Forschungsstelle für Personalschriften Marburg

Deuil par condoléances pour Guillaume III en Angleterre

16.06.2015

Kategorie: Neuerscheinungen

Neuer Aufsatz von Ulrich Niggemann erschienen

Unter dem Titel "Deuil par condoléances pour Guillaume III en Angleterre" untersucht der Marburger Frühneuzeithistoriker Ulrich Niggemann anhand von gedruckten Kondolenzschreiben sowie Funeralpredigten zum Tod Wilhelms III. im Jahr 1702, wie sich die Trauer der Untertanen angesichts der zunehmend privaten Form der königlichen Trauerzeremonien in England ausdrückte.

So führte der Verzicht auf große Trauerzeremonien zu einem Rückgriff auf schriftliche Kondolenzbekundungen, die von Städten, Universitäten, Gerichten und Geistlichen an Königin Anne gerichtet und in der "London Gazette" veröffentlicht wurden. Auch gedruckte Funeralpredigten sind überliefert, diese wurden allerdings nicht in eigenen Trauergottesdiensten, sondern in den regulären Sonntagsgottesdiensten gehalten. Sie äußern eine positive Haltung zum verstorbenen Monarchen und den Ergebnissen des "Revolution Settlement" und geben einen Eindruck vom vorherrschenden politischen Diskurs, der die institutionellen Errungenschaften der "Glorious Revolution" bestätigte.

Kondolenzschreiben und Predigten wurden auf diese Weise zum Ersatzritual für eine öffentliche Trauerfeier. Dieses Ersatzritual stärkte die bestehende Ordnung symbolisch und erzeugte einen wechselseitigen Kommunikationsprozess zwischen Bevölkerung und neuer Monarchin, die den Loyalitätsbekundungen öffentliche Ehrbezeugungen entgegen brachte.

Der Aufsatz ist im dritten und letzten Band der Trilogie "Les Funérailles princières en Europe" enthalten. Die Reihe behandelt die fürstliche Funeralkultur im Europa der Frühen Neuzeit und legt den Fokus auf die politischen und dynastischen Programme, die durch fürstliche Begräbnisse vermittelt werden sollten. Der nun erschienene dritte Band mit dem Untertitel "Le deuil, la mémoire, la politique" beschäftigt sich damit, auf welche Weisen sich die Trauer um Herrscher in den verschiedenen europäischen Gesellschaften ausdrückte und wie die fürstlichen Begräbnisse zur politischen Integration dienen konnten. Zudem wird der Frage nachgegangen, wie die europäischen Mächte Begräbnisse ausländischer Fürsten durch Memorialstrategien instrumentalisierten, etwa um politische Allianzen zu festigen.

 

Bibliographische Informationen:
Ulrich Niggemann, Deuil par condoléances pour Guillaume III en Angleterre, in: Juliusz A. Chrościcki, Mark Hengerer und Gérard Sabatier (Hg.), Les Funérailles princières en Europe XVIe-XVIIIe siècle, Bd. 3: Le deuil, la mémoire, la politique, Paris/Rennes 2015, ISBN : 978-2-7535-4075-0, S. 143-160.

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