfrage lesen: Woher es auch komme/ [...] davon bitte ich mir von subtilen gelehrten soliden Unterricht aus.

Eindeutiger kann die Akzeptanz von Wunderglauben als zeichenhafte Intervention Gottes in persönliche Schicksale jedenfalls nicht formuliert werden, und es stellt sich die Frage, warum derartige Gedankengänge in einer evangelischen Leichenpredigt zu finden sind, wenn doch mit der Reformation Rationalität in Theologie, Frömmigkeit und Lebensalltag eingezogen waren und damit einhergehend eine gewisse "Entzauberung der Welt"[9] stattgefunden hatte. Betrachtet man die lutherische Glaubenspraxis im 17. und 18. Jahrhundert bzw. die Entwicklung des Luthertums in dieser Epoche allerdings genauer, schwächen sich die vermuteten Diskrepanzen deutlich ab. Wie neuere kirchengeschichtliche Untersuchungen belegen, befand sich das Luthertum damals in einer Krise, die aus der ständigen Auseinandersetzung mit dem Katholizismus einerseits und den Differenzen zum Calvinismus andererseits resultierten.[10] Folge davon war u.a. die Übernahme bestimmter altgläubiger sakraler Handlungen, um nicht radikal mit bestimmten Traditionen zu brechen, aber auch, um sich von calvinistischen Auffassungen abzugrenzen.

So nahmen lutherische Geistliche weiterhin die private Beichte ab oder trugen die Messgewänder ihrer katholischen Amtsvorgänger;[11] bei Unwettern wurden als Schutzhandlung auch in lutherischen Gemeinden die Glocken geläutet[12] und sogenannte Hagelfeiern waren nichts anderes als Flurprozessionen, bei denen liedersingend und betend um Segen für die Felder gebeten wurde.[13] Gegenstände und Handlungen erhielten durch Weihe, etwa von Kanzeln und Orgeln, oder durch bestimmte Rituale, etwa das Entzünden von Kerzen für Kranke oder das Umrunden des Altars nach dem Wochenbett, eine eigene Sakralität und damit zugleich eine heilende Kraft.[14] Besondere Bedeutung kam in dieser Hinsicht vor allem dem Wort Gottes zu, egal in welcher Form. Gesprochen, gehört und gedruckt setzte es heilende Kräfte frei und schützte vor bösen Geistern. Es ließen sich viele damit in Verbindung stehende Bräuche in allen lutherischen Territorien des Reiches aufzählen.[15] Ihr grundlegendes Merkmal ist der Glaube daran, dass Gott im Wort real präsent ist und sich den in der Gemeinde versammelten Gläubigen darin offenbart. Im Unterschied zu katholischen Paradigma kommt dabei der individuelle Aspekt des protestantischen Wunderverständnisses zum Ausdruck: Wichtig für das Seelenheil des Einzelnen war, sein Gewissen und jede darauf basierende aktive Handlung eigenverantwortlich an diesem Wort auszurichten, wobei das Wort auch als Prophetie, als göttliche Botschaft, empfangen werden konnte. Damit einhergehende Wunderzeichen oder Erscheinungen unterstrichen in diesem Zusammenhang noch zusätzlich die Ernsthaftigkeit der Visionen.[16]

Und wie? hat denn das ungewöhnliche Schreyen der Hirsche nicht auch die Post des Todes verkündiget? allerdinges: Mit der Leichenpredigt auf Ernst Hartmann von Schlotheim liegt uns aus dem Bereich der Funeralliteratur beispielhaft eine Quelle vor, die mit ihrer Reflexion des lutherischen Alltagsglaubens im ausgehenden 17. und beginnenden 18. Jahrhundert genau diese Überlegungen bestätigt. Widemann als Prediger und insbesondere Rothmaler als Abdankungsredner, beide Lutheraner, befassen sich in ihren Vorträgen mit einem wundersamen Ereignis, das sie als göttliches Vorzeichen - und zwar ausschließlich als solches - deuten. Zugleich bekräftigen sie dessen Wahrhaftigkeit, indem sie ein mit Blick auf rechtgläubiges Verhalten ideales und vorbildhaftes Handeln des geehrten Oberhofförsters präsentieren, der das Vorzeichen Gottes richtig deutete und seinen Lebenswandel demütig daran anpasste. Die Selbstverständlichkeit, mit der diese Betrachtungen vorgetragen und durch die Drucklegung bewusst überliefert wurden, lässt darauf schließen, dass im lutherischen Glaubensleben noch lange Zeit nach der Reformation Wunder und zeichenhafte Ereignisse fest verankert waren und als göttliche Hinweise für das persönliche Leben breite Resonanz fanden.

Die Darstellungen bestätigen insofern den oben angesprochenen, auch im 18. Jahrhundert latent vorhandenen Wunderglauben in der lutherischen Volksfrömmigkeit. Zugleich relativieren sie das im Forschungsdiskurs weiterhin noch stark von konfessionellen Deutungsmustern[17] geprägte Bild einer Reformation, die mit den überlieferten Glaubenstraditionen brach und in allen Lebensbereichen ein rationales Weltbild generierte. Der Diskussion um zeitgenössische theologische Debatten, gelebte Glaubenspraxis und generell die kulturellen Folgen der Reformation kann die vorgestellte Trauerschrift deshalb wertvolle Hinweise bieten.

 

DANIEL GEIßLER M.A. ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschungsstelle für Personalschriften an der Philipps-Universität Marburg.

 

Bestand: Historische Bibliothek der Stadt Rudolstadt
Signatur: Fun. div. XVIII
Enthalten in: Katalog der Leichenpredigten und sonstiger Trauerschriften in der Historischen Bibliothek der Stadt Rudolstadt (Marburger Personalschriften-Forschungen 51), Stuttgart 2012

 

Anmerkungen:

[1] Vgl. etwa Rudolf Schenda, Die deutschen Prodigiensammlungen des 16. und 17. Jahrhunderts, in: Archiv für Geschichte des Buchwesens 4 (1963), Sp. 637-710; Ders., Wunder-Zeichen: Die alten Prodigien in neuen Gewändern. Eine Studie zur Geschichte eines Denkmusters, in: Fabula. Zeitschrift für Erzählforschung 38 (1997), S. 14-32; oder den exemplarischen Bericht über eine Wunderheilung bei Renate Dürr, Prophetie und Wunderglauben - zu den kulturellen Folgen der Reformation, in: Historische Zeitschrift 281 (2005), H. 1, S. 3-32, hier S. 6-16; generell zur Deutung von Wundern und Wunderzeichen und der Bedeutungstransformation im christlichen Glauben Rebekka Habermas, Wunder, Wunderliches, Wunderbares. Zur Profanisierung eines Deutungsmusters in der Frühen Neuzeit, in: Richard van Dülmen (Hg.), Armut, Liebe, Ehre. Studien zur historischen Kulturforschung, Frankfurt (Main), S. 38-66.

[2] Hierzu eingehend etwa Thomas Kaufmann, 1600 - Deutungen der Jahrhundertwende im deutschen Luthertum, in: Manfred Jakubowski-Tiessen u.a. (Hg.), Jahrhundertwenden. Endzeit- und Zukunftsvorstellungen vom 15. bis zum 20. Jahrhundert (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 155), Göttingen 1999, S. 73-128.

[3] So bezeichnet bei Michael Bischoff, Himmelszeichen. Eine bildreiche Kunde von Aberglauben und Ängsten, Nördlingen 1986, S. 6.

[4] Vgl. Flemming Schock, Zur Kommunikation von Wunderzeichen in der ersten populärwissenschaftlichen Zeitschrift Deutschlands ('Relationes Curiosae', 1681-1691), in: Jahrbuch für Kommunikationsgeschichte 9 (2007), S. 76-100, insbesondere S. 77 f.; ebenso etwa Irmgard M. Wirtz, Wunder in Enzyklopädie und Kalender. Zur Wirklichkeitskonfiguration barocker Wundererzählungen, in: Rudolf Leeb/Susanne Claudine Pils/Thomas Winkelbauer (Hg.), Staatsmacht und Seelenheil. Gegenreformation und Geheimprotestantismus in der Habsburgermonarchie (Veröffentlichungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 47), Wien/München 2007, S. 119-133; Michael Schilling, Flugblatt und Krise in der Frühen Neuzeit, in: Wolfgang Harms (Hg.), Wahrnehmungsgeschichte und Wissensdiskurs im illustrierten Flugblatt der Frühen Neuzeit (1450-1700), Basel 2002, S. 33-57; Schenda, Prodigiensammlungen (wie Anm. 1); zu Prodigien allgemein z.B. Jürgen Beyer, Art. "Prodigien", in: Rolf Wilhelm Brednich (Hg.), Enzyklopädie des Märchens. Handwörterbuch zur historischen und vergleichenden Erzählforschung, Bd. 10, Berlin/New York 2002, Sp. 1378-1388.

[5] Vgl. Dürr, Prophetie (wie Anm. 1), S. 4.

[6] Michael Widemann, Der getreuen Knechte Gottes Lob und Lohn/ Wurde Bey dem Hoch-Adlichen Leichen-Begängnis [...] einfältig erwogen und fürgetragen [...], Stolberg [1713]. Die Abdankung ist mit eigener Paginierung nach der Leichenpredigt eingebunden; das Zitat befindet sich auf S. 2. Alle folgenden Zitate sind Leichenpredigt und Abdankung entnommen.

[7] Der Jurist Rothmaler (1673-nach 1732) stand seit 1694 in stolbergischen Diensten, 1698 wurde er zum Hofrat und 1706 zum Gräflichen Kanzleidirektor berufen; 1715 wurde er geadelt. Neben seiner Arbeit als Jurist war er auch publizistisch tätig. Einige Bekanntheit erlangte er mit seiner Darstellung der Geschichte des Stolberger Grafenhauses: Stolbergischer Garten-Bau/ Nach Arth Der Oratorischen Baum-Schule Angeleget/ und mit einem Anhange Unterschiedlicher Curieusen alten Nachrichten/ Wie auch Einer deutlichen Einleitung zur Gedächtnüß-Kunst Ausgezieret [...], Leipzig/Stolberg 1713 (VD18 10076670), Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, Halle (Saale), PURL (Werk): http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:gbv:3:1-173418 (Zugriff: 25.10.2016). Zur Biographie Rothmalers siehe u.a. Johann Arnold Zeitfuchs, Stolbergische Kirchen- und Stadt-Historie [...], Leipzig/Frankfurt (Main) 1717, S. 374; Ernst Heinrich Kneschke (Hg.), Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon, Bd. 7, Hildesheim/New York 1973, S. 607.

[8] Zeitgenössische Erklärungsmodelle für das Eingreifen Gottes bei Schock, Kommunikation (wie Anm. 4), S. 86-90.

[9] Dürr, Prophetie (wie Anm. 1), S. 16; die Reformation als entscheidender Impuls für die Herausbildung eines rationalen Weltbildes und damit moderner Gesellschaftsformen bei Richard van Dülmen, Entzauberung der Welt. Christentum, Aufklärung und Magie, in: Ders., Religion und Gesellschaft. Beiträge zu einer Religionsgeschichte der Neuzeit, Frankfurt (Main) 1989, S. 204-214; zu den kulturellen Folgen der Reformation: Susan Karant-Nunn, "Gedanken, Herz und Sinn". Die Unterdrückung der religiösen Emotionen, in: Bernhard Jussen/Craig Koslofsky (Hg.), Kulturelle Reformation (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 145), Göttingen 1999, S. 69-95; John Bossy, Christianity in the West, 1400-1700, Oxford 1985; kritisch dazu z.B. Ulinka Rublack, Die Reformation in Europa, Frankfurt (Main) 2003; Robert W. Scribner, The Impact of the Reformation of Daily Life, in: Gerhard Jaritz (Hg.), Mensch und Objekt im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Leben - Alltag - Kultur (Veröffentlichungen des Instituts für Realienkunde des Mittelalters und der Frühen Neuzeit 13), Wien 1990.

[10] Aufgrund der gebotenen Kürze können die Forschungsergebnisse nur zusammenfassend wiedergeben werden. Vgl. zum umfangreichen Diskurs hier und folgend in Auswahl: Dürr, Prophetie (wie Anm. 1), S. 19-27; Robert W. Scribner, Reformation, Volksmagie und die Entzauberung der Welt, in: Ders., Religion und Kultur in Deutschland 1400-1800 (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 175), hg. von Lyndal Roper, Göttingen 2002, insbesondere S. 378-399; zur Abgrenzung von katholischer und calvinistischer Konfession z.B. Heinz Schilling, Reformation - Umbruch oder Gipfelpunkt eines Temps des Réformes?, in: Bernd Moeller (Hg.), Die frühe Reformation als Umbruch (Schriften des Vereins für Reformationsgeschichte 199), Gütersloh 1998, vor allem S. 13-34; Ders., Alternative Konzepte der Reformation und Zwang zur lutherischen Identität. Möglichkeiten und Grenzen religiöser und gesellschaftlicher Differenzierung zu Beginn der Neuzeit, in: Günter Vogler (Hg.), Wegscheiden der Reformation. Alternatives Denken vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, Weimar 1994, S. 277-308; Walter Sparn, Die Krise der Frömmigkeit und ihr theologischer Reflex im nachreformatorischen Luthertum, in: Hans-Dieter Rublack (Hg.), Die lutherische Konfessionalisierung (Schriften des Vereins für Reformationsgeschichte 197), Gütersloh 1992, S. 54-82.

[11] Beispiele etwa bei Renate Dürr, Politische Kultur in der frühen Neuzeit. Kirchenräume in Hildesheimer Stadt- und Landgemeinden 1550-1750 (Quellen und Forschungen zur Reformationsgeschichte 77), Gütersloh 2006.

[12] Dazu Karl-Sigismund Kramer, Protestantisches in der Volkskultur Frankens. Konfessionelle Rivalität und Nachbarschaft, in: Hessische Blätter für Volkskunde 60 (1969), S. 77-92, hier S. 82.

[13] Vgl. Robert W. Scribner, Die Auswirkungen der Reformation auf das Alltagsleben, in: Ders., Religion und Kultur (wie Anm. 10), S. 303-330, hier S. 309.

[14] Beispielhaft bei Dürr, Politische Kultur (wie Anm. 11); Scribner, Auswirkungen (wie Anm. 13), S. 315.

[15] Zum lutherischen Wortglauben vgl. auch im Folgenden Dürr, Prophetie (wie Anm. 1), S. 23-27; Beispiele im Volksglauben u.a. bei Jörg Haustein, Art. "Volksfrömmigkeit VI/2. Protestantische Kirchen", in: Theologische Realenzyklopädie, Bd. 35, in Gemeinschaft mit Horst Balz hg. von Gerhard Krause und Gerhard Müller, Berlin/New York 2003, S. 242-244; Scribner, Auswirkungen (wie Anm. 13), S. 316.

[16] Vgl. Dürr, Prophetie (wie Anm. 1), S. 28-31.

[17] Überblicksartig zum Forschungsstand u.a. Kaspar von Greyerz, Religion und Kultur. Europa 1500-1800, Göttingen 2000, insbesondere S. 325-341; Hartmut Lehmann, Dechristianisierung, Säkularisierung und Rechristianisierung im neuzeitlichen Europa, in: Ders., Religion und Religiosität in der Neuzeit. Historische Beiträge, hg. von Manfred Jakubowski-Tiessen und Otto Ulbricht, Göttingen 1996, S. 278-285.

 

Zitierweise: Daniel Geißler, Hartmann Ernst von Schlotheim (1658-1713). Das erfüllte ominoese Hirsch-Geschrey – Die Kommunikation von Wunderzeichen in der evangelischen Leichenpredigt, in: Leben in Leichenpredigten 11/2016, hg. von der Forschungsstelle für Personalschriften, Marburg, Online-Ausgabe: <http://www.personalschriften.de/leichenpredigten/artikelserien/artikelansicht/details/hartmann-ernst-von-schlotheim-1658-1713.html>

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