Forschungsstelle für Personalschriften Marburg

Anna von Bünau, geb. von Mühlen (1580-1618)

01.06.2018

Kategorie: Leben in Leichenpredigten

Von: Radmila Prchal Pavlíčková

Von kleinen Kindern und ihrem Zustande – Leichenpredigten auf ungetauft verstorbene Kinder und Gebärende als Empfängerinnen des Trostes

Lucas Cranach d.Ä., Lasset die Kindlein zu mir kommen [1/2]

"Dessen erinnert vns auch gegenwertiges junge Sönlein/ dessen Cörperlein wir heute anhero begleitet haben/ vnd jetzo in seine Ruhestedte versetzet wollen/ das hat dieses elende zeitliche Leben gar eine kurtze zeit gebrauchet/ vnd wenn wir alle Vmbstände fleissig erwegen/ vnd es genaw rechnen/ so wirds nit viel vber 104. Tag oder 15. Wochen vnter Mütterlichem Hertzen gelebet haben/ vnd hat dennoch der Tode seine zarte Kindheit vnd erste Jugend nicht in acht nehmen wollen."[1]

Anna und Heinrich der Ältere von Bünau (1555-1614) durchlebten eine sechzehnjährige, im Vergleich mit ihren Zeitumständen gewöhnliche Ehe.[2] Im April 1599 fand ihre Hochzeit statt, und Anna war im Laufe der folgenden Jahre zehn Mal schwanger. In den ersten Ehejahren gebar sie in kurzen Abständen von jeweils ungefähr einem Jahr vier Jungen und ein Mädchen,[3] in den Jahren 1606, 1607, 1608 und 1610 erlitt sie viermal hintereinander Fehlgeburten, meist bei bereits fortgeschrittener Schwangerschaft. Ihr letztes Kind erblickte bereits als Nachgeborene nach Heinrichs im Oktober 1614 eingetretenem Tod das Licht der Welt.[4]

Die hohe Schwangerschafts- und Geburtenfrequenz war in der Adelsgesellschaft mit spezifischem demographischem Verhalten verbunden, dessen Ziel es war, einen männlichen Erben zu sichern. In der Folge kam es oft zur frühen Erschöpfung der Frauen und deren Ableben im niedrigen Alter, insbesondere infolge einer weiteren Schwangerschaft oder direkt im Zusammenhang mit einer Geburt.[5] Auch Anna, die nach zwei Jahren im Witwenstand wieder geheiratet hatte, starb bereits im 29. Lebensjahr am 22. September 1618, fünf Tage nach einer weiteren vorzeitigen Geburt eines toten Mädchens.

Das Familienleben von Anna und Heinrich dem Älteren von Bünau unterschied sich kaum von dem ihrer Zeitgenossen. Unikal ist die außergewöhnliche Aufmerksamkeit, welche sie den Fehlgeburten und tot geborenen Kindern schenkten, die ansonsten in den Quellen nicht besonders dokumentiert sind.[6] Bei dem Tetschener (tschech. Děčín) Ehepaar von Bünau war es anders: Die tot geborenen Kinder wurden in der Tetschener Pfarrkirche christlich bestattet, und der lutherische Pfarrer Urban Killer hielt bei deren Begräbnis eine Leichenpredigt. Eine christliche Bestattung mit Leichenpredigt fand sogar in dem Falle statt, als es sich um einen etwa vier Monate alten Fötus handelte, der circa zehn Zentimeter groß und fünfzig Gramm schwer war, wie aus dem entsprechenden Einführungszitat hervorgeht. Das Manuskript der Leichenpredigt schenkte der Prediger Anna, damit sie darin in gegenwertigem HauβCreutze vnd den betrübten Sechswochen Trost und Belehrung finden konnte und wusste, was beim Begräbnis gepredigt worden war.[7] Alle Leichenpredigten erschienen nachfolgend im Druck, in den ersten zwei Fällen eigenständig, in den Jahren 1609 und 1610 gemeinsam mit einer Sonntagspredigt, welche Urban Killer hielt, als Anna nach dem beendeten Wochenbett zum ersten Mal am Gottesdienst teilnahm, ihren Kirchgang hatte und heute frisch vnd gesund mit vns zur Kirchen gehen/ und auch selbsten Gott [hat] dancken können.[8]

Leichenpredigten auf Kinder sind im lutherischen Bereich in der Frühen Neuzeit nicht ungewöhnlich, obwohl ihre Anzahl im Vergleich zu Leichenpredigten auf erwachsene Männer und Frauen sehr gering ist.[9] Leichenpredigten auf tot geborene Kinder stellen jedoch ein absolutes Unikat dar - Marion Kobelt-Groch hält solche Leichenpredigten sogar für "eine Rarität".[10] In der Ritterfamilie von Bünau auf Tetschen kann zu Beginn des 17. Jahrhunderts im Hinblick auf die Anzahl derartiger Drucke hingegen von gängiger Praxis gesprochen werden.

Das Zentralthema von allen sechs Texten ist die Versicherung vom Heil der tot geborenen, also ungetauft verstorbenen Kinder, welche einen stark konfessionellen und in einigen Leichenpredigten sogar einen sich besonders von der katholischen Glaubenslehre abgrenzenden Konfrontationscharakter aufweist. Gemäß letzterer sterben ungetaufte Kinder mit der Erbsünde belastet, und ihre Seele könne nicht selig werden. Sie leiden zwar nicht in der Hölle, denn für sie sei eine besondere Stelle, der sog. Limbus puerorum (infantium), ausgespart, in dem die Seelen der ungetauften Kinder keine Qualen erdulden müssen. Jedoch können sie keine Seligkeit erlangen und sich nicht in Gottes Anwesenheit himmlischer Vergnügen erfreuen.[11] Diese Vorstellung führte einerseits zur Entfaltung spezieller Praktiken während der Geburt, mit deren Hilfe die Hebamme bei kompliziertem Verlauf durch die sog. Nottaufe die Taufe des noch im Mutterleib steckenden Kindes vollziehen sollte, andererseits zu einer Reihe von verzweifelten Taten, wie beispielsweise zum Tragen von tot geborenen Kindern und Föten zu den durch wundersame Belebung berühmten Wallfahrtsorten, um sie dort taufen zu lassen und dann anschließend auch nach christlichem Ritus beerdigen zu können.[12]

Neue Sicht in die unerfreulichen Vorstellungen über das Schicksal der Seele ungetaufter Kinder brachte die lutherische Reformation.[13] Die Lehrmeinung, dass das Kind im Mutterleib auf besondere Art und Weise mittels Gebet Gott anbefohlen und die Taufe zu seinem Heil nicht notwendig ist,[14] wurde rasch von den theologischen Werken in die Hebammenbücher sowie Trost- und Erbauungsbücher für Schwangere, Gebärende und Sechwöchnerinnen übernommen[15] und erscheint auch in Leichenpredigten auf im Zusammenhang mit der Geburt und Fehlgeburt verstorbene Frauen und in vereinzelten Leichenpredigten auf ungetaufte Kinder.[16]

Vom Reservoir theologischer Argumente, die in diesen Schriften enthalten sind, schöpfte auch der Tetschener Prediger Killer.[17] Die meisten seiner Predigten beinhalten - manchmal sogar wiederholt - die einfache Information, dass das Gebet der gottseeligen Eltern das Kind auf besondere Weise direkt im Mutterleib zu Jesus bringe: Es sei gestorben/ ist aber darumb nicht verdorben: Sondern dieweil es durch seiner Gotseligen Eltern vnd frommer Christen Gebet/ Christo zugetragen worden, ist es vnserm Herren Gott lieb vnd angenehme gewesen/ vmb des Herrn Christi willen/ vnd ist nun bey Gott gar wol versorget.[18] Einer detaillierteren theologischen Begründung bediente sich Killer im Druck von 1609.[19] Das Heil ungetauft verstorbener Kinder entfaltet er darin in insgesamt 16, auf Beispiele aus dem Alten und Neuen Testament und der Sola-Lehre gestützten Beweisen: Kinder seien ein Geschenk Gottes, er mache sie aus seiner Gnade christlichen Eltern zum Geschenk, und wenn er wolle, nehme er sie wieder zurück. Erlöst sollen alle, die glauben, werden und nicht nur die, die getauft seien (Markus 16); Christus habe die Sünden der ganzen Welt auf sich genommen, und also auch der kleinen Kinderlein. Ungeborene Kinder hätten ihren eigenen Glauben, so habe etwa Johannes der Täufer den Messias doch bereits im Leib seiner Mutter erkannt (Lukas 1), ähnlich habe schon David Gottes Gnade im Leib seiner Mutter erfahren (Psalm 22, 139). Auch die Kinder der Israeliten, die vor der Beschneidung gestorben waren, wurden nicht verdammt, denn der Herr hatte zu Abraham gesagt, er sei sein Gott sowie der Gott seines Samens (Genesis 17). Wer wil diese verdammen?, fragt Killer eindringlich. Den Israeliten habe es zwar an Beschneidung gemangelt, jedoch nicht an Gottes Gnade - und so mangele es auch den Christen nicht am Heil, wenn es ihnen an Taufe mangeln sollte. Zudem habe Christus explizit den Kindern den Himmel versprochen (Markus 10,14): Unnd gebeut man sol sie zu jhm kommen lassen/ welches geschicht durch hertzliches Gebet der Eltern vnd frommer Christen/ wenn sie noch in MutterLeibe verschlossen liegen.

Für die Verteidigung des Heils der ungetauft verstorbenen Kinder nutzt Killer gängige Argumente, die neben üblichen Beweisen aus der Bibel auch aus dem Verweis auf mütterliche Gebete, mit deren Hilfe die Mutter und deren Umfeld das Kind Gott anvertrauen konnten, und nicht zuletzt aus der Möglichkeit eines sich noch im Mutterleib äußernden kindlichen Glaubens bestehen.[20] Außergewöhnlich ist in seinen Predigten eine andere Tatsache, und zwar die gleichzeitige Reflexion der mit Schwangerschaft und Entwicklung des Fötus zusammenhängenden Themen - eine im Rahmen der Textgattung Leichenpredigt ungewöhnliche Faszination für biologisch-medizinische Aspekte und in diesem Zusammenhang insbesondere auch für die verschiedenen Entwicklungsstadien werdenden menschlichen Lebens.

In der Ende November 1607 gehaltenen Predigt widmet Killer beispielsweise ganze zwei Seiten einzelnen Phasen der pränatalen Entwicklung, genauso, wie diese zu jener Zeit in Hebammenbüchern beschrieben wurde. Die Übereinstimmungen sind derart genau und umfassend, dass sich hier die Frage anbietet, ob Killer irgendein Anleitungsbuch bei der Vorbereitung der Predigt zur Verfügung hatte.[21] In einer anderen Predigt befasst er sich mit dem Alter des Fötus und beschreibt dessen Aussehen. Er gibt an, das Kind sei 104 Tage alt gewesen, und Gott habe es so wunderbarer weise vnter mütterlichem Hertzen formiret/ jhme Leib vnd Seel/ vnd alle Gliedmas gegeben. Als einen fertig entwickelten und mit Seele begabten Menschen habe es Gott noch im Mutterleibe zu sich genommen.[22] Heute lässt sich schwer feststellen, ob die genaue, in einer Zeit sehr oberflächlicher Informationen über die Entwicklung des Embryos geradezu absurd genau bestimmte Rechenangabe Killers zum Alter des Kindes aufgrund von Selbstbeobachtungen der Mutter, einer Berechnung der Schwangerschaft nach der letzten Menstruation und dem Sexualverkehr des Ehepaares oder aufgrund einer Einschätzung der Hebamme nach der Größe des Fötus entstand. Die Feststellung der Schwangerschaft leitete sich in der Frühphase primär von der ausgelassenen Regelblutung und den beobachteten somatischen Anzeichen ab und blieb noch bis in das 19. Jahrhundert bis zu den ersten Bewegungen des Kindes, also bis zur 20. Schwangerschaftswoche, eher hoffnungsvolle Ahnung als "ärztliche Diagnose".[23]

Wichtiger ist in diesem Kontext ein anderer Aspekt, und zwar, dass die Angaben über den Fötus und die pränatale Entwicklung keine eitlen Abstecher zum Selbstzweck oder eine biologisch-medizinische Liebhaberei des Predigers darstellen. Vielmehr hatten Informationen über ein ordentliches Aussehen des vorzeitig geborenen Kindes ohne monströse körperliche Abweichungen und Makel,[24] genauso wie die allgemein akzeptierte Vorstellung von der Beseelung der Frucht am 45. Tag seiner pränatalen Entwicklung, schwerwiegende Folgen für den soteriologischen Kontext des menschlichen Lebens. Auch die Medizinwissenschaft hatte im 17. Jahrhundert Schwierigkeiten bei der Klassifizierung unförmiger, dem menschlichen Körper unähnlicher Embryonen, die zwischen der achten und zehnten Schwangerschaftswoche geboren wurden, mit großem Kopf und immer noch stumpfähnlichen Auswüchsen anstelle von Gliedmaßen. Einem Fötus im Mutterleib, der bereits ordentlich formiert war, der Körper und alle Gliedmaßen hatte, wurde der Status eines Kindes zugestanden - es hatte eine Seele, wurde als Mensch bezeichnet, war ein Geschenk Gottes und stand deshalb in seiner Gnade.[25] Die lutherische Theologie stellte in Bezug auf das Heil den Zustand des Kindes vor und nach der Geburt gleich, und Killer geht in seiner Argumentation so vor, dass er die gängigen theologischen Argumente durch physiologische Auslegung unterstützt: Auch Kinder vnter Mütterlichem Hertzen sind nicht vor dem Tod geschützt, vor dem alle Menschen gleich seien. Der Eine lebe vierzig Jahre, und der Andere sterbe noch vor seiner eigenen Geburt, wenn er erst 104 Tage unter dem mütterlichen Herzen liege; aber trotz der Tatsache, dass er nur kurz gelebt habe, sei er nicht verdammt.

Killers Predigten auf Annas tot oder vorzeitig geborene Kinder sind in Bezug auf die theologische Argumentation und konfessionelle Verankerung Bestandteil einer Fülle von Publikationen, welche im Kontext der reformatorischen Bewegung die lutherische Einstellung zum Heil ungetauft verstorbener Kinder popularisierten. Die Einzigartigkeit dieser hier vorgestellten, auf Bestellung einer Adelsfamilie und im Zeitraum einiger weniger Jahre gehaltenen und gedruckten Predigten besteht einerseits in der für einen einzelnen Prediger belegten großen Anzahl, andererseits in der Art und Weise, wie sie mit einigen Inhalten der Hebammenbücher korrelieren. Der Tod eines ungetauften Kindes wird mit einer Reihe von Themen zusammengeflochten, die mit der Zeugung und Geburt der Kinder zusammenhängen: Der Prediger bedient sich dabei ungewöhnlich oft der Wörter Geburt, Fehlgeburt, Gebärende, Kind, Leibesfrucht, Wochenbett. Über diese Themen schreibt er detailliert und ausführlich, und zwar, wie er selbst angibt, insbesondere mittels Verwendung biologisch-medizinischer, aus Fachliteratur geschöpfter Begrifflichkeiten: davon geben die Philosophi vnd physici diesen bericht.[26]

Einer der Gründe für die ungewöhnliche Verbindung beider Themen könnte derjenige gewesen sein, dass die exklusive Adressatin des Trostes in Killers Predigten Anna von Bünau war, die als Gebärende, leidende Sechswöchnerin und betrübte Mutter nach einer schweren Geburt verstanden wird. Jegliche Aufmerksamkeit des Predigers wendet sich ihr zu, und alle Drucke auf die verstorbenen Kinder sind ihr auch gewidmet. Ihr Ehemann Heinrich der Ältere von Bünau wird manchmal flüchtig in der Widmung erwähnt, gegebenenfalls in den Begriff Eltern einbezogen, mit Hilfe seiner Vaterschaft werden die ungetauften Kinder im Titelblatt identifiziert[27] - in der Auffassung des Predigers tritt er jedoch nicht selbstständig als Vater der gestorbenen Kinder auf, an den Trost und Zuspruch gerichtet sind. Die Geburt wurde zu jener Zeit als ausschließlich weibliche Sphäre verstanden, in welche die Männer keinen Zutritt haben sollten. Der Ausschluss des Vaters aus dem Geschehen am Geburtsbett, zu welchem nur Hebammen und weitere weibliche Helferinnen Zutritt hatten, wird damit auf symbolischer Ebene auch in den analysierten Predigten fortgeführt. So wie das Wissen über Schwangerschaft und Geburt ausschließliche Domäne der Frauenwelt war, oder zumindest sein sollte,[28] wird in Killers Predigten auch der Trost nach einer misslungenen Geburt oder Fehlgeburt als eine ausschließlich weibliche Angelegenheit verstanden. Die Orientierung an einer weiblichen Empfängerin der trostspendenden Texte bestimmte die Auswahl der Themen sowie das Vokabular der Predigten und ermöglichte ein enges und für Leichenpredigten aus dieser Zeit ungewöhnliches Durchdringen funeraler Homiletik und fachspezifisch-medizinischer Materie der Hebammenbücher.

 

Dr. RADMILA PRCHAL PAVLÍČKOVÁ ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Geschichte der Philosophischen Fakultät der Palacký-Universität Olomouc (Tschechische Republik).

Die Studie wurde von dem durch die Masaryk-Universität in Brno und die Palacký-Universität in Olomouc realisierten Projekt GA ČR Reg. Nr. 14-36521G "Centre for Cross-disciplinary Research into Cultural Phenomena in the Central Europea History: Image, Communication, Behaviour" unterstützt.

Übersetzung: Hana Jadrná Matějková 

 

Bestand: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
Signatur: Hist.Sax.D.431,misc.4
Enthalten in: Verzeichnis der im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 17. Jahrhunderts (VD17 14:013735U)

 

Anmerkungen:

[1] Urban Killer, Zwo Christliche Predigten: Die erste/ eine Leichpredigt [...] Bey dem trawrigem Begräbnis eines ungetaufften Kindleins/ Des [...] Ritters/ Herren Heinrichs von Bünaw [...] Söhnleins/ welches den 25. Decembris dieses 1608 Jahres am morgen zwischen 4. vnd 5. halber Vhr/ ist tod auff die Welt geboren/ vnnd folgenden 28. dieses Christlich begraben worden. Die Ander. Was von denen Kindern zu halten sey/ die mit tode abgehen/ ehe sie die heilige Tauffe erlangen können [...], Leipzig 1609, S. 17 (Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden [im Folgenden: SLUB Dresden], Hist.Sax.D.431,misc.6; VD17 39:113142X), Digitalisat, PURL (Werk): http://digital.slub-dresden.de/id37837902X (Zugriff: 09.05.2018).

[2] Zur Familiengeschichte siehe die Beiträge in Martina Schattkowsky (Hg.), Die Familie von Bünau. Adelsherrschaften in Sachsen und Böhmen vom Mittelalter bis zur Neuzeit (Schriften zur Sächsischen Geschichte und Volkskunde 27), Leipzig 2008, hier insbesondere Dies., Grenzüberschreitungen. Fallstudien zu Herrschaftserfahrungen der Familie von Bünau im 17. Jahrhundert, S. 275-294; Jens Kunze, Das Testament Rudolf von Bünaus auf Weesenstein und Giesenstein (1546-1627), S. 295-317; und Birgit Finger, frömmigkeitsformen einer niederadligen Familie. Kirchen und Schlosskapellen der Herren von Bünau in Sachsen und Böhmen, S. 383-412.

[3] Die Angabe ist in der Leichenpredigt auf das erste frühgeborene Kind von 1606 enthalten. Urban Killer, Eine Christliche Leichpredigt/ Aus dem Matthaeo [...] Von kleinen Kindern/ und ihrem Zustande. Bey dem traurigen Begräbnüs Des [...] Herrn Heinrichs von Bünnaw [...] fünfften Söhnleins [...], Leipzig 1606, S. 5 (SLUB Dresden, Hist.Sax.D.431,misc.4; VD17 14:013735U), Digitalisat, PURL (Werk): http://digital.slub-dresden.de/id481597565 (Zugriff: 09.05.2018).

[4] Die schwere Geburt einer Tochter am Donnerstag nach Laetare 1615 erwähnt Urban Killer in seiner Leichenpredigt auf Anna. Ders., Rachel Acerbe Parturiens, Das ist/ Christliche Leich/ Lehr und Trostpredigt [...] Sonderlichen für betrübte Schwanger Weibespersonen/ und andere Christliche Matronen. so zur Geburtszeit mit und dabey sein müssen. Gehalten Bey dem Adelichen und Volckreichen Begräbnüs der [...] Frawen/ Annen Hirschbergerin von Königshain/ gebornen Tyrmitzkin von Milen/ Frawen vff Tetschen [...], Dresden 1620, Bl. B1r (SLUB Dresden, Hist.Sax.D.491,60; VD17 14:693945A), Digitalisat, PURL (Werk): http://digital.slub-dresden.de/id333755162 (Zugriff: 09.05.2018). - Zu Geburtsnamen und Lebenslauf Anna von Bünaus ist noch Folgendes anzumerken: In den diversen Leichenpredigten auf sie selbst, auf ihre Kinder und auf Heinrich d.Ä. von Bünau wird sie als geborene Tyrmitzkin von Milen (auch: Trmicki von Milin) bezeichnet (siehe z.B. den Titel des angegebenen Drucks). Hierbei handelt es sich um die Familie von Mühlen auf Türmitz (tschech. Trmice). Nach dem Tod ihres ersten Ehemanns Heinrich d.Ä. von Bünau war Anna im Jahr 1616 ein zweite Ehe mit Erasmus Hirschberger von Königshain eingegangen. Die Leichenpredigt auf Heinrich d.Ä. von Bünau hielt ebenfalls Urban Killer: Ders., Exeqviae Tecinenses. Leichbegängnüs/ oder Klag vnd Trostpredigten/ gehalten vber dem tödlichen abgang des [...] Herrn Heinrichs von Bünaw [...], Dresden [1615] (SLUB Dresden, 2009 8 012032; VD17 14:707631N), Digitalisat, PURL (Werk): http://digital.slub-dresden.de/ppn324000456 (Zugriff: 09.05.2018).

[5] Vgl. Beatrix Bastl, Tugend, Liebe, Ehre. Die adelige Frau in der Frühen Neuzeit, Köln/Weimar/Wien 2000, S. 505-512.

[6] Einige Beispiele von Fehlgeburten und schweren Geburten führen im Zusammenhang mit Lebensgefährdung in der Schwangerschaft und der Geburt an: Heide Wunder, "Er ist die Sonn´, sie ist der Mond". Frauen in der Frühen Neuzeit, München 1992, S. 156-160; Bastl, Tugend, Liebe, Ehre (wie Anm. 5). S. 514.

[7] Urban Killer, Zwo Christliche Predigten. Die Erste/ Eine Leichpredigt auß dem 31. Psalm [...] Bey dem trawrigen Begräbnüβ eines ungetaufften Kindes [...] Die Andere/ Eine Trostpedigt ex Psalmo 116. [...] Als die Edle [...] Fraw Anna Bünin [...] ihren Kirchgang gehalten [...], Magdeburg 1610, S. 5f. (SLUB Dresden, Hist.Sax.D.431,misc.7; VD17 14:013744T), Digitalisat, PURL (Werk): http://digital.slub-dresden.de/id481603131 (Zugriff: 09.05.2018).

[8] Ders., Zwo Christliche Predigten [1609] (wie Anm. 1), S. 24f.

[9] Vgl. Ines E. Kloke, Das Kind in der Leichenpredigt, in: Rudolf Lenz (Hg.), Leichenpredigten als Quelle historischer Wissenschaften, Bd. 3, Marburg 1984, S. 97-119, besonders S. 102f.; Marion Kobelt-Groch, "Freudiger Abschied Jungfräulicher Seelen". Himmelsphantasien in protestantischen Leichenpredigten für Kinder, in: Wolfenbütteler Barock-Nachrichten 31 (2004), H. 2, S. 117-147.

[10] Marion Kobelt-Groch, Selig auch ohne Taufe? Gedruckte lutherische Leichenpredigten für ungetauft verstorbene Kinder des 16. und 17. Jahrhunderts, in: Dies./Cornelia Niekus Moore (Hg.), Tod und Jenseits in der Schriftkultur der Frühen Neuzeit (Wolfenbütteler Forschungen 119), Wiesbaden 2008, S. 63-78, hier. S. 68.

[11] Vgl. Michael Prosser, Vorstellungen über die Seelenexistenz ungetaufter Kinder in Spätmittelalter und Früher Neuzeit. Schriftdokumente zu Theorie und Praxis, in: ebd., S. 183-199.

[12] Vgl. Jacques Gélis, Lebenszeichen - Todeszeichen: Die Wundertaufe totgeborener Kinder im Deutschland der Aufklärung, in: Jürgen Schlumbohm u.a. (Hg.), Rituale der Geburt. Eine Kulturgeschichte (Beck'sche Reihe 1280), München 1998, S. 269-289; Eva Labouvie, "Sanctuaires à répit". Zur Wiedererweckung toter Neugeborener, zur Erinnerungskultur und zur Jenseitsvorstellung im katholischen Milieu, in: Kobelt-Groch/Moore (Hg.), Tod und Jenseits (wie Anm. 10), S. 79-96; Susi Ulrich-Bochsler/Daniel Gutscher, Wiedererweckung von Totgeborenen. Ein Schweizer Wallfahrtszentrum im Blick von Archäologie und Anthropologie, in: Schlumbohm u.a. (Hg.), Rituale der Geburt, a.a.O., S. 244-268.

[13] Vgl. etwa Martin Luther, Ein Trost den Weibern, welchen es ungerade gegangen ist mit Kindergebären, in: D. Martin Luthers Werke. Kritische Gesamtausgabe (Weimarer Ausgabe), Abt. Schriften/Werke, Bd. 53, Weimar 1920, S. 202-208.

[14] Vgl. Eckhard Struckmeier, "Vom Glauben der Kinder im Mutter-Leibe". Eine historisch-anthropologische Untersuchung frühneuzeitlicher lutherischer Seelsorge und Frömmigkeit im Zusammenhang mit der Geburt (Kontext: Neue Beiträge zur historischen und systematischen Theologie 31), Frankfurt (Main) 2000, S. 89-122.

[15] Vgl. Hana Jadrná Matějková, "Ob es hier um des Kindleins Seele geht?" Nottaufe und die Rolle der Hebammen in tschechischsprachigen Quellen der frühen Neuzeit, in: Czech and Slovak Journal in the Humanities, Historica 2 (2014), S. 58-70, besonders S. 62f.

[16] Vgl. Struckmeier, Vom Glauben (wie Anm. 14), S. 174f.; Kobelt-Groch, Selig auch ohne Taufe? (wie Anm. 10), besonders S. 68f.

[17] Vgl. Struckmeier, Vom Glauben (wie Anm. 14), S. 134-167.

[18] Urban Killer, Christliche Leichpredigt/ ex Hiobi 14. Cap. [...] Bey dem trawrigen Begräbnis eines ungetaufften Kindleins/ Des [...] Herrn Heinrichs von Bünaw/ auff Tetzschen [...], Dresden 1608 (SLUB Dresden, Hist.Sax.D.431,misc.5; VD17 14:013739Z), Bl. F2r, Digitalisat, PURL (Werk): http://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/176173/ (Zugriff: 09.05.2018).

[19] Ders., Zwo Christliche Predigten [1609] (wie Anm. 1), S. 35-38.

[20] Vgl. Kobelt-Groch, Selig auch ohne Taufe? (wie Anm. 10), besonders S. 70-72.

[21] Vgl. Walkmberský z Walkmberku, Matouš, Zahrádka růžová žen plodných, in: Jana Ratajová/Lucie Storchová (Hg.), Děti roditi jest božské ovotce. Gender a tělo v českojazyčné babické literatuře raného novověku (Gender v českých preskriptivních diskursech raného novověku 4), Praha 2013, S. 312-322.

[22] Killer, Zwo Christliche Predigten [1609] (wie Anm. 1), S. 19.

[23] Vgl. Barbara Duden, Zwischen "wahrem Wissen" und Prophetie: Konzeptionen des Ungeborenen, in: Dies./Jürgen Schlumbohm/Patrice Veit (Hg.), Geschichte des Ungeborenen. Zur Erfahrungs- und Wissenschaftsgeschichte der Schwangerschaft, 17.-20. Jahrhundert (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 170), Göttingen 2002, S. 11-48.

[24] Vgl. Hana Matějková, "Svět k skonání táhne". Reflexe monstrózních porodů v raněnovověkých českojazyčných naučných a homiletických pramenech a pramenech lidové provenience, in: Dějiny - Teorie - Kritika 7 (2011), H. 2, S. 203-218.

[25] Vgl. Duden, Zwischen "wahrem Wissen" und Prophetie (wie Anm. 23), S. 31-41.

[26] Killer, Christliche Leichpredigt/ ex Hiobi (wie Anm. 18), Bl. C2r.

[27] In den Titeln werden die verstorbenen Kinder nach Geschlecht, Reihenfolge der Geburt und durch die Angabe, wer ihr Vater ist, charakterisiert. Beispielhaft: "Bey dem traurigen Begräbnüs Des [...] Ritters/ Herrn Heinrichs von Bünnaw auf Tetschen vnd Bodenbach/ fünfften Söhnleins [...]"; siehe Killer, Eine Christliche Leichpredigt/ Aus dem Matthaeo (wie Anm. 3).

[28] Vgl. Bastl, Tugend, Liebe, Ehre (wie Anm. 5), S. 450.

 

Zitierweise: Radmila Prchal Pavlíčková, Anna von Bünau, geb. von Mühlen (1580-1618). Von kleinen Kindern und ihrem Zustande – Leichenpredigten auf ungetauft verstorbene Kinder und Gebärende als Empfängerinnen des Trostes, in: Leben in Leichenpredigten 06/2018, hg. von der Forschungsstelle für Personalschriften, Marburg, Online-Ausgabe: <http://www.personalschriften.de/leichenpredigten/artikelserien/artikelansicht/details/anna-von-buenau-geb-von-muehlen-1580-1618.html>

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